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UMWELT: Kontroverse um das Reusswehr

Der Fischbestand ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Ein Biologe macht das Wehr dafür verantwortlich. Beim Kanton sieht man das anders.
Sebastian Hofer
Hindernis für Fische: das Reusswehr in Luzern. (Bild: Nadia Schärli (5. Februar 2015))

Hindernis für Fische: das Reusswehr in Luzern. (Bild: Nadia Schärli (5. Februar 2015))

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

Im Kanton Luzern gehen die Fischbestände seit Jahren zurück. Genaue Zahlen existieren zwar nicht, doch der Trend wird von niemandem bestritten. Damit beschäftigt sich nicht nur der Fachbereich Jagd und Fischerei des Kantons, sondern auch lokale Fischereivereine. Seit längerem versuchen sie Massnahmen zu ergreifen, um den Fischbestand zu sichern (Ausgabe vom 3. April).

Besonders prekär sei die Situation in der Reuss. «Äschen, Forellen, Barben – in der Reuss hat es einmal vor Fischen nur so gewimmelt», sagt Roman Ensmenger, Biologe und Hobbyfischer aus Kriens. «Jetzt sind weit und breit keine Fische mehr zu finden», vor allem im Abschnitt zwischen Spreuerbrücke und Nölliturm.

Reusswehr spült Fische flussabwärts

Schuld daran sei insbesondere das Reusswehr. Es spüle die Fische regelrecht die Reuss hinunter, so Ensmenger. Ausschlaggebend dafür sei der sogenannte Sunk- und Schwallbetrieb. Mit Schwall wird der künstlich erhöhte Abfluss zur Stromproduktion bezeichnet. Sunk steht für die Niedrigwasserphase in Zeiten mit geringem Strombedarf. «Für Jungfische ist der Druck der Strömung beim Schwall viel zu gross. Diese werden von der Strömung einfach weggeschwemmt und haben somit keine Chance zu überleben. Der Sunk eliminiert die Laichplätze am Ufer.» Früher habe es rund hundert Laichplätze gegeben, heute seien noch etwa drei intakt.

Die Wasserstandsschwan­kungen in der Reuss würden sich auch auf das Futter der Fische auswirken. «Insekten verstecken sich gerne unter den Steinen und legen dort ihre Eier ab. Die starke Strömung führt jedoch dazu, dass die Steine sich drehen. Dadurch werden die Insekten und ihre Eier zerquetscht.» Damit würde eine wichtige Futterquelle zerstört, sagt Ensmenger.

Um die natürliche Bestandsbildung in den Gewässern zu ergänzen, betreibt die Korporation Luzern eine eigene Fischzuchtanlage. Armin Meyer, Fische­reiverwalter der Korporation, sieht die Probleme des Reusswehrs ebenfalls: «Grosse Wasserstandsschwankungen können in vielerlei Hinsicht eine Gefahr für Fische sein, insbesondere während der Laichzeit und wenn die Jungfische sich im Uferbereich aufhalten. Ein weiteres Problem ist die Fischwanderung. Bei geschlossenem oder nur leicht geöffnetem Wehr ist der Fischaufstieg nicht möglich.» Es habe sich vieles verbessert, was die Bemühungen betrifft, den Fischbestand zu sichern. Es gäbe aber noch sehr viel zu tun.

Kaum Fischwanderung seit Hochwasser

Philipp Amrein, Leiter Fachbereich Jagd und Fischerei bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald, stellt den Rückgang des Fischbestands ebenfalls fest. Das Reusswehr habe damit aber wenig zu tun: «Tendenziell kann festgestellt werden, dass in der oberen Reuss weniger Fische leben als früher. Abfischungen mit Elektrofang­geräten haben aufgezeigt, dass viele Fische heute im unteren Teil der Reuss leben.» Seit dem Hochwasser 2005 sei die freie Fischwanderung bei den Kleinwasserkraftwerken zum Teil gänzlich unterbrochen. «Dies hat zur Folge, dass abgewanderte Fische nicht mehr in den oberen Teil der Reuss zurückschwimmen können», so Amrein.

Die grund­legende Aufgabe des Wehrs, den Ausfluss des Sees zu regulieren, habe sich jedoch nicht verändert. «Im Zusammenhang mit der Sanierung des Reusswehrs konnte die Fischaufstiegshilfe sogar ­optimiert werden, damit die Fische das Hindernis besser passieren können», sagt Amrein.

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