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UMFRAGE: «Ziehen Sie aus Luzern weg?»

Tausende Luzerner werden derzeit befragt. Die Regierung will die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger kennen – und zielt dabei auch auf die Intimsphäre.
Ausblick vom Luzerner Wasserturm auf Reuss, Jesuitenkirche und Luzerner Theater. (Bild: Leserbild Heinz Schürmann)

Ausblick vom Luzerner Wasserturm auf Reuss, Jesuitenkirche und Luzerner Theater. (Bild: Leserbild Heinz Schürmann)

Bevölkerungsbefragung: Die Ergebnisse 2013 finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus.

Jérôme Martinu

Persönliche Post vom Luzerner Regierungsrat: «Wie gerne leben Sie im Kanton Luzern? Wo sehen Sie zurzeit die grössten Probleme?», wird im Brief gefragt, der die Unterschriften von Regierungspräsident Reto Wyss und Staatsschreiber Lukas Gresch trägt. Es ist eine Einladung, an der Bevölkerungsbefragung Kanton Luzern 2015 teilzunehmen. Per Zufallsverfahren hat Lustat Statistik Luzern Tausende Personen aus dem Einwohnerregister ausgewählt und angeschrieben. Wo ansonsten bei Umfragen spätestens bei der Berufsbezeichnung «Journalist» Schluss ist – «Oh, dann können Sie leider nicht teilnehmen!» –, scheint in diesem Fall der Schreibende für eine Teilnahme tauglich.

Das Instrument der Bevölkerungsbefragung habe sich bewährt, wie der kantonale Informationschef Andreas Töns auf Anfrage sagt. Die Bedürfnisse der Bevölkerung werden verordnungsgemäss auf systematische und regelmässige Art abgefragt. «Die Regierung kann so kontrollieren, ob ihre politischen Ziele und Massnahmen mit den Bedürfnissen und Anliegen der Bevölkerung übereinstimmen. Und sie kann aus den Resultaten einen allfälligen Handlungsbedarf ableiten», erklärt Töns das strategische Ziel der Umfrage.

Umfrage kostet 400 000 Franken

Den Bürgerinnen und Bürgern den Puls fühlen – die Regierung investiert für die aktuelle Befragung 300 000 Franken. Zu den Gesamtkosten von 400 000 Franken steuert zudem die Stadt Luzern 100 000 bei. Die grösste Luzerner Kommune hat sich bei der Umfrage erstmals angehängt und lässt ihre Einwohner noch zu spezifischen Stadtfragen – Schwerpunkt Energieverhalten – Stellung nehmen.

Die Befragung wird nach 2009, 2011 und 2013 bereits zum vierten Mal durchgeführt. Der neue Befragungsturnus wurde Mitte August gestartet und dauert noch bis Dezember. Die Resultate sollen im Frühsommer 2016 veröffentlicht werden. «Ziel ist es, rund 4200 Bürgerinnen und Bürger befragen zu können. Klar ist: Je mehr mitmachen, umso verlässlicher sind die Auswertungen», erklärt Andrea Oppliger, die zuständige wissenschaftliche Mitarbeiterin von Lustat. Da die Bereitschaft, bei Befragungen teilzunehmen, aber eher rückläufig sei, werden gemäss Oppliger natürlich deutlich mehr als 4200 Personen angeschrieben. Zum Vergleich: Bei der letzten Befragung 2013 lag die Teilnahmequote bei knapp über 50 Prozent.

Wurde 2013 bei der Befragung der Schwerpunkt auf Finanzen und Steuern gelegt, ist die aktuelle Umfrage gemäss Lustat wie 2011 ohne speziellen Fokus, sondern möglichst breit angelegt. Es ist aufschlussreich, nun einmal exklusiv in den Fragebogen Einblick zu erhalten.

