Umzonung des Frauenklosters in Wikon ist wahrscheinlich

Das Kloster Marienburg in Wikon soll anders genutzt werden. Derzeit liegt es allerdings noch in einer dafür ungünstigen Zone.

Alexander von Däniken
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Hat schon Grafen, Ritter und Vögte beherbergt: die Marienburg in Wikon.

Hat schon Grafen, Ritter und Vögte beherbergt: die Marienburg in Wikon.

Bild: Pius Amrein (17. Oktober 2019)

Seit diesem Jahr ist der Luzerner Bauunternehmer Bruno Amberg stolzer Besitzer zweier Klöster: dem Frauenkloster Marienburg in Wikon und dem Benediktinerinnenkloster St.Niklaus von Flüe im Melchtal. Wie viel Ambergs Transterra Immobilien AG für die Liegenschaften bezahlt hat, wird nicht kommuniziert. Seriöse Schätzungen sind nicht möglich: Laut Experten fehlen Vergleichsdaten und verbindliche Angaben zur künftigen Nutzung der beiden Klöster.

Amberg will sich Zeit lassen und Ideen von Entwicklern einholen. Was die künftige Nutzung des Klosters Marienburg in Wikon betrifft, sagt Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor (CVP): «Im letzten Frühling verabschiedeten Siedlungsleitbild haben wir festgehalten, dass sektenähnliche Organisationen, das Sex-Gewerbe oder ein Asylzentrum nicht unterstützt werden. Vorausgesetzt, die künftige Nutzung stört die Ruhe nicht, ist vieles möglich.»

Gemeinde startet Ortsplanung dieses Jahr

Das Siedlungsleitbild sieht vor, dass eine massgeschneiderte Sonderbauzone ausgeschieden werden kann. Das dürfte auch nötig sein. Denn das Kloster liegt in der Landwirtschaftszone – mit entsprechend wenig Spielraum. Eine optimale Gelegenheit für die Umzonung bietet sich dieses Jahr, wenn die Gemeinde die Revision der gesamten Ortsplanung startet. Eine separate Teilzonenplanrevision wäre ebenfalls möglich, wenn Gemeinde und Kanton grünes Licht geben.

Michaela Tschuor ist zuversichtlich, dass Bruno Amberg das Kloster im Sinne der Gemeinde nutzen wird:

«Es wird sicher eine Herausforderung, aber aufgrund der Zusammenarbeit mit der Stiftung, welche für den Verkauf zuständig war, sind wir optimistisch.»

Mit dem Kauf durch die Transterra Immobilien AG wechselt die Marienburg nicht zum ersten Mal den Besitzer. Wie ein Gutachten zu einem Kaufvertrag zeigt, welches im Staatsarchiv liegt, reicht die Geschichte der Liegenschaft bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damals gehörten die «Burgen zu Wikon» den Grafen von Frohburg.

Es folgten weitere Grafen, ehe die Ritter von Büttikon übernahmen. Diese teilten sich einzelne Burgteile auf. 1415 gelang es den Bernern nach der Eroberung des Aargaus, das Öffnungsrecht der Burg zu Hinter Wikon zu erwirken. 1444 wurde die Marienburg Luzern zugesprochen. Gut 30 Jahre später kaufte Luzern weitere Burgteile zu.

Später lebten nacheinander 64 Vögte in der Marienburg. Danach drohte das Schloss zu verfallen, dem Kanton fehlte das Geld. Am 3. April 1801 ersteigerte die Gemeinde Wikon das Schloss – für 19'600 Franken –, um es an verschiedene Einwohner weiterzuverkaufen.

1859 erwarb die Korporationsgemeinde Wikon die Liegenschaft für 4800 Franken und veräusserte sie 1890 für 4500 Franken an Pfarrer Leupi aus Oberkirch. Dieser wiederum verkaufte die Liegenschaft an seine Tante, Schwester Maria Gertrud Leupi, die 1891 das Benediktinerinnenkloster Marienburg gründete. Seither wohnten hier Ordensschwestern, bis diese vor rund einem Jahr nach Sarnen zogen.

Immer weniger Ordensmitglieder

Auch wenn in der Neuzeit noch nicht viele Klöster verkauft worden sind – der Trend geht in diese Richtung. Der Unterhalt der Bauten ist teuer, die Orden leiden unter Mitgliederschwund. Zwischen 1980 und 2017 ist die Zahl der männlichen Ordensmitglieder in der Schweiz gemäss Schweizerischem Pastoralsoziologischen Institut um 62 Prozent auf 819 gesunken. Die Zahl der Ordensfrauen sank zwischen 1991 und 2017 um 61 Prozent auf 2588.