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In der Krienser Moschee bleibt vieles im Dunkeln – dafür übernimmt die Islamische Gemeinde Luzern das Zepter

Die Dar-Assalam-Moschee trennt sich offenbar von ihrem umstrittenen Prediger Abdulrahman O. Doch die Verantwortlichen scheuen weiter das Licht der Öffentlichkeit. Hingegen schlägt jetzt die Stunde der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL). Der Verein will seinen Einfluss als Sprachrohr aller Luzerner Muslime deutlich ausbauen.
Robert Knobel
IGL-Präsident Petrit Alimi wird nach der Pressekonferenz interviewt. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 16. Oktober 2019)

IGL-Präsident Petrit Alimi wird nach der Pressekonferenz interviewt. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 16. Oktober 2019)

Das Interesse an der Medienkonferenz der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL) am Mittwoch war riesig: Aus der ganzen Schweiz kamen Medienvertreter angereist. Es war überhaupt das erste Mal, dass die IGL auf diese Art an die Öffentlichkeit trat. Einberufen wurde die Medienkonferenz, um zu den Vorgängen in der Krienser Moschee Dar Assalam Stellung zu nehmen. Ein Imam soll dort im August eine Predigt gehalten haben, in der er dazu aufrief, Ehefrauen mit Schlägen zu disziplinieren. Der 38-Jährige, der neben seiner Tätigkeit in der Moschee einen Autohandel im Kanton Nidwalden betreibt, war vorübergehend verhaftet worden. Die Luzerner Staatsanwaltschaft führt nun eine Untersuchung wegen Verdachts auf Aufruf zu Gewalt (wir berichteten).

Die wichtigsten Personen waren bei dem Medientermin allerdings abwesend: Obwohl der Anlass in den Räumlichkeiten der Moschee Dar Assalam selber stattfand, war vom Moscheeverein niemand vor Ort – angeblich, weil die Vorstandsmitglieder arbeiten mussten. So musste sich also die Islamische Gemeinde Luzern, die sich als Sprachrohr aller Luzerner Muslime versteht, zum Vorfall vom August äussern:

«Wir distanzieren uns klar von Predigten mit Aufruf zu Verbrechen und Gewalttätigkeit».

Das sagte IGL-Präsident Petrit Alimi. Zum konkreten Vorwurf, der Imam habe zu Gewalt an Frauen aufgerufen, zitierte Alimi den Propheten Mohammed: «Der beste unter euch ist derjenige, der seine Ehefrau gut behandelt.» Glaube und Gewalt würden sich grundsätzlich nicht vertragen, so Alimi.

Präsident wusste nichts über brisante Vergangenheit des Predigers

Zum Fall selber gab es nicht viele Neuigkeiten. Alimi erklärte, er habe selber mit dem betreffenden Imam gesprochen. Dieser bestreite die Vorwürfe. Über die genauen Umstände der Predigt hat der IGL-Präsident aber genauso wenig Kenntnis wie der Vorstand der Moschee. Alimi betont, er habe auch nichts über die brisante Vergangenheit des Predigers gewusst. Tatsächlich sorgt der irakische Autohändler Abdulrahman O. nicht zum ersten Mal für Schlagzeilen. Wie unsere Zeitung 2015 berichtete, wurden bei dem Mann Datenträger mit extremistischem Inhalt sichergestellt. Deshalb hatte die Bundesanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben. Unter anderem soll er die extremistischen Ansichten «in den Moscheen von Zürich und Luzern» verbreitet haben, wie es in der Anklageschrift hiess. Der sogenannte IS-Prozess vor dem Bundesstrafgericht sorgte Anfang 2016 für nationales Aufsehen. Zusammen mit drei weiteren Irakern war Abdulrahman O. wegen Unterstützung einer Terrororganisation angeklagt. Die drei Mitangeklagten kassierten mehrjährige Gefängnisstrafen – Abdulrahman O. hingegen wurde als einziger freigesprochen.

Petrit Alimi, Präsident der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL) (Mitte) anlässlich der Medienkonferenz in der Dar-Assalam-Moschee. Links ist Vizepräsident Hajrudin Velic, rechts Kanita Sabanovic, Mitglied der IGL. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 16. Oktober 2019)

Petrit Alimi, Präsident der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL) (Mitte) anlässlich der Medienkonferenz in der Dar-Assalam-Moschee. Links ist Vizepräsident Hajrudin Velic, rechts Kanita Sabanovic, Mitglied der IGL. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 16. Oktober 2019)

Krienser Moschee sucht neuen Imam - per Stelleninserat

In einer schriftlichen Stellungnahme, die der anonym bleibende Vorstand des Vereins Dar Assalam via IGL verbreitete, heisst es, man respektiere die Rechtsordnung der Schweiz und setze sich für ein friedliches Zusammenleben ein. Der Moscheeverein «distanziert sich von jeglichen Formen von religiösem, ideologischem und politischem Extremismus, Fanatismus und Gewalt, welche im Namen und unter dem Vorwand der Religionen hier und weltweit ausgeübt werden.»

