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UNFÄLLE IM SCHWINGSPORT: Einen Toten gab es bereits

Ein Todesfall, mehrere Querschnittgelähmte: Der Schwingsport birgt ein grosses Verletzungsrisiko. Besonders betroffen ist die Zentralschweiz. Das unterstreichen Zahlen der Suva.
Thomas Heer
Schwingen ist ein attraktiver Sport und in der Zentralschweiz besonders beliebt – er birgt aber auch Verletzungsrisiken, wie die Unfallstatistik zeigt. (Bild: Keystone/Benjamin Manser)

Schwingen ist ein attraktiver Sport und in der Zentralschweiz besonders beliebt – er birgt aber auch Verletzungsrisiken, wie die Unfallstatistik zeigt. (Bild: Keystone/Benjamin Manser)

Thomas Heer

Ein missratener Schwung, Sturz auf den Kopf, irreversible Verletzungen an der oberen Halswirbelsäule: Für einen damals 19-jährigen Schwinger aus Romoos entpuppte sich der Abendschwinget in Baar vom 18. Juni 2004 als tragisches Ereignis. Der Tag des Luzerners endete im Paraplegiker-Zentrum von Nottwil. Dort wurde er ins künstliche Koma versetzt. Schwerwiegende gesundheitliche Störungen machten später eine Einweisung ins Berner Inselspital unumgänglich. Das aber änderte nichts an der Tatsache, dass der Jungschwinger wenig später verstarb.

320 Unfälle pro Jahr

Bereits einige Jahre zuvor wurde die Schwingerszene durch zwei gravierende Vorfälle erschüttert. Ende der 1990er-Jahre verletzten sich zwei Athleten bei der Ausübung ihres Sportes derart gravierend, dass sie die Diagnose Querschnittlähmung akzeptieren mussten.

Anders als zum Beispiel das Motorradrennen auf der Isle of Man, bei dem die Rennfahrer in der Vergangenheit dutzendfach ins Jenseits rasten, handelt es sich beim Schwingsport mit Sicherheit nicht um eine Hochrisikosportart mit dem Tod als ständigem Begleiter. Ein Blick in die Statistik macht aber trotzdem stutzig. Auf Anfrage wertete die Suva Zahlenmaterial aus. 2014 wurden in der Zentralschweiz fast 20 000 Sportunfälle registriert (siehe Grafik). Ins Auge springt dabei, dass die Zentralschweiz in der Rubrik Kampfsportarten mit jährlich im Durchschnitt deutlich über 600 Verletzungen im Vergleich zum Rest des Landes klar überdurchschnittlich hohe Fallzahlen aufweist.

Woher rührt das? Die Spurensuche führt zu den Sportlern im Sägemehl. In diesem Jahr kann der Innerschweizer Schwingerverband (ISV) inklusive Junioren auf insgesamt 1827 potenzielle Wettkampfathleten zählen. Damit liegt der ISV mit 31 Prozent aller Schwinger mit klarem Vorsprung an der Spitze, gefolgt an zweiter Stelle vom Nordostschweizer Schwingerverband.

Peter Andermatt arbeitet bei der Suva als Statistiker. Der Fachmann hat sich in die Zahlen vertieft und kommt zu folgendem Schluss: «Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2014 kam es in der Zentralschweiz jährlich im Durchschnitt zu 320 Unfällen beim Schwingen.» Das entspricht, so Andermatt, 44 Prozent aller Schwingunfälle in der Schweiz. Andermatt sagt weiter: «Die Kosten von Unfällen beim Schwingen fallen mit 2900 Franken unterdurchschnittlich aus.» Bei Freizeitunfällen liegt dieser Wert im Mittel bei 4700 Franken. Bei rund 90 Prozent der Verletzten im Schwingsport handelt es sich um Athleten, die weniger als 30 Jahre alt sind. Daher auch die im Vergleich zu den übrigen Freizeitunfällen niedrigeren Kosten. Junge Patienten generieren im Allgemeinen niedrigere Aufwendungen als die älteren.

Vom Judo lernen

Beim Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) ist man sich des Verletzungsrisikos bewusst. Bereits nach den ­erwähnten Vorfällen, die zu Querschnittlähmungen führten, kam es zu Korrekturen. So wurden die Sägemehlringe vergrössert und Beschaffenheit sowie Aufbau der Kampfunterlage verbessert.

Rolf Gasser ist Geschäftsstellenleiter beim ESV. Er sagt: «Die Verunfallten tragen häufig Knie-, Schulter und Nackenverletzungen davon.» Gasser erwähnt aber auch, dass die Unfallzahlen im Vergleich zu früher deutlich zurückgegangen seien. Das ist vor allem, so Gasser, darauf zurückzuführen, dass im Training vermehrt auch die Unfallprävention im Fokus steht. Gasser erklärt: «Das Aufwärmen hat heute ein viel grösseres Gewicht. Auch gezieltes Nackentraining wurde zum Standard.» Zudem feilen die Schwinger gezielt an der Falltechnik, dem Abrollen über die Schultern. Vorbild ist dabei der Judosport.

Die Nicht-Berufsunfälle in der Zentralschweiz 2014. (Bild: Suva/Oliver Marx)

Die Nicht-Berufsunfälle in der Zentralschweiz 2014. (Bild: Suva/Oliver Marx)

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