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Umstrittener Islamist darf nicht im Ebikoner Pfarreiheim auftreten

Diesen Samstag sollte im Pfarreiheim Ebikon ein Frühlingsfest der Eyüp-Moschee stattfinden. Doch die Pfarrei annullierte die Buchung, weil ein türkischer Kolumnist auf dem Programm stand, dem ein Ruf als Antisemit und Hassredner anhaftet.
Kilian Küttel
Das Pfarreiheim in Ebikon. (Bild: Manuela Jans-Koch, 19. Februar 2014)

Das Pfarreiheim in Ebikon. (Bild: Manuela Jans-Koch, 19. Februar 2014)

Dienstagnachmittag, 13.18 Uhr. Vier ältere Damen gehen plaudernd auf das Pfarreiheim in Ebikon zu. Ein Schild vor dem Gebäude wirbt für ein Konzert der «Naturjuzer Muotatal.» Am Mittwoch, 17. April, heisst das Motto im Ebikoner Pfarreizentrum «Schrägers und Gräders us em Muotatal» .

Vier Tage vor dem urchigen Jodlerabend hätte im grossen Saal des Pfarreiheims eine andere Veranstaltung steigen sollen. Eine Veranstaltung aus dem Umfeld der Eyüp-Moschee in Reussbühl. Eine Veranstaltung, an der ein umstrittener Gastredner auftreten sollte: Abdurrahman Dilipak. Nur wird daraus nichts. Nachdem der «Tages-Anzeiger» den Fall am Dienstag publik machte, annullierte die Pfarrei St. Maria die Buchung. «Eine Privatperson aus Ebikon hat den Saal für einen Wohltätigkeitsbasar und eine Geburtstagsparty gemietet. Wir wurden nicht informiert, dass ein politischer Redner auftreten soll», sagt Kirchenratspräsident Urs Kaufmann auf Anfrage.

Weil der Kirchenrat über «den wahren Grund der Veranstaltung getäuscht wurde, sind wir per sofort vom Mietvertrag zurückgetreten.» Dass der Anlass mit der Moschee im Zusammenhang stand, habe der Kirchenrat nicht gewusst:

«Unsere Räume stehen nicht für politische und religiöse Anlässe zur Verfügung – ausser in Bezug auf die eigenen Anlässe der Kirchgemeinde.»

Wer ist Abdurrahman Dilipak? Dem Laien dürfte der Name wenig sagen. Auch die Schweizer Medien haben nur spärlich über den 70-Jährigen berichtet, der laut der «Frankfurter Allgemeinen» ein Hardline-Islamist ist. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» ist Dilipak Chefkolumnist der fundamentalistischen türkischen Tageszeitung «Yeni Akit». Bis 2010 erschien die Publikation unter dem Namen «Vakit». In Deutschland wurde diese bereits 2005 wegen Volksverhetzung verboten.

Wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt, handelt es sich bei Dilipak um einen Einflüsterer des türkischen Machthabers Recep Tayyip Erdoğan. Dilipak sei «dezidiert antisemitisch und antichristlich»: «Mehr Islamist als Nationalist, nutzt der Kolumnist die Religion für seine politische Ideologie. Als einer der Ersten forderte er, in der Türkei das Kalifat wiederherzustellen.»

Und dieser Mann sollte in Ebikon sprechen. Auf Anfrage gibt sich der Präsident der Eyüp-Moschee überrascht. Abdulgadir Yildiz hat nicht damit gerechnet, dass der Auftritt so grosses Aufsehen erregt: «Wir führen jedes Jahr einen Basar durch, der gleichzeitig ein Frühlingsfest ist. Und jedes Jahr haben wir einen Gastredner, jeweils aus unterschiedlichen Bereichen wie dem Gesundheitssektor oder eben der Religion.» Dieses Jahr habe man niemanden buchen können, der Auftritt Dilipaks sei aus der Not geboren. «Ein Freund hat mir gesagt, dass Dilipak in die Schweiz käme und er an unserem Anlass einspringen würde.» Hinter Dilipaks Einstellungen würde er nicht stehen, selber bezeichnet er sich als unpolitisch. Und dass als Veranstaltungsgrund eine Geburtstagsfeier angegeben wurde, sei ein Missverständnis gewesen.

Yildiz’ Freund heisst Mustafa Öztürk und ist Präsident der Föderation Islamischer Vereine Schweiz. Dieser gehören die Reussbühler Eyüp-Moschee, die Islamische Union Uri, die Moschee Kommission Basel sowie die ISK Stiftung und Moschee Zürich an. Mustafa Öztürk, wohnhaft im Kanton Uri, kann das Aufhebens um Dilipak nicht nachvollziehen: «Ich kennen ihn schon seit über 25 Jahren. Jetzt kommt Dilipak ferienhalber für einige Tage mit seiner Frau in die Schweiz. Wieso er nicht auftreten darf, verstehe ich nicht.» Öztürk fragt sich:

«Was soll ich machen, wenn ich das nächste Mal etwas organisiere? Muss ich zuerst Tages-Anzeiger um Erlaubnis fragen?»

Aktuell sieht es so aus, dass Dilipak auch ohne Auftritt in die Schweiz kommt. Ob das möglich ist oder nicht, lässt sich nicht eruieren. Das Bundesamt für Polizei gibt keine Auskunft darüber, ob gegen ihn ein Einreiseverbot gilt.

Mustafa Öztürk hofft, dass wenigstens der Basar veranstaltet werden kann, wenn schon der Vortrag Dilipaks nicht erwünscht sei. Resigniertere Töne schlägt derweil Moschee-Präsident Abdulgadir Yildiz an: «So, wie es jetzt aussieht, werden wir kein anderes Lokal für den Basar mieten können. Dann fällt er halt dieses Jahr aus. Das ist kein Weltuntergang.»

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