UMZUGSMONITORING: Das sind die Gründe für einen Wohnortwechsel

Das Wohnobjekt gemäss einer Trendstudie der Hochschule Luzern – Wirtschaft oft der wichtigere Umzugsgrund als der Wohnort. Zudem spielt bei vielen Umzügern die Veränderung der Haushaltsform (z.B. Familiengründung) eine zentrale Rolle.

Drucken
Teilen
Für einen Umzug kann es die untershiedlichsten Beweggründe geben. (Bild: Keystone)

Für einen Umzug kann es die untershiedlichsten Beweggründe geben. (Bild: Keystone)

Warum ziehen Schweizer Haushalte um? Welche Kriterien zählen bei der Suche nach einem neuen Wohnort? Diese Fragen systematisch zu erforschen, ist das Ziel von «Umzugsmonitoring», einem Spin-off der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Die Studie differenziert das Umzugsverhalten nach Migrationstypen und definiert neun solcher Typen, je nach Herkunftsort und Zielort der Umzüger: Stadt–Stadt, Stadt– Agglomeration, Stadt–Land, Agglomeration–Stadt, Agglomeration–Agglomeration, Agglomeration–Land, Land–Stadt, Land–Agglomeration, Land–Land.

Bei allen Migrationstypen spielt die «Veränderung der Haushaltsform» (z.B. Familiengründung) eine wichtige Rolle für einen Umzug. Die «Veränderung von Arbeit oder Ausbildung» ist ebenfalls bei allen Migrationstypen relevant, am meisten bei jenen, die in stärker urbanisierte Räume ziehen oder innerhalb des städtischen Raums umziehen.

Besonders interessant ist gemäss einer Medienmitteilung der Hochschule Luzern der Vergleich der Umzugsgründe «Unzufriedenheit mit dem Wohnort» und «Unzufriedenheit mit dem Wohnobjekt». Hier zeige sich, dass nur bei jenen, die vom Land in die Stadt ziehen, die Unzufriedenheit mit dem Wohnort höher ist als diejenige mit dem Wohnobjekt. Bei allen anderen Migrationstypen sei die Unzufriedenheit mit dem Wohnobjekt deutlich relevanter.

«Das bedeutet, dass Gemeinden und Städte mit gutem Ranking nicht per se als möglicher Wohnort in Frage kommen, insbesondere dann nicht, wenn sie auf die Umzugsgründe keine Antwort bieten können, z.B. mit besseren Wohnobjekten», sagt Studienleiterin Katja Delbiaggio und weist auf die verschiedenen Städte- und Gemeinde- Rankings in der Schweiz hin, die jährlich veröffentlicht werden. Gängige Ratings gehen oftmals von einer absoluten Definition von Standortattraktivität aus: Allen Haushalten werden die gleichen Vorlieben wie zum Beispiel tiefe Steuern oder Zentrumsnähe zugeschrieben. «Aber Wohnorte wie Zug, Wollerau oder Kilchberg, die laut Gemeinderankings oft zu den attraktivsten Gemeinden der Schweiz gehören, bieten beispielsweise aufgrund der hohen Immobilienmarktpreise für viele Haushalte kaum Verbesserungen hinsichtlich des Wohnobjekts», erklärt Katia Delbiaggio.

Neben den Umzugsgründen bestimmen auch die Wohnpräferenzen die Wahl eines neuen Standorts. Sie sind ortsbezogen sowie objektbezogen und unterscheiden sich von Haushalt zu Haushalt. Die Studie zeigt, dass die Wohnpräferenzen unterschiedlich mit den Migrationstypen zusammenhängen. So sind individualistische Nestbauer in der Gruppe, die von der Stadt aufs Land zieht, dreimal so häufig anzutreffen wie in jener, die vom Land in die Stadt zieht. Aktivitätsorientierte zieht es in die Städte, während die Kompromisslosen bei allen Migrationstypen etwa gleich stark vertreten sind.

pd/zim

Das ist das «Umzugsmonitoring»

«Umzugsmonitoring», ein Spin-off der Hochschule Luzern – Wirtschaft, analysiert die Umzugsgründe und Wohnpräferenzen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen mit dem Ziel, die Standortattraktivität von Gemeinden aus verschiedenen Perspektiven zu charakterisieren. Für die Studie wurden die gesammelten Umzüger-Daten der Jahre 2010 bis 2013 analysiert. Von 2010 bis 2013 nahmen 136 Gemeinden an den Umzüger-Befragungen teil. Insgesamt reichten 12’315 umziehende Haushalte einen auswertbaren Fragebogen ein. Es handelt sich um eine Vollerhebung mit einer durchschnittlichen Rücklaufquote von 17 Prozent (2010–2011) bzw. 15 Prozent (2012–2013).