Autofahrer fährt Frau absichtlich an – das war «skrupellos», sagt das Gericht

Ein Mann hat im September 2016 eine Frau absichtlich zweimal angefahren und sich dann aus dem Staub gemacht. Dafür soll er jetzt eine saftige Busse und eine Geldstrafe zahlen, wenn er sich nochmals etwas zu schulden kommen lässt.

Lena Berger
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Das Unfallopfer musste nach dem Vorfall ins Kantonsspital Luzern. Dort begegnete dessen Ehemann kurze Zeit später dem Täter auf dem Krankenhausflur. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 11. April 2018))

Das Unfallopfer musste nach dem Vorfall ins Kantonsspital Luzern. Dort begegnete dessen Ehemann kurze Zeit später dem Täter auf dem Krankenhausflur. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 11. April 2018))

Nachdem er dafür bereits vom Bezirksgericht Luzern verurteilt worden ist, bestätigt jetzt auch das Kantonsgericht diesen Entscheid. Die Vorinstanz hatte gegen den Mann unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Fahrerflucht eine bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen sowie eine Busse von 4000 Franken ausgesprochen. Eine solche Strafe wäre heute nicht mehr möglich, heisst es in dem aktuellen Urteil. Grund: Seit dem 1. Januar 2018 darf eine Geldstrafe höchstens 180 Tagessätze betragen. Nach dem neuen Recht müsste demnach zwingend eine Freiheitsstrafe ausgesprochen werden. Allerdings verbiete das Rückwirkungsverbot eine Umwandlung der vorinstanzlich ausgesprochenen Geldstrafe.

Der Täter ist uneinsichtig und zeigt keine Reue

Wie das Bezirksgericht hat auch das Kantonsgericht keinen Zweifel daran, dass der Mann die Frau mit seinem Auto bewusst anfuhr. Dies unter anderem deshalb, weil sich Täter und Opfer kurze Zeit später im Kantonsspital wieder begegneten und der Ehemann den Unfallverursacher bei dieser Gelegenheit zweifelsfrei identifizieren konnte. Der Autofahrer hatte sich wegen einer Migräne kurze Zeit nach dem Zwischenfall ebenfalls ins Krankenhaus begeben.

Der Beschuldigte streitet trotz der erdrückenden Beweislage bis heute alles ab und zeigt keinerlei Reue. Daher bleibt auch das Motiv im Dunkeln. Bekannt ist nur: Die Frau hatte ihn kurz vor dem Vorfall gebeten, sein Auto wegzufahren, mit welchem er die Strasse blockiert hatte. Statt der Bitte nachzukommen, fuhr er die Frau einfach um. «Das Vorgehen war skrupellos, das Tatverschulden wiegt schwer», heisst es im Urteil des Kantonsgerichts.

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Missverständnisse, Irrtümer, Emotionen, Tragödien – Gerichte befassen sich bei weitem nicht nur mit kriminellen Machenschaften. Die «Zentralschweiz am Sonntag» besucht regelmässig Gerichtsfälle und gibt dem juristischen Streit ein menschliches – oft allzu menschliches – Gesicht.
Lena Berger