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Uni Luzern soll Salafismus in der Deutschschweiz erforschen

Das Zentrum für Religionsforschung der Uni Luzern will über mehrere Jahre hinweg die ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, den Salafismus, erforschen. Dahinter steht das Bundesamt für Polizei.
Ismail Osman
Mit einem Plakat auf dem Rücken versucht ein Teilnehmer der Koran-Verteilaktion «Lies» in Frankfurt die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. (Bild: KEYSTONE/DPA/Boris Roessler)

Mit einem Plakat auf dem Rücken versucht ein Teilnehmer der Koran-Verteilaktion «Lies» in Frankfurt die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. (Bild: KEYSTONE/DPA/Boris Roessler)

Mit dem vermeintlichen Niedergang der Terrormiliz IS im Irak und Syrien ist es in Sachen islamisch begründetem Extremismus – zumindest medial – wesentlich ruhiger geworden. Abgeschlossen ist das Thema deshalb aber keineswegs. Beleg dafür ist das neuste Forschungsprojekt der Uni Luzern. Das dort angesiedelte Zentrum für Religionsforschung soll in den kommenden drei Jahren einen Überblick über den Salafismus in der Deutschschweiz liefern. Der Bund beziehungsweise das Bundesamt für Polizei unterstützt die Studie über drei Jahre mit 294 000 Franken, wie einer entsprechenden Medienmitteilung zu entnehmen ist. Die Luzerner Studie ist eines von insgesamt 10 Projekten, dass der Bund im Rahmen des «Nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus» (NAP) bewilligt hat (siehe den nebenstehenden Kasten).

Vor allem durch Standaktion bekannt

In der Schweiz verbindet man den Salafismus vor allem mit der Aktion «Lies!», bei der Korane verteilt werden und den Geschehnissen rund um die berüchtigte Winterthurer An-Nur-Moschee. Viel mehr ist über diese erzkonservative und fundamentalistisch geprägte Strömung innerhalb des Islams und ihre Präsenz in der Deutschschweiz aber nicht bekannt. Von der Studie der Uni Luzern erhofft sich die Bundespolizei denn auch nichts Geringeres als «eine wissenschaftliche Grundlage für informiertes politisches und behördliches Handeln im Bereich von Prävention, Ausstieg und Reintegration in Bezug auf islamisch begründeten Extremismus».

Wie genau der Salafismus «systematisch mit sozialwissenschaftlichen empirischen Methoden» erforscht werden soll, bleibt vorerst unklar. Das Forschungsteam hat sich entschieden, keine Medienanfragen zum Projekt zu beantworten, wie es auf Anfrage heisst. Es würde Zugang zu einem ohnehin sensiblen Feld erschweren, so die Überlegung.

Grundsätzlich steht aber die Hypothese im Raum, dass der Salafismus hierzulande ein breites Spektrum aufweist, wie es in einer Mitteilung der Uni heisst. Ein Spektrum, das von einer friedlichen, spezifischen Form einer religiösen Orthodoxie bis hin zu radikalen Verständnissen und Positionen reichen kann. Ziel sei es, die Dynamiken innerhalb der salafistischen Milieus besser zu verstehen.

Nationaler Aktionsplan: Prävention steht im Fokus

Der Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus (NAP) wurde Ende 2017 offiziell vorgestellt. Der Bund habe diesen aus der Erkenntnis hergeleitet, dass es neben repressiven Massnahmen auch Möglichkeiten, frühzeitig zu intervenieren, um Radikalisierungen zu erkennen, zu verhindern und eine Reintegration anzustreben, brauche. Teil der Umsetzung des NAP ist ein Impulsprogramm, mit dem der Bund Projekte von Kantonen, Gemeinden, Städten und der Zivilgesellschaft unterstützt. Er setzt dafür während fünf Jahren fünf Millionen Franken ein.

Nebst der Studie «Salafismus in der deutschsprachigen Schweiz» der Uni Luzern werden aktuell neun weitere Projekte unterstützt. Darunter etwa auch die «Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention Winterthur», welche unter anderem auch eine Hotline für entsprechende Fragen betreibt. (io)

Mehr Infos: www.fedpol.admin.ch

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