Umzug nach Root gestoppt: CSS sitzt bis auf weiteres auf gepackten Zügelkisten

270 Mitarbeiter der CSS Versicherung hätten eigentlich in diesen Tagen ins neue Bürogebäude im D4 ziehen sollen. Wegen des Coronavirus sitzen sie nun im Homeoffice. Der Grossumzug ist auf unbestimmte Zeit vertagt.

Beatrice Vogel
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Schon seit Jahren steht fest: Die CSS Versicherung zieht Mitarbeiter von sechs Standorten in einem neuen Bürogebäude zusammen. Im «Square One» im Rooter Gewerbeviertel D4 soll unter anderem das neue Kundenservice-Center der CSS entstehen. Nun wäre es eigentlich soweit: Vom 10. März bis Anfang April hätten 270 Arbeitsplätze aus Lyss, Einsiedeln, Solothurn, Olten, Schlieren, Kriens und teils aus Luzern nach Root verlegt werden sollen.

Die ersten Lastwagen mit Umzugskartons waren am 10. März bereits unterwegs, als sie einen Telefonanruf erhielten: Der Umzug werde wegen des Coronavirus sofort abgebrochen. Der Zügelfirma blieb nichts anderes übrig, als die Kisten an ihren Ursprungsort zurückzubringen. Das war allerdings noch bevor der Bundesrat den nationalen Notstand ausgerufen sowie Restaurants, Schulen und Geschäfte geschlossen hat. «Unsere Taskforce hat seit Anfang März täglich getagt und die Entwicklung der Corona-Krise verfolgt. Sie hat schliesslich gemeinsam mit dem Leiter Immobilien entschieden, den Umzug zu stoppen», sagt CSS-Mediensprecherin Karin Müller.

«Die Sicherheit der Mitarbeiter stand dabei im Vordergrund.»

Der Umzug ist nun auf unbestimmte Zeit vertagt. Laut Karin Müller soll er aber so bald wie möglich durchgeführt werden: «Wir hoffen auf Ende April, einen Termin gibt es aber noch nicht.» Mehrkosten sollten durch die Verschiebung indes nicht entstehen, da die Zügelaktion frühzeitig gestoppt worden sei, sagt die CSS-Sprecherin. In der Zwischenzeit bleiben die Akten weiter in den Zügelkisten verpackt. Das «Square One» ist verwaist, nur etwa vier CSS-Angestellte arbeiten derzeit dort, die meisten anderen sind im Homeoffice.

Die ansonsten sehr belebte Cafeteria im «Square One» ist derzeit verwaist.

Die ansonsten sehr belebte Cafeteria im «Square One» ist derzeit verwaist.

PD/Priska Ketterer, 26. März 2020

Mitarbeiter sind privat bereits umgezogen

Nach dem Umzugsstopp bleiben die Mitarbeiter vorübergehend an in ihren bisherigen Bürostandorten. «Da die Mietverträge sicherheitshalber mehr als ein Quartal länger laufen, ist das glücklicherweise unproblematisch», sagt Müller. Allerdings war es für manche Angestellten mühsam, da sie wegen des Arbeitsplatzwechsels auch privat nach Luzern umgezogen sind. Sie mussten kurze Zeit nach Solothurn oder Einsiedeln pendeln. Mittlerweile arbeiten aber fast alle Mitarbeiter im Homeoffice, von wo sie Zugriff auf die digitalen Kundendaten haben. «Sie arbeiten nur mit dem Nötigsten», so Müller, also mit dem – zumeist privaten – Laptop oder Computer sowie mit Headsets, die für die neuen Arbeitsplätze angeschafft wurden.

Bund rät von privaten Umzügen ab

Anfang April ist vielerorts ein offizieller Umzugstermin. Gemäss dem Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) sind Umzüge nach wie vor erlaubt. Allerdings wird derzeit eher davon abgeraten, da die Massnahmen des Bundes bei einem Umzug schwierig einzuhalten sind. Auch die Mieter- und Vermieterverbände raten davon ab, privat zu zügeln. Nur wenn wirklich notwendig, sollten Zügeltermine wahrgenommen werden. Bei Unklarheiten soll das Gespräch mit der Vermieterschaft gesucht werden.

Die betroffenen CSS-Mitarbeiter sind übrigens derzeit die gefragtesten: Das Kundenservice-Team ist die erste Anlaufstelle für Versicherte. Pro Tag beantwortet es im Schnitt 6000 telefonische und 4000 schriftliche Anfragen. Karin Müller:

«In den letzten Wochen haben die Anfragen betreffend des Coronavirus kontinuierlich zugenommen. Aktuell erhalten wir diesbezüglich rund 120 Anrufe pro Tag.»

Im neuen Grossraumbüro in Root werden die CSS-Mitarbeiter übrigens im Desk-Sharing-Prinzip arbeiten: Es gibt keine festen Arbeitsplätze. Jeder Mitarbeiter hat einen Schliessfach mit seinem persönlichen Arbeitsmaterial - Headset, Tastatur und Computermaus - und kann sich jeden Tag einen neuen Arbeitsplatz auswählen. Neben dem Kundenservice-Center werden auch die Abteilungen Inkasso und Prämienverbilligungen ins D4 ziehen.

Das «Square One» wurde von der Unfallversicherung Suva für rund 60 Millionen Franken gebaut. Die CSS ist Ankermieterin und nutzt rund 3500 Quadratmeter Bürofläche. Dies entspricht rund einem Drittel der Fläche des sechsstöckigen Gebäudes.