UMFRAGE: Luzerner Natur top, Preise Flop

Schöne Schweiz? Luzern ist als Tourismusdestination noch schöner, sagen die Besucher unserer Region. Sie kritisieren aber auch die hohen Preise und fehlende Sprachkenntnisse.

Alexander von Däniken
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Luzern punktet mit der Landschaft. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Luzern punktet mit der Landschaft. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Was mögen die Touristen an der Schweiz, und was kritisieren sie? Diesen Fragen geht Schweiz Tourismus alle drei Jahre mit einer gross angelegten offen formulierten Umfrage nach. Die Ergebnisse der aktuellsten Umfrage werden nächste Woche präsentiert. Dabei wurden zwischen November 2012 und Oktober 2013 schweizweit 13 900 Touristen befragt. Schon jetzt gibt die Luzern Tourismus AG, welche Luzern und die Region Vierwaldstättersee vermarktet, einen Einblick in die neusten Resultate. Besonders interessant: der Vergleich zwischen Luzern und den übrigen zwölf Tourismusregionen der Schweiz.

Natur

Am besten schneiden Natur, Panorama, Landschaft und Berge ab. Vor allem die Region Luzern kann hier punkten (siehe Grafik). Laut Urs Wagenseil, Leiter Tourismus an der Hochschule Luzern, spielt diese Stärke vor allem für Gäste aus der Schweiz und dem nahen Ausland eine Rolle: «Luzern positioniert sich richtigerweise als Stadt bei See und Bergen. Aber auch das Entlebuch, das Seetal oder die Napfregion bieten ein schönes Paket.» Gäste aus China oder Amerika schätzten mehr das Gesamtpaket mit Shopping- und Kulturangebot respektive der Nähe zu den Bergen. Generell sei die Natur eine Stärke der ganzen Region. Tourismus-Direktor Marcel Perren sagte gestern anlässlich eines Mediengesprächs, dass die Region nicht nur mit der Natur punkten kann, sondern auch mit der guten Erreichbarkeit: «Ob Pilatus, Rigi oder Titlis, alles liegt nah.»

Kultur

Hier spielt vor allem das städtische Angebot eine Rolle, sagt Wagenseil: «Das ist in Metropolen wie London oder Hamburg nicht anders. Hier macht Luzern Tourismus vieles richtig, was die Vermarktung des breit gefächerten Kulturangebotes betrifft; Museen, KKL oder die Altstadt zum Beispiel.»

ÖV

«Auch das ist eine generelle Stärke von Städten», sagt Wagenseil. Als zusätzlichen Pluspunkt nennt er die auch im Stadtzentrum optisch sehr gut wahrnehmbare Schifffahrt und die nahen Wege innerhalb der Stadt.

Sauberkeit

Dass Luzern im Vergleich zur übrigen Schweiz sauberer sein soll, überrascht Wagenseil: «Jeder Einheimische weiss, dass die Visitenkarte weisser ist als die Wirklichkeit.» Für ein vertieftes Urteil müsste Luzern allerdings mit den anderen Schweizer Tourismusstädten verglichen werden.

Freundlichkeit

Den 4-Prozent-Balken bei der Unfreundlichkeit bringe man nie weg, sagt Urs Wagenseil: «Das Frontpersonal kann nie immer gut gelaunt sein. Auch Touristen sind nicht immer freundlich, was entsprechende Reaktionen auslösen kann.» Luft nach oben gebe es aber bei den 16 Prozent, welche die Freundlichkeit loben. Wagenseil appelliert dabei an die Bevölkerung: «Wenn Einheimische auf der Seebrücke oder am Schwanenplatz mürrisch an den Touristengruppen vorbeigehen, macht das einen anderen Eindruck, als wenn man eine Gruppe höflich fragt, ob man für sie ein Foto machen kann.» Wagenseil rät zu entsprechenden Sensibilisierungskampagnen. «Die Bevölkerung trägt mehr zum Ambiente bei, als man denkt.» Der scheidende Luzern-Tourismus-Präsident Adelbert Bütler (siehe Box) weist auf das Projekt Gästival vom nächsten Jahr hin: «Das wird auch eine Wirkung nach innen haben, und zwar nachhaltig.»

Preis-Leistungs-Verhältnis

Marcel Perren sagt, dass es beim Preis keinen Spielraum gebe: «Vergleiche mit dem Ausland hinken. Alleine in Österreich sind die Kosten für Hotels wegen der unterschiedlichen Lohn- und Materialniveaus 40 Prozent tiefer.» Auch Urs Wagenseil erklärt nüchtern: «Beim Preis haben wir in der Schweiz kaum Spielraum. Hier spielen die generelle Wirtschaft, die Lebenshaltungskosten und die Frankenstärke eine Rolle.» Dazu komme, dass Luzern mit einer hoch stehenden Hotellerie und dem Uhren- und Schmuckangebot überproportional auf gut betuchte Gäste setze: «Der Anblick von manchen Preisschildern und Menükarten kann auch für Nichtkonsumenten abschreckend wirken.» Luft nach oben biete die Leistung: «Diese kann verbessert werden, damit das Verhältnis zum Preis für die Touristen stimmt.» Ein Pauschalrezept gebe es nicht. Jeder Dienstleistungsbetrieb sollte sich aber die Frage stellen: «Wenn ich in meinem Laden Gast bin, was würde ich erwarten und was würde mich ergänzend erfreuen?» Perren ergänzt, dass es «schweizweit bei 2- und 3-Sterne-Hotels noch Potenzial für Verbesserungen in der Angebotsqualität gibt».

Klima

«Gegen den Regen kann man nichts machen. Wir leben nun einmal in einer Klimazone mit viel Regen oder Nebel», sagt Wagenseil. Wichtig sei, den öffentlichen Raum allwettertauglich zu gestalten: «Zum Beispiel mit überdachten Bushaltestellen.» Womöglich spiele auch eine Rolle, dass die Gäste sich zu wenig mit dem hiesigen Klima auseinandersetzen.

Sprachkenntnisse

Hier sei die Internationalität Luzerns Fluch und Segen zugleich, erklärt Wagenseil: «Kapellbrücke und KKL locken Touristen aus aller Welt hierher, was grundsätzlich toll ist.» Kehrseite sei, dass zum Beispiel Gäste aus Taiwan hierherkommen würden, die nur Taiwanesisch sprechen. Daran könne man nichts ändern. «Wichtig ist, dass man sich neben Englisch auf die Hauptsprachen der Kernmärkte einstellt: zum Beispiel Russland, Brasilien, China und Indien.» Dabei müsse aber jeder Betrieb selber entscheiden, ob sich das Anstellen von Personal aus diesen Ländern oder mit entsprechenden Sprachkenntnissen rentiere. «Generell ist das Ergebnis ein Fingerzeig, sich mehr auf die Gäste einzulassen.» Den Fingerzeig nimmt Perren gerne auf: «Schon jetzt bieten wir unsere Tourismus-Website in 14 Sprachen an. Trotzdem muss man sich bewusst sein, dass wir im Vergleich mit London oder Paris viel kleiner sind – auch wenn es schön ist, dass wir oft mit solchen Top-Destinationen in einem Atemzug genannt werden.»

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