«UNBEQUEME WAHRHEIT»: Tribschenstadt: Lief alles mit rechten Dingen?

Bauingenieur Hanspeter Portmann hat einen 65-seitigen Bericht veröffentlicht, in dem er schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Bau des Luzerner Quartiers Tribschenstadt erhebt.

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Bauarbeiten bei der Tribschenstadt im Mai 2004, vom Suva-Haus aus gesehen. (Bild Beat Blättler/Neue LZ; die dargestellte Person hat keinen Bezug zum aktuellen Fall)

Bauarbeiten bei der Tribschenstadt im Mai 2004, vom Suva-Haus aus gesehen. (Bild Beat Blättler/Neue LZ; die dargestellte Person hat keinen Bezug zum aktuellen Fall)

Das Schreiben mit dem Titel «Die unbequeme Wahrheit Tribschenstadt» ging am Mittwochmorgen bei der Neuen Luzerner Zeitung ein und ist auch im Internet für jedermann zugänglich. Es handle sich um einen «Bericht, wie die Stadt Luzern mit den ihr anvertrauten Geldern umgeht», wie Autor Hanspeter Portmann schreibt. Das Amtsgericht Luzern-Stadt habe auf Antrag der Stadt Luzern verboten, diesen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Portmann geht davon aus, dass Veröffentlichung dieses Berichtes, der happige Vorwürfe gegen die Baudirektion, die privaten Bauherren und die Planer enthält, «weitere Unannehmlichkeiten» einbringen wird.

Verzicht auf die PMP nach erster Etappe
Der Hintergrund der Ein-Mann-Aktion: Die Hanspeter Portmann & Partner, Bauingenieure & Planer AG (PMP), vertreten durch Hanspeter Portmann, war von der Stadt Luzern mit der Projekt- und Oberbauleitung Tribschenstadt beauftragt. Nachdem die erste Etappe der Überbauung Tribschenstadt abgeschlossen war, hat sich die Stadt Luzern entschlossen, die Aufträge an die PMP AG nicht weiterzuführen und in der zweite Etappe auf eine externe Projektleitung zu verzichten. Dies schreibt die Stadt Luzern in einer Reaktion auf den Versand des Berichts von Portmann, der – so Portmann – an rund 1300 Personen versandt worden ist.

Portmann habe bereits 2007 schwere Vorwürfe gegen die Baudirektion erhoben. Diese betreffen insbesondere das Kostenverteilungsverfahren für die Altlasten, verschiedene Bauvorgänge und die stadtinterne Verbuchung von Kosten. Die PMP AG sprach von Bevorzugung, Verschweigen und Verheimlichen von Fakten, bewusstem Nichtdurchsetzen der städtischen Interessenlagen, der eigenwilligen Interpretation schriftlicher Verträge und der Verletzung gültiger Gesetze und Vorschriften.

Unterlagen zum Auftrag herausgeklagt
Zwischen Stadtrat und BaudirektoKurt Bieder und Hanspeter Portmann fand am 26. Oktober 2007 eine Aussprache statt. Dabei hat Bieder erfolglos verlangt, dass die PMP AG ihre Feststellungen schriftlich der Stadt Luzern zukommen lasse. Mit Urteil vom 24. Oktober 2008 hat das Amtsgericht Luzern-Stadt entschieden, dass die PMP AG sämtliche Dokumente im Zusammenhang mit den Aufträgen Tribschenstadt herauszugeben habe. Diese Herausgabe ist in der Zwischenzeit erfolgt.

Eine erste Analyse innerhalb der Baudirektion habe ergeben, dass alle Abwicklungen korrekt waren, wie es weiter heisst. Um die Vorwürfe im Detail zu prüfen und sicherzustellen, dass alles korrekt abgelaufen ist, hat der Stadtrat auf Antrag der Baudirektion im Herbst 2008 einen externen Experten mit einer Administrativuntersuchung beauftragt. Diese Untersuchung läuft zurzeit. Sobald die Resultate vorliegen, werde der Stadtrat informieren.

scd


Das Tribschenstadt-Areal. (Kennzeichnung scd; Bild mapsearch.ch)