Überhaupt nicht bis sehr zufrieden

Das Spektrum der Fragen ist breit. Gefragt wird etwa auch nach der Qualität der Dienstleistungen und Angebote im Kanton Luzern. Mit wenigen Ausnahmen können die Antworten aus Skalen von 0 (überhaupt nicht zufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) oder 1 (trifft gar nicht zu) bis 5 (trifft voll zu) gegeben werden. Nebst der Einschätzung der persönlichen Zufriedenheit wird auch nach den Prioritäten der Themen gefragt. Hier einige Beispiele zu verschiedenen Bereichen:

  • Verkehr: Situation für Auto-/Motorrad-/Velofahrer, Fussgänger, ÖV-Benutzer, Erreichbarkeit von Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Kultur- und Freizeitangebote, Parkplatzangebot.
  • Soziales: Integration von Ausländern, Existenzsicherung für benachteiligte Menschen, Angebote für Behinderte.
  • Bildung: Qualität von Volksschule, Gymnasien, Berufsbildung, Hochschule und Universität.
  • Familien: Attraktivität Luzerns als Familien-Wohnkanton, Kinderbetreuungsangebote, Mass der Unterstützung, Spielplatzsituation.
  • Gesundheit: Qualität der medizinischen Versorgung, Angebote an Alters-/Pflegeheimen und Spitex.
  • Umwelt: Energieverbrauch, Lärm, Luftqualität, Sauberkeit im öffentlichen Raum, Raum-/Ortsplanung.

Wie die Luzerner Parlamentarier können die Befragten auch ihre (groben) Budgetwünsche äussern: Soll der Kanton weniger, gleich viel oder mehr Geld ausgeben als derzeit? Die Frage stellt sich hier für die Bereiche Bildung, Strassenbau, öffentlicher Verkehr, Sicherheit, Gesundheit, Soziales, Umwelt und Kultur.

Weiter will die Regierung wissen, wie interessiert die Bürgerinnen und Bürger an den Tätigkeiten der politischen Instanzen wie zum Beispiel der Exekutive oder des Kantonsrats sind. Und es ist auch eine Bewertung der regierungsrätlichen Mitteilungspolitik gefragt: Wie gut informiert sie über politische Themen im Kanton Luzern? Werden die Anliegen der Bevölkerung aufgenommen? Auf der Notenskala von 1 (trifft gar nicht zu) bis 5 (trifft voll zu) erhält die Regierung hier vom kritisch beobachtenden Journalisten ein knappes «genügend».

Adressdaten werden gelöscht

Die Teilnahme ist via Internetfragebogen oder per Telefoninterview mit der Luzerner Marktforschungsfirma Link-Institut möglich – die sich dann auch prompt meldet. Der Journalist wählt aber den Onlineweg, wo sogleich nach Geschlecht, Jahrgang und Wohnort gefragt wird. Der Wohnort ist im System bereits hinterlegt, wie sich nach dem Einloggen mittels personalisiertem Code zeigt. «Rückschlüsse auf Ihre Person werden zu keiner Zeit möglich sein», heisst es im Begleitbrief. Und dennoch sind die Adressdaten bereits im System abgespeichert. Wie steht es um den Datenschutz? Andrea Oppliger von Lustat versichert: «Der Datenschutz ist gewährleistet. Die Antworten werden ohne persönliche Angaben wie Name oder Adresse erfasst und gespeichert.» Die hinterlegten Adressdaten würden umgehend gelöscht, sobald die Befragung beendet sei.

Fragen überspringen ist möglich

Die Regierung will einiges von den Befragten wissen – und zielt durchaus auch auf die Intimsphäre der Bürger: «Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen finanziellen Situation?», heisst es etwa. Oder: «Wie würden Sie generell Ihren Gesundheitszustand beschreiben?» Weiter wird nach der Ausbildung gefragt, der beruflichen Stellung und der Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zwölf Monaten den Job zu verlieren. Im Freizeitbereich will die Regierung wissen, mit welchem Verkehrsmittel man am häufigsten unterwegs ist. Und es geht auch um Zukunftspläne: «Haben Sie vor, in den nächsten zwölf Monaten aus dem Kanton Luzern wegzuziehen?»

Wem das alles zu persönlich ist, der wird darauf hingewiesen: Es sei auch möglich, einzelne Fragen zu überspringen. Statistikerin Andrea Oppliger erklärt: «Die Auswertung der Fragen zu demografischen Angaben ermöglicht es etwa, Resultate nach gewissen Bevölkerungsgruppen zu ordnen. Also beispielsweise nach Alter, Geschlecht, Ausbildung oder Wohnregion.»

Fazit: Die Befragung deckt die wichtigsten Fragen zum Leben und Alltag im Kanton Luzern zuverlässig ab. Ich habe recht kritisch-konstruktiv bewertet und bin nichtsdestotrotz zum Schluss gekommen: «I dem Kanton Lozärn esch es doch cheibe schön!»

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