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Uni Luzern ist für Gasthörer ein teures Pflaster

Wer als Gast eine Vorlesung der Universität Luzern besucht, muss für die Gebühren tief in die Tasche greifen – in Basel, Bern oder Zürich ist es deutlich günstiger. Grüne und SP fordern nun billigere Tarife.
Evelyne Fischer
An der Uni Luzern zahlen Gasthörer höhere Studiengebühren als an anderen Schweizer Universitäten. (Symbolbild: Christof Schürpf/Keystone)

An der Uni Luzern zahlen Gasthörer höhere Studiengebühren als an anderen Schweizer Universitäten. (Symbolbild: Christof Schürpf/Keystone)

Sie sitzen meist während Theologie- oder Geschichtsvorlesungen in den Sälen der Universität Luzern: die Gasthörer. Im Frühjahrssemester, das eben zu Ende ging, haben 57 Personen Veranstaltungen besucht und dabei insgesamt 176 Stunden belegt. Hörer können ausgewählte Angebote besuchen, aber weder eine Prüfung ablegen, noch Credit Points erwerben.

Pro Wochenstunde à 45 Minuten – eine Vorlesung besteht meist aus zwei solchen Einheiten – hat ein Gasthörer 150 Franken zu zahlen. Viel zu viel, findet der Stadtluzerner Ali R. Celik. Der Kantonsrat der Grünen hat daher einen Vorstoss eingereicht mit der Bitte, die Gebühren nach unten anzupassen. Zum Vergleich: In Zürich zahlen Hörer für ein bis zwei Wochenstunden 110 Franken, in Bern können pro Semester für 150 Franken gar bis zu fünf Lehrveranstaltungen besucht werden, hinzu kommt einmalig eine Einschreibegebühr von 100 Franken.

Gebühren für Gasthörer

ausgewählte Universitäten, in Franken
Luzern 150 pro Wochenstunde
Basel 60 pro Wochenstunde, maximal 850
Bern 150 für 5 Vorlesungen, einmalig 100 für die Einschreibegebühr
Freiburg 25 pro Wochenstunde, 30 Grundgebühr pro Semester
Lausanne 150 pauschal pro Semester
Tessin 200 pro Kurs
Zürich 110 für 1 bis 2 Wochenstunden, 55 jede weitere

«Die Universität Luzern hat im Vergleich zu den anderen Schweizerischen Universitäten die höchsten Gebühren für Gasthörer», schreibt Celik im Postulat. Dies sei unverständlich. «Insbesondere darf wenig Verdienenden der Zugang zu Bildung nicht durch hohe Kosten erschwert werden.»

Regierung sieht aktuell keinen Handlungsbedarf

Das Postulat steht auf der Traktandenliste der aktuellen Session. Die Regierung beantragt, den Vorstoss abzulehnen. Zwar sei die Spannweite bei den Gebühren für Gasthörer «tatsächlich sehr gross». Aber die junge Uni Luzern mit ihren 2900 Studenten sei «darauf angewiesen, einen Teil ihrer Kosten» über Gebühren zu decken.

Die Regierung sieht daher keinen Handlungsbedarf: «Auf den ersten Blick» erscheine die Gebühr im Vergleich zu anderen Universitäten hoch, näher betrachtet bewege sich der Preis aber im Rahmen des Üblichen. Eine Stunde koste umgerechnet rund 10 Franken, ein Vortrag an der Seniorenuniversität belaufe sich auf 12 Franken respektive 18 Franken für Nichtmitglieder, rechnet die Regierung vor. Wer eine Kulturlegi besitze, erhalte die Gebühr zum halben Preis. «So ist der Besuch von Veranstaltungen der Universität auch weniger Bemittelten möglich.»

Uni hält Gebühren für «angemessen»

Auf die Kulturlegi weist auch Lukas Portmann hin, Kommunikationsbeauftragter der Uni Luzern. «Die Uni Luzern bietet zudem während des Semesters zahlreiche öffentliche Vorträge kostenlos an.» Generell seien die Gebühren «aus Sicht der Universität angemessen», sagt Portmann. Pro Semester zähle man in der Regel zwischen 45 und 72 Hörer, die zwischen 47 und 89 Veranstaltungen belegen. «Die konstante Nachfrage über die letzten Jahre zeigt, dass die Hörer den Wert, der sich in den Gebühren widerspiegelt, anerkennen.»

«Die Einnahmen der Gasthörer fallen nicht ins Gewicht. Sie decken aber direkte Kosten für Administration und Umtriebe.»

Lukas Portmann, Kommunikation Uni Luzern

Von den gesamten finanziellen Mitteln der Uni in der Höhe von 64 Millionen machen Studiengebühren 9,7 Prozent aus – rund 6,2 Millionen Franken. «Die Einnahmen der Gasthörer fallen darum nicht ins Gewicht. Sie decken aber direkte Kosten für Administration und Umtriebe.»

Postulant Ali R. Celik ist mit der Haltung der Regierung «überhaupt nicht zufrieden» und setzt ein Fragezeichen hinter deren Knausrigkeit: Damit die kleine Uni Luzern in der Schweizer Hochschullandschaft konkurrenzfähig sei, brauche es «weitere Angebote und verbesserte Rahmenbedingungen». Die Einnahmen durch die Gebühren der Gasthörer seien weder für die Uni noch für den Kanton von Bedeutung. «Mit einer Anpassung könnte aber die Attraktivität gesteigert werden.» Die Zugangsschwelle für eine öffentliche Institution müsse niedrig sein. «Je mehr Menschen Teil der Universität sind, desto besser ist sie in der Bevölkerung verankert.»

Hörer an Hochschule: finanziell wenig bedeutend

Verglichen mit den Hörern an der Uni sind jene an der Hochschule Luzern eine Randerscheinung. «Beim Departement Wirtschaft zählen wir ein, zwei Personen pro Jahr, bei Technik & Architektur sind es etwa drei Gasthörer», sagt Sigrid Cariola, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Beim Departement Soziale Arbeit sei aktuell keine Person eingeschrieben.

Die finanzielle Bedeutung der Gasthörer sei äusserst gering, sagt Cariola. Die Studiengebühren betragen zwischen 200 und maximal 800 Franken pro Semester und werden an der Hochschule Luzern nicht pro Wochenstunde berechnet, sondern abgestuft, nach der Anzahl ECTS-Credits. «Der Ansatz steht in einem angemessenen Verhältnis zu den normalen Gebühren für Studierende, die 800 Franken pro Semester beträgt.» Die Jahresrechnung 2017 schloss mit einem Umsatz von 257 Millionen Franken ab. «Der Anteil der Studiengelder macht dabei rund 14 Prozent aus, was 37 Millionen Franken entspricht.»

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