Konsequenterweise habe sich der Verein inzwischen von Abdulrahman O. getrennt und sucht per Inserat einen neuen Imam. Die Anforderungen: Abgeschlossenes islamisches Theologiestudium, Bezug zur Schweiz, sehr gute Arabischkenntnisse sowie mindestens B1-Niveau in Deutsch. Gewünscht werden weiter «Kontaktfreudigkeit und Offenheit im Umgang mit Menschen aller Altersstufen, Nationalitäten und Religionen.»

Die Moschee Dar-Assalam an der Motelstrasse in Kriens. (Bild: Jakob Ineichen, 9. Oktober 2019)

Die Moschee Dar-Assalam an der Motelstrasse in Kriens. (Bild: Jakob Ineichen, 9. Oktober 2019)

Die Dar-Assalam-Moschee in Kriens wurde früher vorallem von bosnischen Muslimen besucht. Heute hingegen stammen die Besucher vorwiegend aus arabischen Ländern, viele von ihnen sind Flüchtlinge. «Für sie leistet die Moschee viel Integrationsarbeit», anerkennt Petrit Alimi. Gleichzeitig ist genau dies mit ein Grund, weshalb die Moschee jetzt in der Kritik steht. Im Gegensatz etwa zu albanischen oder türkischen Moscheen sind viele Besucher der Krienser Moschee mit den Schweizer Eigenheiten kaum vertraut. Das wiederum spiegelt sich in der Auswahl der Prediger wider. Andreas Tunger-Zanetti, Islamwissenschaftler an der Uni Luzern, war ebenfalls an der Medienkonferenz anwesend. Er bestätigte, es sei sehr schwierig, einen arabischstämmigen Imam zu finden, der gleichzeitig in der Schweiz gut verwurzelt ist.

IGL-Präsident Petrit Alimi stammt wie die meisten anderen Schlüsselfiguren innerhalb des Vereins aus dem Balkan. Dies zeigt denn auch das Dilemma der rund 20'000 Muslime im Kanton Luzern. Diejenigen, die ihre Religion aktiv praktizieren, gehören dem Moscheeverein ihres jeweiligen Herkunftslandes an. Die IGL verstand sich bisher als Dachverband der einzelnen Moscheen. Doch dies soll sich nun ändern: Die IGL will eigenständiger werden und auch derjenigen Mehrheit von Muslimen eine Plattform geben, die bisher nicht einem Moscheeverein angehören. Dazu gehören beispielsweise solche, die zwar gläubig, aber nur wenig praktizierend sind. Aber auch Muslime der dritten Generation, die sich in den Moscheen ihres Herkunftslandes nicht mehr wirklich zuhause fühlen. Seit vergangenem Frühling besteht daher die Möglichkeit, Mitglied bei der IGL zu werden, ohne einer Moschee angehören zu müssen.

Luzern soll ein Zentrum für alle Muslime erhalten

Mittelfristiges Ziel ist der Aufbau eines eigenen Religions- und Kulturzentrums in der Region Luzern. Dieses soll einerseits den «heimatlosen» Muslimen einen sozialen und religiösen Treffpunkt bieten, andererseits aber auch eine Art gesamtislamisches Zentrum werden. Noch ist die IGL auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Allerdings gilt es aufzupassen, dass sich die traditionellen Moscheevereine durch die intensivierten Aktivitäten der IGL nicht bedrängt fühlen oder diese als unerwünschte Konkurrenz empfinden. «Wir müssen deshalb auch die interne Kommunikation mit den einzelnen Moscheen intensivieren. Ziel ist, dass alle am selben Strang ziehen», sagt Hajrudin Velic, Vizepräsident der IGL. Das bedeutet gleichzeitig aber auch, dass die IGL den Moscheen stärker auf die Finger schaut. Um Negativschlagzeilen wie jetzt mit der Dar-Assalam-Moschee künftig zu verhindern, will die IGL dafür sorgen, dass die Predigten stärker kontrolliert werden. Muhamed Sabanovic, Projektleiter bei der IGL, sagt:

«Wir empfehlen, dass jede Predigt aufgenommen und die Aufnahme ein Jahr lang gespeichert wird».

Ein Innenraum der Moschee in Kriens. (Bild: Alexandra Wey, 16. Oktober 2019)

Ein Innenraum der Moschee in Kriens. (Bild: Alexandra Wey, 16. Oktober 2019)

Zudem sollen die Vereine Leute bestimmen, welche die Predigten jeweils kritisch verfolgen und wenn nötig intervenieren. Erzwingen lassen sich solche Vorschläge allerdings nicht – die IGL betont, dass sie lediglich Empfehlungen abgeben könne.

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