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Diese drei Hotels verärgern die Weggiser

Bevölkerung und Gastronomie sind besorgt: Sie glauben, die Häuser «Albana», «Graziella» und «Post Hotel» werfen ein schlechtes Licht auf den Tourismusort Weggis. Die Hotels gehören zu einem Imperium, hinter dem offenbar eine bekannte Figur steckt.
Kilian Küttel
Die Hotels «Albana» (im Hintergrund) und «Post Hotel». (Bild: Pius Amrein (Weggis, 24. Oktober 2018))

Die Hotels «Albana» (im Hintergrund) und «Post Hotel». (Bild: Pius Amrein (Weggis, 24. Oktober 2018))

Es ist ein Dienstagnachmittag im Herbst: Eine weisse Seilbahn schwebt dem Tal entgegen, ein Motorschiff hält auf das Ufer zu, der Vierwaldstättersee glitzert.

Die Szenerie könnte einem Werbespot für Weggis entspringen, der nur zu gut ins Selbstbild passt: Mit dem Slogan «Ihr Wohn- und Feriendorf» wirbt der 4500-Einwohnerort an der Rigi-Südlehne für sich. Über 20 Hotels bieten Platz für Touristen, gemäss Eigenangaben verzeichnet Weggis gut 200'000 Logiernächte jährlich. Und laut einem Branchenvergleich lag die Seegemeinde 2016 auf Platz sieben der erfolgreichsten Sommerdestinationen des Alpenraums.

Eine Geschichte, wie sie erfolgreicher kaum sein könnte? Vielleicht. Doch offenbar gibt es in diesem Buch ein Kapitel, auf das die Tourismusbranche und Behörden verzichten könnten.

Auch ehemaliger Tourismus-Präsident ist verärgert

Drei Hotels sorgen bei den Weggisern für Ärger, Kopfschütteln und Besorgnis: das «Post Hotel» an der Seepromenade, das «Albana» an der Luzernerstrasse sowie das «Graziella» im Ortsteil Hertenstein.

Wie bei Jürg Günther, dem ehemaligen Präsident des Tourismusvereins. In einem Leserbrief in der «Wochenzeitung» der Seegemeinden fragt er: «Quo vadis Weggis?»

Darin bezieht er sich auf eine Recherche unserer Zeitung über das Hotel Himmelrich in Kriens, in der wir von mangelnder Hygiene und schlechter Ausstattung berichteten: «Die im besagten Artikel genannten Personen sind leider auch in Weggis tätig», schreibt der ehemalige Hotelier. Ein Blick in die gängigen Online-Portale zeige, dass es «den Herren auch nur um das schnelle Geld geht und nicht im Geringsten um die Zufriedenheit ihrer Gäste, und schon gar nicht um das Renommee der Hotels in unserer Ferienregion.»

Kein warmes Wasser, dafür Käfer im Zimmer

Auf Anfrage will Günther keine weitere Stellung nehmen, sein Leserbrief habe genug Staub aufgewirbelt.

«Ich bleibe nur diese Nacht, hoffentlich kommt der Morgen bald.»

Kommentar auf Tripadvisor

Während er schweigt, sprechen die Gästerückmeldungen Bände: Auf Tripadvisor berichtet am 14. Oktober ein Gast nach einem Aufenthalt im Hotel «Graziella»: «Im Gang funktioniert das Licht nicht, im Zimmer hat es Käfer und das Wasser für die Dusche ist kalt. Ich bleibe nur diese Nacht, hoffentlich kommt der Morgen bald.»

Ein anderer schreibt nach einem Aufenthalt im Juli: «Vier Sterne sind aus heutiger Sicht eine klare Täuschung und stammen wohl noch aus den glanzvollen Tagen, als der oberste Stock eine Wellnessoase war und auch Seezugang für Hotelgäste erlaubt war.» Anders als angepriesen habe man den Privatstrand nämlich nicht betreten dürfen.

Positiver fallen derweil die Bewertungen für das «Post Hotel» aus. Mit vier von fünf möglichen Punkten ist dieses hoch bewertet und es gibt lobende Voten. Allerdings sind auch viele Bewerter unzufrieden: mit dem Essen, mit dem Service, mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zwiegespalten sind die Bewertungen fürs «Albana»: Sechs Personen nennen es «ausgezeichnet», fünf sprechen von «mangelhaft». Was soll man glauben?

