Umzonung der alten jüdischen Schule in Kriens kommt nochmals aufs Tapet

Eigentlich hat sich der Einwohnerrat bereits gegen ein Bauprojekt auf dem Sackweid-Areal ausgesprochen. Doch nun könnte dieser Entscheid revidiert werden.

Stefan Dähler
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Seit rund fünf Jahren verfällt das Gebäude der ehemaligen jüdischen Talmud-Schule an der Sackweidstrasse im Obernau. Ein erster Anlauf, dieses abzureissen und dort stattdessen eine Wohnüberbauung zu errichten, scheiterte 2019. Der Einwohnerrat lehnte im Rahmen der 1. Lesung der Teilzonenplanrevision die Umzonung des Areals ab. Ausschlaggebend waren vor allem Stimmen von SP, Grünen und SVP. Eine Umzonung wäre Voraussetzung für eine neue Überbauung, da sich das Grundstück derzeit in der Zone für öffentliche Zwecke befindet. Eine Schule wird es dort aber nicht mehr geben, da die Eigentümerin, die Genossenschaft Schweizerische Talmud-Hochschule Jeschiwah, finanzielle Probleme hat.

Die leer stehende Talmud-Schule an der Sackweidstrasse

Die leer stehende Talmud-Schule an der Sackweidstrasse

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 1. Mai 2020)

Am kommenden Donnerstag findet nun die 2. Lesung statt. Und offenbar soll der Einwohnerrat dann nochmals über eine Umzonung des Sackweid-Areals abstimmen. Wie unsere Zeitung erfahren hat, wird die Kommission für Bau, Umwelt und Verkehr (KBVU) einen entsprechenden Antrag einreichen. KBVU-Präsident Viktor Bienz (CVP) bestätigt dies auf Anfrage. Der genaue Wortlaut des Antrags werde demnächst eingereicht:

«Das Ziel ist aber, dort gemeinnützigen Wohnraum zu ermöglichen.»

Bei der ersten Lesung war es ebenfalls die KBVU, die den Antrag stellte, die Umzonung abzulehnen – was dann auch geschah. Wieso nun eine erneute Abstimmung? «Es besteht die Chance, gemeinnützigen Wohnraum zu realisieren. Abklärungen haben ergeben, dass Baugenossenschaften interessiert wären», sagt Bienz. Mit dem Schulhaus Obernau und der Freizeitanlage Langmatt in der Nähe sei das Areal geeignet für Familien. «Ausserdem ist die ansässige Bevölkerung verärgert darüber, dass das Areal schon so lange brach liegt und einen Schandfleck für Kriens darstellt.» Beachten müsse man aber die Verkehrsentwicklung. «Vorgesehen ist im Antrag daher eine Bebauungsplanpflicht, dann muss auch ein Verkehrskonzept erstellt werden.»

SP könnte nun umschwenken

Wie kommt der Antrag bei den Parteien an? Offen für das Anliegen einer Umzonung ist nun die SP. Aber es gebe eine Bedingung, wie Fraktionschef Cla Büchi sagt: «Der Passus muss so formuliert sein, dass auf dem Areal zwingend gemeinnützige Wohnungen erstellt werden, für deren Realisierung bereits mehrere Baugenossenschaften ihr Interesse bekundet haben. Bei einer Kann-Formulierung würden wir die Umzonung ablehnen.»

Eine solche wäre dann aber nicht vom Tisch, weil noch eine entsprechende CVP-Initiative hängig ist, die auf dem Areal ebenfalls gemeinnützige Wohnungen fordert.

CVP und FDP befürworten Umzonung

Die CVP wird folglich den Antrag für eine Umzonung unterstützen, wie Fraktionschef Andreas Vonesch sagt. Ob die Initiative zurückgezogen wird, falls der Einwohnerrat die Umzonung bewilligt, sei noch offen, das dürfte auch noch vom Wortlaut des Antrags abhängen. «Es dürfte aber knapp werden im Einwohnerrat, die Fronten verlaufen quer durch die Fraktionen.»

Die FDP hat bereits in der 1. Lesung die Umzonung befürwortet und steht auch hinter der CVP-Initiative. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, sagt Fraktionschef Beat Tanner. «Es könnte durchaus sein, dass die unheilige Allianz, die die Umzonung abgelehnt hat, nun bröckelt.»

Das Areal Sackweid soll umgezont werden.

Das Areal Sackweid soll umgezont werden.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 1. Mai 2020)

Grüne und SVP bleiben kritisch

Die Grünen jedoch werden die Umzonung wie schon in der 1. Lesung ablehnen. «Wir sind der Meinung, dass in den letzten Jahren genug gebaut worden ist und es einen Marschhalt braucht», sagt Fraktionschef Raoul Niederberger. Zumal in derselben Sitzung die Grünen-Initiative für ein Einzonungs-Moratorium behandelt wird. Zwar würde es sich bei der Sackweid um eine Um- und nicht eine Einzonung handeln. «Doch es wäre inkonsequent, ein Bauprojekt zu ermöglichen und gleichzeitig eine Wachstumspause zu fordern.»

Die SVP ist gespalten, wie Fraktionschef Räto Camenisch sagt. Er persönlich wird die Umzonung wohl ablehnen. «Ich will mich nicht dazu nötigen lassen, Land umzuzonen, nur weil der Eigentümer das Gebäude zu einem Schandfleck verfallen lässt.» Es gebe auch andere Möglichkeiten: Die Stadt könnte das Grundstück später einmal kaufen, um es selbst zu nutzen oder als Reserve- beziehungsweise Eintauschland zu behalten. Einen Abriss oder eine Totalsanierung sollte man baupolizeilich aus schwerwiegenden Sicherheitsgründen sowieso durchsetzen, so Camenisch. «Aus meiner Sicht besteht in Kriens im jetzigen Bauboom auch keine dringende Notwendigkeit für neue Wohnungen.»

Offen ist, welche Pläne die Eigentümerin hat. Wie ein Vertreter früher gegenüber unserer Zeitung sagte, beabsichtigt diese, das Land zu verkaufen. Mit einer neuen Stellungnahme wolle man abwarten, bis ein Entscheid gefällt ist.