UMZUG: Basler verspotten Luzerner Original

In der Fasnachtshochburg Luzern ist am Donnerstagnachmittag der Fritschi-Umzug durch die Strassen gezogen. 25'000 Zuschauer verfolgten das Spektakel, welches sich zum ersten Mal auf einer neuen Route abspielte.

Drucken
Teilen
Eine Basler Clique führt Bruder Fritschi durch die Strassen Luzerns. Bis auf weiteres befindet sich die Luzerner Fasnachtsfigur in Basler Gefangenschaft. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Eine Basler Clique führt Bruder Fritschi durch die Strassen Luzerns. Bis auf weiteres befindet sich die Luzerner Fasnachtsfigur in Basler Gefangenschaft. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Es war ein unterhaltsamer Umzug, der gestern von der Hofkirche über die Seebrücke zum Helvetiagärtli führte. Zwar gab sich das Publikum anfänglich noch etwas verhalten, doch als die Rotseehusaren aus Ebikon vorbeizogen, war das Eis geschmolzen. Die Ebikoner brachten Stimmung mit Musik und sorgten für Gelächter mit dem Sujet «Alpe-Uusverchauf: Eusi Bärge ghörid bald nöm de Eidgenosse, alles werd verchauft, de Araber und de Rossegnosse.»

Fritschi am Heli und im Käfig
Für Staunen und Bewunderung sorgte der bunte Wagen der Zunft zu Safran. Die Fritschene weinte sich das Taschentuch voll, weil ihr Fritschi am Samstag von den Baslern entführt worden war. Und eben diese Basler trieben am Umzug ein gar fieses Spiel: Noch vor Beginn hatten sie bei der Seebrücke den Gefangenen am Helikopter hangend den Zuschauern vorgeführt. Am Umzug selber wurde Bruder Fritschi erneut in einem Käfig gezeigt, angeführt von pfeifenden und trommelnden Basler Waggis. «Erstaunlich, dass die Basler heil durch die Luzerner Strassen kommen», wunderte sich Andréas Härry vom Fasnachtskomitee. Mascha Santschi, Ex-Schönheitskönigin und Luzern-Fan, gab den Baslern Saures: «Die treffen ja die Töne nicht, die müssen noch üben.»

Punks zum Abschluss
Als eine der besten Nummern kam die «Zytnot» der Borggeischter-Musig Rothenburg an. Ein Saurier mit spitzen Zähnen hält eine Uhr im Griff, deren Zeiger sich rasend drehen. Weiter fielen unter anderem auf: der grosse Grind von DJ BoBo und seinen Vampiren (Noteheuer), die scharfen Rhythmen der Nölli-Grötze und Näbelhüüler Äbike, die Alpenviecher der E Nomine, die genmanipulierenden Biester der Fisigöggeler Soorsi, das schaurige Leichenmahl der Kulturfasnächtler Schenkastico, die fantastische Alpenparade der Maskenliebhabergesellschaft und die Buerichessler mit dem Sujet Rütli.

Inputs von Prominenten
Den Abschluss des Umzugs bildete eine besondere, nicht angemeldete Nummer: Echte Punks auf einem kleinen Wagen mit einem Transparent: «Bahnhof Luzern, wir bleiben.» Auch sie liess man gewähren, auch sie hatten Platz im Umzug.

Die Prominentenjury, die zusammen mit Fachleuten und dem SMS-Voting des Publikums den Umzug bewertete, zog Bilanz. MusicStar Fabienne Louves fand es «wunderschön und farbig». Mascha Santschi: «Sagenhaft, aber warum blicken die Nummernträger alle so traurig?» Die Krienser Gemeindepräsidentin Helene Meyer-Jenni: «Ein bisschen mehr Lokalkolorit täte gut.» Und Nationalrat Georges Theiler: «Wunderbar, aber bei gewissen Sujets versteht man leider gar nicht, worum es geht.»

Guido Felder

HINWEIS
Wie war der Umzug? Mailen Sie uns Ihre Meinung (unbedingt Vorname, Name und Adresse angeben) an redaktion@zisch.ch . Wir werden sie auf www.zisch.ch/fasnacht veröffentlichen.

Aktuelle Nachrichten