Nachgefragt
«Die Klappe hat den ganzen Bus aufgeschlitzt»: Das sagt der VBL-Chauffeur nach dem Unfall in der Stadt Luzern

Der Luzerner VBL-Buschauffeur Valerio Giglio hat durch sein beherztes Eingreifen beim Unfall vom Dienstag Schlimmeres verhindert. Jetzt spricht der 50-Jährige über den Unfall und wieso dieser eine zweite Geburt für ihn bedeutet.

Stefanie Geske
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Buschauffeur Valerio Giglio

Buschauffeur Valerio Giglio

Herr Giglio, der Unfall ist nun einen Tag her. Wie geht es Ihnen jetzt?

Es war ein heftiger Unfall. So etwas habe ich während meiner drei Jahre bei der VBL noch nie erlebt. Der Schock sitzt noch immer tief in meinen Knochen. Aber ich hatte Glück im Unglück und bin mit einer Muskelzerrung im Hals und Kopfschmerzen davongekommen. Als der Anhänger mit geöffneter Klappe auf mich zukam, habe ich eine schnelle Bewegung gemacht, das schmerzt nun. Aber für mich war dieser Unfall wie eine zweite Geburt.

Wie haben Sie den Unfall erlebt?

Die Mittagssonne hat geblendet, ich habe die offene Klappe des weissen Anhängers erst gesehen, als das Auto etwa 40 Meter von mir entfernt war. Ich habe dem Autofahrer Lichthupe gegeben und gehornt wie wild. Keine Reaktion. Daraufhin habe ich eine Vollbremsung gemacht und den Bus dabei etwa eineinhalb Meter nach rechts gelenkt. Dass ich dabei meinen Kopf auf die rechte Seite verschob, war mein grosses Glück.

Wieso war das ihr grosses Glück?

Sonst hätte die offene Klappe des Anhängers wohl nicht nur mich, sondern auch Fahrgäste im vorderen Teil des Busses getroffen. Sie hat den ganzen Bus auf der einen Seite aufgeschlitzt wie eine Sardinendose. Als der Bus endlich kurz vor der Haltestelle stehen blieb, spürte ich noch eine Stange neben meinem linken Ohr. Diese wäre mir wohl direkt zwischen den Augen gesteckt, wenn ich nicht rechtzeitig reagiert hätte. Dank der guten Ausbildung und der regelmässigen Weiterbildungen bei der VBL wusste ich, was in einer solchen Situation zu tun ist. Es hätte sonst Tote geben können.

Hätte Giglio seinen Kopf nicht beiseitegezogen, wäre ihm wohl diese Stange im Kopf gesteckt.

Hätte Giglio seinen Kopf nicht beiseitegezogen, wäre ihm wohl diese Stange im Kopf gesteckt.

Bild: PD

Was hat der Unfall bei Ihnen ausgelöst?

Ich stehe noch recht unter Schock und hatte eine schlaflose Nacht. Ich werde nun erst mal runterfahren und die Bilder in meinem Kopf verarbeiten. Bis am Montag habe ich mir eine Auszeit genommen. Wenn der Zustand weiter anhält, werde ich mir professionelle Hilfe holen, auch wenn das eigentlich nicht mein Ziel ist. Ich bin froh, dass mich mein Arbeitgeber so gut unterstützt und mir den Rücken frei hält.

Wann werden Sie sich wieder hinter das Steuerrad eines Busses setzen?

Im jetzigen Moment kann ich noch nicht sagen, ob ich mich so schnell wieder hinters Steuerrad setze. Und das, obwohl ich früher sogar den FCL-Mannschaftsbus gefahren bin. Es braucht wohl noch etwas Zeit, diesen Unfall zu verdauen.

Video: Tele 1