Umstrittenes Fasnachtssujet ist weg

Ein anstössiges Sujet der Fasnachtsausstellung ist gestern abgebaut worden. Der Verein Bahnhof-Guuggete nimmt die Schuld auf sich.

Aleksandra Mladenovic
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Mitarbeiter der SBB entfernten gestern Vormittag im Bahnhof Luzern das Fasnachtssujet, welches die Passanten empört hatte. (Bild Manuela Jans)

Mitarbeiter der SBB entfernten gestern Vormittag im Bahnhof Luzern das Fasnachtssujet, welches die Passanten empört hatte. (Bild Manuela Jans)

Kaum aufgebaut und am Samstag eingeweiht, ist ein Sujet an der Ausstellung der Bahnhof-Guuggete gestern bis Mittag bereits wieder abgebaut worden. Dies, nachdem sich Passanten darüber empört hatten, dass das Sujet sexistisch und gewaltverherrlichend sei (Ausgabe von gestern). Das betreffende Sujet Nummer 12 der Guuggenmusig Rotsee-Husaren aus Ebikon zeigte eine Szene aus dem berühmten Hitchcock-Klassiker «Psycho»: eine nackte Frau blutig hinter dem Duschvorhang.

Werner Rast, Präsident der Bahnhof-Guuggete, sagt auf Anfrage: «Wir haben offenbar zu wenig Rücksicht auf die Gefühle von Passanten genommen. Das war ein Fehler.» Das Reglement der Bahnhof-Guuggete verbiete explizit «rassistische, sexistische und sonst wie verletzende Sujets». Im Falle des «Psycho»-Sujets habe die Sensibilität versagt. Rast: «Dafür übernehmen wir vom Verein die Verantwortung.»

«Wollten niemanden brüskieren»

Den Entscheid, das Sujet zu entfernen, habe man gemeinsam mit den Rotsee-Husaren gefällt. Präsident Mario Köhler bedauert den Vorfall: «Wir wollten das Motto ‹Tatort Luzerner Fasnacht› darstellen, damit aber niemanden brüskieren. In Zukunft werden wir uns bei der Wahl des Sujets verstärkt Gedanken machen.» Dennoch sei die Enttäuschung bei den Rotsee-Husaren gross: «Wir haben rund 120 Stunden investiert.»

Daniel Medici, Präsident des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK), sagt zum Vorfall: «Da sind wohl die Sicherungen etwas durchgebrannt. Man hat die Fasnacht ein wenig überstrapaziert.» Für viele sei die Fasnacht zwar auch ein Ventil, doch, so meint Medici: «Ich verstehe die Fasnacht so, dass sie karikieren und belustigend hinterfragen sollte, nicht aber schockieren. Ein ähnlicher Fall hätte es vermutlich schwer bei uns.» Medici spricht damit die vom LFK organisierten Umzüge an: «Wir haben zwar keine Richtlinien, doch unser Umzugskomitee geht jeweils raus zu den Gruppierungen und inspiziert die Sujets.»

Bei den SBB sieht man den Vorfall weniger dramatisch. «Wir schätzen das als Missgeschick ein», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Die SBB beziehungsweise deren Tochterunternehmung Railcity stellen der Bahnhof-Guuggete seit 22 Jahren den Raum gerne zur Verfügung: «Auch für uns ist die Fasnacht ein wichtiges Ereignis. Von überall her kommen die Leute hier an, und die Fahrgäste freuen sich jeweils auf die Sujets.»

Die Vorbereitungen zur alljährlichen Ausstellung der Bahnhof-Guuggete seien inzwischen ein eingespielter Prozess, so Ginsig: «Wir lassen dem Verein Bahnhof-Guuggete dabei freie Hand und reglementieren die Inhalte nicht.» Allerdings seien Arbeiter der SBB jeweils mit dem Auf- und Abbau der Ausstellung beschäftigt. «Die Sicherheit muss gewährleistet sein. Deshalb haben wir die Veranstalter jetzt beim Entscheid für einen Abbau des betreffenden Sujets auch mit Manpower unterstützt», sagt Ginsig. Es sei auch nicht vorgesehen, die Praxis in Zukunft zu ändern.

10 000 Franken für Kinderspitex

Die Bahnhof-Guuggete hat sich in den letzten Jahren zu einem der grossen vorfasnächtlichen Anlässe Luzerns entwickelt. Der Erlös aus dem Verkauf von Getränken und Esswaren an der Vernissage wird jeweils einer gemeinnützigen Institution überwiesen. Diesmal erhält die Kinderspitex Luzern 10 000 Franken.