Umnutzung
Der Krienser Stadtrat sucht nach neuen kreativen Ideen fürs «Bahnhöfli»

Ohne Scheuklappen will die Exekutive Nutzungsideen für das schützenswerte Kleingebäude prüfen. Derweil weibelt die überparteiliche Genossenschaft Bahnhöfli für eine Lösung «von Krienser für Krienser».

Simon Mathis
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Der Krienser Stadtrat bringt einen politischen Dauerbrenner erneut aufs Tapet: Er will die künftige Nutzung des «Bahnhöfli» zwischen Bellpark und Stadtplatz klären.

Das alte Krienser Bahnhöfli soll wiederbelebt werden.

Das alte Krienser Bahnhöfli soll wiederbelebt werden.

Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 13. November 2019)

Dazu sucht die Exekutive nach Projektideen. Während der Ideenfindung stelle der Stadtrat den Interessierten eine «Carte blanche» aus, heisst es in der Mitteilung. Das heisst: Zugelassen sind alle Arten von Ideen, der Kreativität sollen keine Grenzen gesetzt sein. Voraussetzung ist allerdings, dass das schützenswerte Gebäude in seiner heutigen Form erhalten bleibt. Stadtpräsidentin Christine Kaufmann-Wolf (CVP) ergänzt:

«Wir möchten ein Projekt, von dem ganz Kriens etwas hat und welches das Krienser Leben im Zentrum bereichert.»

Bewerben können sich Privatpersonen, Gruppierungen, Firmen oder Organisationen. Sie müssen in einem Businessplan aufzeigen, wie sie die nötigen Investitionen finanzieren wollen. Das Gebäude müsse im heutigen Zustand übernommen werden, nötige Umbauarbeiten müssen die künftigen Betreiber übernehmen. Möglich sei eine Vermietung, Verpachtung oder gar eine Abgabe im Baurecht, schreibt der Krienser Stadtrat. Bekanntlich ist der finanzielle Spielraum der Stadt Kriens beschränkt.

Das Projekt könne auch die benachbarten Orte miteinbeziehen; sprich den Stadtplatz, den Bellpark und womöglich das Heinrich-Walther-Haus. Die heute dort untergebrachten Tagesstrukturen ziehen im August ins Schulhaus Grossfeld um, schreibt der Stadtrat.

Genossenschaft Bahnhöfli steht in den Startlöchern

Krienserinnen und Krienser fordern schon länger eine Umnutzung des geschichtsträchtigen Gebäudes. Die Genossenschaft Bahnhöfli, die 2019 gegründet wurde, kämpft an vorderster Front – und parteipolitisch breit abgestützt – für eine Wiederbelebung. Die Genossenschaft will den Betrieb des Bahnhöflis übernehmen. «Von der öffentlichen Ausschreibung sind wir zwar nicht begeistert, aber es ist klar, dass dieses Vorgehen korrekt und sauber ist», sagt Genossenschaftspräsident und früherer Grüne-Einwohnerrat Bruno Bienz.

Klar sei auch, dass sich die Genossenschaft mit einer Projektidee bewerben werde. Wahrscheinlich gehe diese in Richtung Gastronomie. Anders als der Stadtrat findet Bienz, dass der Ort nur wenig Spielraum für neue Ideen offenlasse. Die Genossenschaft werde eine Lösung von Kriensern für Krienser vorschlagen. Er sagt:

«Wir hoffen, dass der Stadtrat dies gewichten wird. Ein reines Renditeprojekt auf so kleiner Fläche sehen wir nicht.»

Wenn Bruno Bienz zurückblickt, nennt er die Geschichte rund um das Bahnhöfli «traurig». Die Genossenschaft hadere damit, dass der vorherige Stadtrat ihre Ideen in «die Schublade gesteckt und nicht mehr weiterverfolgt» habe. «Die Sache wurde immer wieder vertagt – und wir wurden mehrmals vertröstet. Jetzt wissen wir immerhin, dass und wie es weitergeht.»

Christine Kaufmann betont auf Anfrage, dass der öffentliche Wettbewerb keinesfalls gegen die Genossenschaft gerichtet sei. «Ein solches Objekt darf, kann und will der Stadtrat nicht unter der Hand weggeben», sagt sie. «Das wäre anderen Interessenten gegenüber unfair gewesen und hätte gegen die Spielregeln verstossen.»

Vom Stationsgebäude zum Lagerraum

Das Bahnhöfli war Dreh- und Angelpunkt des früheren Schienenverkehrs in Kriens, wie der Stadtrat ausführt. Hier liefen Trambahn- und Bahnbetrieb zusammen. Das Stationsgebäude wurde 1886 errichtet und zehn Jahre später um das markante Bürogebäude in Riegelbauweise ergänzt, heisst es in der Mitteilung. Das Bahnhöfli sei der letzte Bauzeuge dieses historischen Bahnanschlusses.

Zurzeit werde das Gebäude als Lagerraum, teilweise als Atelier und an einem Vormittag in der Woche als «Märtkafi» genutzt. «An dieser Stelle könnte das Bahnhöfli eine ganz andere Rolle spielen im Sozialleben von Kriens», so Stadtpräsidentin Christine Kaufmann.

So ist die Jury zusammengesetzt

Der Stadtrat wird über die eingegangenen Projekte entscheiden. Beraten wird er dabei von einer Jury, in der Stadtverwaltung, Gastronomen sowie «kreative Köpfe» vertreten seien. Die Jury besteht aus Christine Kaufmann (Stadtpräsidentin), Daniel Hofmeister (Immobiliendienste), Tino Küng (Co-Präsident Kulturkommission), Thomas Lustenberger (Planungs- und Baudienste), Guido Solari (Stadtschreiber), Jesús Turiño (Stadtentwicklung) und Marc Rambold (Betriebsleiter Südpol).

Hinweis: Der Eingabeschluss für Bewerbungsdossiers ist am 14. August 2021. Am Samstag, 5. Juni, findet zwischen 9 und 16 Uhr eine freie Besichtigung des Gebäudes statt. Für individuelle Besichtigungen ist eine Anmeldung bei der Stadt Kriens erforderlich. Weitere Informationen zum Projektwettbewerb sind zu finden unter www.kriens.ch/bahnhöfli.