Umgestaltung

Null Pflanzen: Der Luzerner Grendel ist trist und das bleibt so – warum eigentlich?

Nach einer einjährigen Testphase steht fest: Die Begrünungselemente am Löwengraben dürfen bleiben. Ebenso klar: Der Grendel bleibt pflanzenlos – zum Bedauern von Besuchern und Anwohnern.

Roman Hodel
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Wer auf der Achse Löwengraben/Grendel unterwegs ist, der kann sich zumindest auf dem Abschnitt Löwengraben seit gut einem Jahr über etwas Begrünung freuen. Konkret sind es drei mobile, mit Pflanzen versehene Sitzgelegenheiten, die den Strassenraum aufhübschen – hier eine davon:

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 9. Januar 2021)

Die Testphase dafür ist nun abgeschlossen und die mobilen Elemente bleiben im Einsatz. «Sie haben sich bewährt», sagt Daniel Nussbaumer, Projektleiter bei der Stadt Luzern.

Mit den mobilen Elementen entsprach der Stadtrat einer Forderung des Stadtparlaments, das ein entsprechendes Postulat von SP/Grünen überwiesen hatte; wenn auch äusserst knapp. Denn mit dem Resultat der Sanierung war die Mehrheit des Grossen Stadtrats nur mässig zufrieden. Von einer grauen Asphaltpiste und zu wenig Aufenthaltsqualität war die Rede. «Wenigstens hat es ein paar Sitzbänkli – neben einer Abfalltonne», wurde gespottet. Nicht zur Freude des Stadtrats – er lehnte die Begrünungselemente ursprünglich ab und begründete dies unter anderem mit der «Sichtbehinderung» sowie dem Umstand, dass der historische Graben als Stadtbefestigung einst «ein Leerraum» war.

Siegerprojekt von 2001 gibt den Takt vor

Nun haben sich die mobilen Begrünungselemente am Löwengraben zwar bewährt, trotzdem ist eine Ausweitung auf den Grendel kein Thema. Hier bleibt es bei den fix installierten Sitzbänken:

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 9. Januar 2021)

«Die Gestaltung wurde aufgrund des Wettbewerb-Siegerprojekts Grossstadtgraben von 2001 realisiert. Eine Begrünung ist darin nicht vorgesehen», begründet Nussbaumer und fügt an:

«Darum wurde auch keine Begrünung im Zusammenhang mit der Neugestaltung Grendel-Löwengraben ausgeführt.»

Dies sorgt da und dort für Unverständnis. «Gerade in der Coronakrise wäre es doch wichtig, die Altstadt attraktiv zu gestalten und zu begrünen, damit die Leute kommen – und zwar nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Flanieren», sagt etwa die regelmässige Altstadt-Besucherin Antoinette Neumann und wundert sich darüber, dass die Stadt andernorts innert Kürze für mehr Grün sorgen kann – zum Beispiel im vergangenen Sommer auf dem Löwenplatz. Für sie ist klar: Die Stadt müsse ihre Grün-Strategie bezüglich Grendel und Falkenplatz überdenken.

Auch Pierre Rügländer, Präsident des Quartiervereins Altstadt, könnte sich etwas mehr Farbe gut vorstellen – er sagt:

«Die Stadtgärtnerei macht einen Superjob etwa mit den Blumen jeweils am Schwanenplatz, warum nicht auch am Grendel?»

Dies entspräche zwar nicht dem Siegerprojekt der Sanierung, «aber das ist ja nicht in Stein gemeisselt». Rügländer findet mit Blick auf die Pandemie, dass die Welt momentan zwar weit grössere Probleme zu lösen habe, doch er werde das Thema in den Vorstand des Quartiervereins tragen.

Fast schon eine Never-ending-Story

29 Jahre ist es her, dass der damalige Stadtrat die Aufwertung von Löwengraben und Grendel aufgleiste. Die Idee: eine durchgehende Fussgängerzone von der Spreuerbrücke bis zum Schwanenplatz. Erst 2001 wurde der Grendel allerdings autofrei. Vor ziemlich genau 19 Jahren präsentierte die Stadt dann das Siegerprojekt des Wettbewerbs für die Umgestaltung des Grendels mit dem Namen Grossstadtgraben. Es setzte bewusst auf Schlichtheit. Bloss kein «Dekostadtgrün», wie unsere Zeitung im Januar 2002 berichtete – was schon damals zu reden gab unter den Grendel-Geschäftsinhabern. Doch das Stimmvolk sagte 2003 Nein zur 2,6 Millionen Franken teuren Umgestaltung. 2007 kam die Idee eines «Walk of Watches» auf. Zwei Jahre später wagte man nach mehreren politischen Vorstössen einen Neuanfang, holte Anrainer und auch die IG «Walk of Watches» ins Boot, sogar ein Ideenwettbewerb wurde lanciert, doch aus finanziellen Gründen zog die Stadt die Reissleine. 2014 nahm die Stadt einen neuen Anlauf mit einem 3,7 Millionen Franken teuren Umgestaltungs- und vor allem auch Sanierungsprojekt, aber für beide Strassen. Als Basis nahm sie das Siegerprojekt von 2001. Der Grosse Stadtrat genehmigte den Kredit 2016, zwei Jahre später begannen die Arbeiten – und dauerten bis 2019. (hor)