Afrim Baftiri, der Mann im Schatten

Diese Frage stellen sich auch die Einwohner von Weggis. Egal, mit wem man spricht – es dauert nicht lange, bis das Gegenüber seufzt und durchblicken lässt, dass man sich schon lange fragt, wie das Ganze funktionieren kann. Zudem heisst es oft, die drei Häuser würden ein schlechtes Bild auf die Destination werfen. Die vorwiegend asiatischen Gäste würden sich schlecht benehmen und die Cars die Strassen verstopfen.

Bei jedem Gespräch fällt nach kurzer Zeit ein und derselbe Namen: Afrim Baftiri. Der Mazedonier gilt in der Region als umtriebiger Gastronom, der auffällig viele Betriebe geführt hat und auffällig oft negative Schlagzeilen machte. Wie Jürg Günther korrekt schreibt, besteht eine Verbindung zum «Himmelrich» in Kriens: Die Liegenschaft gehört der Lucerne Immobilien GmbH, deren einziger Gesellschafter Urim Baftiri heisst – Afrims Bruder.

«Wir hatten nie Probleme mit dem Pächter.»

Daniele Obino, Eigentümer des «Albanas»

Afrim Baftiri ist ein Mann, der die Geschäfte vom Hintergrund aus zu orchestrieren scheint, in amtlichen Dokumenten aber ungern auftritt. So auch in Weggis: Die Pacht der drei Häuser läuft auf die ZB Investment AG um Wei Geng. «Mir gegenüber hat sich diese Gesellschaft immer korrekt verhalten und wir hatten nie Probleme mit diesem Pächter» sagt der Eigentümer des Hotels «Albana», Daniele Obino. Gleiches ist von der Megger Starimo 3000 AG zu vernehmen, der das «Graziella» gehört. Etwas Zitierfähiges zu Baftiri sagt jedoch niemand.

Das Hotel «Graziella» im Weggiser Ortsteil Hertenstein. (Bild: Pius Amrein (21. Oktober 2013))

Das Hotel «Graziella» im Weggiser Ortsteil Hertenstein. (Bild: Pius Amrein (21. Oktober 2013))

Auch Baftiri selbst will offensichtlich nicht öffentlich in Erscheinung treten: Im Rahmen der Recherchen zum Artikel über das Hotel Himmelrich kontaktierte unsere Zeitung die Lucerne Hotel Group. Dieses Konsortium warb mit dem «Himmelrich», den drei Weggiser Hotels sowie dem Hotel Tellsplatte in Sisikon auf seiner Webseite. Die Domain wurde im Oktober 2013 registriert, eingetragen ist sie auf Afrim Baftiroski. So nannte sich Baftiri früher.

Indizien für eine Beteiligung Baftiris

Nach mehrmaliger Nachfrage teilte die Gruppe damals mit, unsere Recherchen würden nicht stimmen, die genannten Häuser seien strikt voneinander zu trennen. Unter Androhung rechtlicher Schritte versuchte die Gruppe zudem, uns die Namensnennung von Personen oder Unternehmen zu verbieten.

Ein Besuch im «Albana» zeigt jedoch, dass Baftiri höchstwahrscheinlich involviert ist: An der Eingangstür hängt eine Telefonliste, auf der die Zuständigen aufgeführt sind. Baftiris Name samt Handynummer steht zuoberst. Gleichentags parkieren vor dem «Post Hotel» zwei Autos, welche auf Firmen eingetragen sind, die beide an derselben Adresse domiziliert sind: Schattenbergstrasse 107 in Kriens, Hotel Himmelrich.

Und: Die Wirtepatente für das «Post Hotel» und das «Albana» haben zwei Frauen inne, die zum Nachnamen Baftiri heissen. Dass Afrim Baftiri also nichts mit den Hotels zu schaffen hat, erscheint gelinde gesagt zweifelhaft.

Tourismusvereine sorgen sich um Ruf von Weggis

Doch zurück zur Stimmung in Weggis: Nicht nur die Bevölkerung ist besorgt um den guten Ruf ihres Dorfes, auch Mischa Hasler, Hotelier im «Gerbi» und Präsident von Weggis-Vitznau-Rigi-Tourismus, macht sich Gedanken: «Ich glaube, die Situation wird schlimmer dargestellt, als sie ist. Aber ja, wir machen uns Sorgen um unser Image als Ferienort.»

