UNI LUZERN: Spendengeld für die Staatskasse

2 Millionen Franken Sponsorengelder, die für die Jus-Fakultät bestimmt waren, flossen einfach in die Staatskasse. Ein solches Desaster will die Uni bei der Wirtschaftsfakultät verhindern.

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«Es darf nicht sein, dass Donationen beansprucht werden, wenn die normalen Einnahmen reichen.» Paul Richli, Rektor Universität Luzern (Bild: Neue LZ)

«Es darf nicht sein, dass Donationen beansprucht werden, wenn die normalen Einnahmen reichen.» Paul Richli, Rektor Universität Luzern (Bild: Neue LZ)

Christian Hodel

Knapp ein Dutzend Sponsoren hat die Universität Luzern für den Aufbau der neuen Wirtschaftsfakultät bis jetzt gefunden. 4 Millionen Franken von Privatpersonen, Stiftungen und Firmen müssen gesammelt werden – wie viel Geld bereits zusammen ist, kommuniziert die Universität nicht (Ausgabe vom Donnerstag).

Bereits um die Jahrtausendwende suchte die Universität für den Aufbau der 2001 in Betrieb genommenen rechtswissenschaftlichen Fakultät Geld. Unter der Leitung von Gründungsrektor Walter Kirchschläger wurden rund 5 Millionen Franken gesammelt. Der Gründungsdekan und heutige Uni-Rektor Paul Richli sammelte selber zusätzliche 2 Millionen Franken. Die Spenden flossen so zahlreich, dass am Ende sogar mehr Geld zur Verfügung stand, als für die Jus-Fakultät nötig war. «Damals haben wir sogar 2 Millionen Franken zu viel gesammelt», sagt Paul Richli heute. Dieser Betrag wurde aber den Sponsoren nicht etwa zurück­gezahlt, sondern ging an die Kantonskasse.

Uni musste das Geld abgeben

Der Grund dafür liegt in einem Beschluss des Luzerner Regierungsrates. Dieser ist später, im November 2014, ins Universitätsgesetz aufgenommen worden. Die Regelung besagt, dass das Eigenkapital der Universität höchstens 10 Prozent des jährlichen Aufwands erreichen darf. Darüber hinausgehende Gewinne gehen an den Kanton. Laut Richli stieg das Eigenkapital der Universität zwischen 2005 und 2007 auf 4,4 Millionen Franken – vor allem auch wegen der neuen rechtswissenschaftlichen Fakultät. Die 10-Prozent-Marke war damit überschritten, das überschüssige Geld ging an die Kantonskasse.

Haben die Sponsoren also letztlich nicht nur den Aufbau der neuen Fakultät unterstützt, sondern auch die Kantonsfinanzen aufgebessert? «Das kann man so nicht sagen», so Richli. Die Überschüsse seien in mehreren Jahren entstanden, weil die rechtswissenschaftliche Fakultät mehr Einnahmen erzielt als Ausgaben verursacht habe.

Sponsorengeld für Strassenbau?

Die 2008 von der Universität an den Kanton abgegebenen 2 Millionen Franken gingen in die allgemeine Staatskasse über. Das bestätigt Hansjörg Kaufmann, Leiter der Dienststelle Finanzen des Kantons Luzern. Das heisst, dass diese Summe vielleicht für den Bau einer Strasse verwendet wurde, vielleicht in den Schutz eines Denkmals geflossen ist oder in eine andere Aufgabe des Kantons investiert wurde. Kaufmann: «Gelder, die wir von unseren ausgelagerten Einheiten bekommen, sind nicht zweckgebunden.» Dass die Universität Luzern Geld abgeben musste, sei ausser 2008 aber seines Wissens nie vorgekommen. Allgemein seien die gesetzlichen Regeln darauf ausgelegt, dass ausgelagerte Tochterunternehmen des Kantons – dazu zählt neben der Universität etwa auch das Luzerner Kantonsspital – kein übermässiges Eigenkapital anhäufen. «Es kann nicht sein, dass der Kanton Luzern sparen muss und unsere ausgelagerten Einheiten viel Geld zurückstellen», sagt Kaufmann.

Diesmal sorgt die Uni vor

Dennoch wirft diese Praxis Fragen auf. Wie will die Universität Luzern sicherstellen, dass das nun gesammelte Geld für die Wirtschaftsfakultät auch wirklich bei der Uni bleibt? «Dazu braucht es eine gute Abstimmung mit der Universitäts­stiftung», sagt Paul Richli. Alles Geld von Drittpersonen geht nämlich zuerst an diese privatrechtliche Stiftung. Diese bezweckt unter anderem die Mitfinanzierung von Fakul­täten, Professuren oder Forschungsprojekten. Die Stiftung ist dem Universitätsgesetz nicht unterstellt – der Kanton hat also keinen Anspruch auf etwelche Gelder. «Wir werden nun erst bei Bedarf Gelder für die Wirtschaftsfakultät in die ordentliche Kasse der Universität überführen. Somit können wir verhindern, dass unser Eigenkapital auf über 10 Prozent des Aufwandes steigt», sagt Paul Richli. Eine Rückzahlung an den Kanton Luzern wie 2008 wolle man verhindern. «Denn das Geld ist für uns nun weg.»

Doch die Stiftung gab es bereits beim Aufbau der Jus-Fakultät vor 14 Jahren. Was ist also damals schiefgelaufen? «Die Personen, welche damals Leitungsfunktionen in der Universität innehatten, arbeiten alle nicht mehr bei uns, sondern sind pensioniert oder anderswo tätig», sagt Paul Richli und fügt an: «Aus heutiger Sicht hätte man aber am Ende des Jahres Rückzahlungen an die Stiftung vornehmen sollen, als man sah, dass es mehr Einnahmen als angenommen gab.» Erst dann hätte man laut Richli die Rechnung, ohne entsprechenden Überschuss, abschliessen sollen. «Es darf wirklich nicht sein, dass private Donationen beansprucht werden, wenn die normalen Einnahmen für die Finanzierung ausreichen.»