Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

UNFALL: Ist der Schweizerhofquai zu gefährlich?

Beim Luzernerhof ist am Donnerstagabend eine junge Velofahrerin von einem Postauto überrollt worden. Velostreifen gibt es dort nicht. Pro Velo Luzern fordert schon lange Verbesserungen.
Christian Glaus
Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

Christian Glaus

Ein tragischer Unfall ereignete sich am Donnerstagabend im Bereich des Luzernerhofs. Eine Velofahrerin wurde von einem Postauto überrollt, das von der Haldenstrasse Richtung Bahnhof fuhr (Ausgabe von gestern). Gemäss Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei, waren beide in die gleiche Richtung unterwegs. Die Frau verstarb noch auf der Unfallstelle. Laut Graf handelt es sich um eine junge Frau. «Aufgrund der Verletzungen konnte ihre Identität noch nicht restlos geklärt werden.» Deshalb sei eine DNA-Probe nötig.

Wie es genau zum Unfall kommen konnte, ist noch unklar. Die Polizei hat noch am Donnerstagabend Spuren am Fahrzeug und an der Unfallstelle gesichert. Auch Augenzeugen, unter ihnen Fahrgäste des Postautos, wurden befragt. Zudem habe eine erste Einvernahme des Postautochauffeurs stattgefunden, so Graf weiter. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft. Sie sucht noch Zeugen, welche genauere Angaben zum Unfallhergang machen können (Telefon 041 248 81 17).

Chauffeur fährt seit zehn Jahren

Gemäss Urs Bloch, Mediensprecher von Postauto, handelt es sich beim Chauffeur um einen 55-jährigen Mann. «Er arbeitet seit zehn Jahren bei uns, ist also sehr erfahren und fährt sehr gewissenhaft.» Der Mann befahre den Schweizerhofquai mehrmals täglich und kenne deshalb die Strecke genau. Nach dem Unfall standen der Chauffeur wie auch Augenzeugen unter Schock. Für deren Betreuung stand ein Care-Team im Einsatz. Zusätzlich kümmerten sich Spezialisten von Postauto um den 55-Jährigen. Vorläufig lenke er keine Postautos, sagt Bloch. «Wir sind alle tief betroffen und gehen nicht einfach so zur Tagesordnung über. Wir geben dem Fahrer Zeit, um das Ereignis zu verarbeiten, und betreuen ihn dabei auch.» Der Entscheid über eine Rückkehr ans Steuer werde vom Fahrer und von seinem Vorgesetzten gemeinsam gefällt. Grundsätzlich, so Bloch, darf der Fahrer auch während der nun laufenden Untersuchung des Unfallhergangs weiterhin ein Postauto lenken.

Velostreifen unterbrochen

Beim Schweizerhofquai handelt es sich bekanntlich um eine vierspurige stark befahrene Strasse. In Fahrtrichtung Bahnhof gibt es am rechten Strassenrand einen Velostreifen. Dieser ist allerdings nicht durchgehend. Er wird im Bereich Luzernerhof – dort, wo sich die beiden Bushaltestellen vor dem Bundesgericht und der Einfahrt Töpferstrasse befinden – sowie beim Schwanenplatz unterbrochen. Der tödliche Unfall ereignete sich also an einer Stelle, wo es keinen Velostreifen gibt. Laut Nico van der Heiden, Co-Präsident von Pro Velo Luzern, ist diese Unterbrechung von Velostreifen problematisch. Insbesondere dann, wenn die Velostreifen im Bereich von Bushaltestellen unterbrochen werden. «Das ist eine Luzerner Eigenheit. Wir weisen schon seit einigen Jahren auf diese gefährliche Situation hin.» Denn Velofahrer hätten nur zwei Optionen: Wenn kein Bus an der Haltestelle steht, können sie über die Haltefläche fahren. Somit haben sie genügend Platz. «Ist das jedoch nicht möglich, müssen sie nach links über die Fahrspur ausweichen. Autos und Velos kommen sich dadurch immer wieder gefährlich nahe», weiss van der Heiden. Zudem sei erwiesen, dass es weniger Kollisionen gebe, wenn Velofahrer über einen eigenen Fahrstreifen verfügen.

Die gefährliche Situation beim Luzernerhof und beim Schwanenplatz könne nicht einfach so entschärft werden, ist sich van der Heiden bewusst. «Aufgrund der engen Platzverhältnisse müsste man den Schweizerhofquai total umgestalten, was wohl dazu führen würde, dass man eine der beiden Fahrspuren Richtung Bahnhof aufheben müsste.»

Mehr Abstand dank Velostreifen

Dass durchgehende Velostreifen die Sicherheit für die Velofahrer erhöhen, bestätigt auch Polizeisprecher Kurt Graf. «Es ist so, dass der Abstand zwischen Autos und Velos grösser ist, wenn ein Velostreifen vorhanden ist.» Zur politischen Forderung von Pro Velo Luzern will er sich jedoch nicht äussern. Das sei Sache von Stadt und Kanton.

Gegen durchgehende Velostreifen bei Bushaltestellen sprechen sich die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) aus. «Die Schwierigkeit ist, dass sich Velofahrer dann in falscher Sicherheit wiegen könnten. Denn mit einem durchgehenden Velostreifen entsteht der Eindruck, dass die Velofahrer Vortritt hätten», sagt Mediensprecher Christian Bertschi. Für die Chauffeure könnte das Anfahren einer Bushaltestelle dadurch zusätzlich erschwert werden. Bertschi betont: «Wichtig ist, dass Bus- und Velofahrer gegenseitig Rücksicht nehmen.»

Kanton nimmt keine Stellung

Beim Schweizerhofquai handelt es sich um eine Kantonsstrasse. Somit ist der Kanton für bauliche Massnahmen verantwortlich. Andreas Heller, Abteilungsleiter Verkehrstechnik bei der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (VIF), wollte sich gestern auf Anfrage nicht zum Thema äussern. Solange der genaue Hergang des tödlichen Velounfalls nicht geklärt sei, könne er keine Stellung nehmen.

Schwere Unfälle mit Velofahrern

cgl. Seit 2005 ist es in Luzern und in den Nachbargemeinden zu fünf schweren Kollisionen mit Velofahrern gekommen:

  • April 2005, Zentralstrasse, Luzern: Eine 39-jährige Frau wird von einem Lastwagen, der nach rechts zum Bahnhof abbiegt, erfasst und getötet.
  • Dezember 2005, Haldenstrasse, Luzern: Ein 18-jähriger Schüler wird im Bereich einer Baustelle von einem Lastwagen erfasst und getötet.
  • November 2009, Obergrundstrasse, Luzern: Eine 56-jährige Frau wird von einem Lastwagen erfasst und getötet.
  • Mai 2010, Grosshof, Kriens: Ein 56-jähriger alkoholisierter Mann wird von einem Bus erfasst und getötet.
  • Februar 2016, Luzernerstrasse, Ebikon: Ein 14-Jähriger wird von 50 m einem Bus erfasst und verletzt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.