«Was hängen bleibt, ist der Name Weggis.»



Mischa Hasler, Präsident Weggis-Vitznau-Rigi-Tourismus

Einerseits seien da die schlechten Internetbewertungen, andererseits gebe es relativ viele Reklamationen über die Hotels. Und diese könnten Auswirkungen auf die ganze Region haben: «Am Anfang wird jemand von seinen schlechten Erfahrungen aus einem der drei Hotels berichten. Was hängen bleibt, ist aber nur der Name Weggis.»

Zwar habe man versucht, Kontakt mit den Betreibern aufzunehmen. Dies sei aber schwierig. Und: «Wir können ja auch niemandem vorschreiben, wie er sein Hotel zu betreiben hat. Uns sind die Hände gebunden.»

Dasselbe sagt Peter Rubi, der das Seminar-Hotel Rigi am See führt und als Präsident des Weggiser Hoteliervereins amtet: «Ja, auch wir teilen diese Angst. Teilweise bekommen wir sehr unerfreuliche Geschichten zu hören.» Von ganzen Reisegruppen zum Beispiel, die zwar eine Übernachtung in einem der Hotels gebucht hatten, aber ausweichen mussten, weil schon alle Zimmer belegt waren.

«Post Hotel» hat Vorgaben bis anhin erfüllt

Auch Rubi sagt, der Verein könne nicht viel Einfluss nehmen. Einerseits, weil die Betreiber nur aus dem Hintergrund tätig seien und auf Anfragen kaum oder gar nicht reagieren würden. Andererseits sei einzig das «Post Hotel» Mitglied im Schweizer Hotelierverein Hotelleriesuisse. Dabei hoffe man, dass bei der nächsten Hotelklassifikation die Mängel aufgedeckt würden. «Bis jetzt hat das ‹Post Hotel› die Anforderungen an ein Vier-Sterne-Haus immer erfüllt. Wir hören viel und es wird viel behauptet, doch gegen die kolportierten Missstände etwas zu unternehmen, ist nicht einfach.»

«Wir können den Betreibern zwar auf die Finger schauen, aber nicht auf die Finger klopfen.»

Peter Rubi, Präsident Hotelierverein Weggis

Als Verein könnten sie den Betreibern zwar auf die Finger schauen, «aber nicht auf die Finger klopfen».

Die Stimmung bei den Weggiser Hoteliers ist also angespannt. Dass der Zustand aber für immer andauern wird, glaubt Rubi nicht: «Ich denke, der Markt wird die Situation früher oder später von selbst bereinigen.» Was er damit meint, lässt er offen.

Allerdings ist es ein schlecht gehütetes Geheimnis, dass Afrim Baftiri an manchem Gastrobetrieb beteiligt war, viele aber wieder verliess – mitunter, weil die Firmen Konkurs gingen. Beispiele dafür sind das Jailhotel in Luzern oder der ehemalige Nachtclub Froschkönig in Kriens.

Ebenso wurde Baftiri eine Verbindung mit dem Hotel und dem dazugehörenden Restaurant «Tellsplatte» in Sisikon nachgesagt. Die Tatsache, dass die Lucerne Hotel Group auf ihrer Homepage mit dem Haus geworben hat, stützt den Eindruck, dass Afrim Baftiri auch an der «Tellsplatte» beteiligt war – obwohl er auch hier nirgends in einem amtlichen Dokument vermerkt ist.

Baftiri und Geng schweigen beide

Das Kapitel «Tellsplatte» ist aber vorderhand beendet, denn wie aus Urner Behördenkreisen zu vernehmen ist, hat das Restaurant seine Tore Anfang September geschlossen. Das Hotel ist bereits seit Längerem zu.

Gerne hätte unsere Zeitung auch mit Wei Geng oder Afrim Baftiri gesprochen und sie mit den Vorwürfen konfrontiert. Wir haben mehrmals versucht, mit den beiden in Kontakt zu treten, sowohl telefonisch als auch schriftlich. Ein Gespräch kam bis heute nicht zu Stande.

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