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UNI: Richli: «Ich bin ein Dauerläufer»

Paul Richli (67) bleibt zwei weitere Jahre Rektor. In seiner Familie werde gearbeitet bis zum Tod, sagt der Mann, der gegen Kritik immun scheint.
Luzia Mattmann
Uni-Rektor Paul Richli (67) gestern in seinem Büro im Uni-Gebäude an der Frohburgstrasse in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Uni-Rektor Paul Richli (67) gestern in seinem Büro im Uni-Gebäude an der Frohburgstrasse in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Paul Richli, Sie sind gestern vom UniRat einstimmig als Rektor bestätigt worden. Wie feiern Sie Ihre Wahl?

Paul Richli: Ich habe nicht mal mit meiner Frau abgemacht – mein Tag ist ausgefüllt. Aber natürlich habe ich Freude, dass der Uni-Rat ein so klares Votum gefällt hat. Das ist eine gewisse Befriedigung.

Sie werden im Januar 68. Warum tun Sie sich den Rektorenposten für zwei weitere Jahre an?

Richli: Heutzutage sagt man ja, man sollte bis über 65 arbeiten. Ich gehe mit dem guten Beispiel voran. In meiner Familie hat man immer gearbeitet, bis man stirbt. Beispielsweise in Trainerfunktionen sind es oft ältere Personen, die das Team zum Erfolg führen.

Was wollen Sie in den nächsten beiden Jahren erreichen?

Richli: Die Ziele sind in der Uni-Strategie vorgegeben: Einerseits wollen wir den Bereich Gesundheitswissenschaften festigen. Für dessen Aufbau haben wir 7 Millionen Franken von einer Stiftung erhalten. Andererseits haben wir vom Kantonsrat den Auftrag, den Bereich Wirtschaftswissenschaften aufzubauen (siehe Kasten).

Wurden Sie gewählt, weil die politisch Verantwortlichen glauben, dass nur Sie die Wirtschaftsfakultät realisieren können?

Richli: Das sollte man nicht so sehen. Dahinter steht auch die Einsicht, dass es in der Schweiz wohl keine Uni mehr gibt, an welcher der Rektor nur vier Jahre im Amt bleibt. Die Führung einer Uni ist nicht die Führung einer Primarklasse.

Warum haben Sie dann nicht vorgeschlagen, die Amtszeit des Rektors im Uni-Gesetz von vier auf sechs Jahre zu verlängern?

Richli: Auf das Uni-Gesetz habe ich keinen Einfluss genommen. Ausserdem bräuchte man bei einer solchen Verlängerung der Amtszeit ja so etwas wie eine Abberufungsklausel, wenn man sieht, dass der Kandidat doch nicht geeignet ist für den Posten.

Heisst das, dass die Kandidatur von Monika Jakobs für Sie keinen Sinn gemacht hat?

Richli: Nein, ich möchte niemanden beurteilen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Frau Jakobs? Bleibt Sie an der Uni Luzern?

Richli: : Das Verhältnis ist nicht besser und nicht schlechter als vor der Wahl. Natürlich ist Sie nicht begeistert vom Ausgang der Wahl. Aber es gibt keinen Grund, deswegen die Uni zu wechseln. Ich würde einen Wegzug sehr bedauern. Frau Jakobs ist nicht nur als Professorin sehr geschätzt, sondern auch als Leiterin des Religionspädagogischen Institut.

Wer hat Sie angefragt, nochmals als Rektor zu kandidieren?

Richli: Mehrere Uni-interne Personen.

Und Regierungsrat Reto Wyss?

Richli: Das ist die falsche Frage.

Das heisst Ja?

Richli: Dazu äussere ich mich nicht. Ich nenne prinzipiell keine Namen.

Warum wollten Sie nicht dem neuen Rektor beratend zur Seite stehen?

Richli: Wo finden Sie schon jemanden in einer Leitungsfunktion, den der Vorgänger berät? So wirkt doch der Nachfolger inkompetent. Dann lieber den alten behalten.

Hätten Sie sich portieren lassen, wenn Sie gewusst hätten, wie gross die öffentliche Kritik sein wird?

Richli: Kritik hat mir noch nie etwas ausgemacht. Das muss man aushalten.

Sie haben der Fakultätsversammlung mit rechtlichen Schritten gedroht, falls Sie nicht gewählt würden. War das nötig?

Richli: Das wurde falsch verstanden. Ich habe gesagt: Wenn der Rektor seine Arbeit gut macht und zwei Amtsdauern leisten möchte, sollte die zweite Wahl anders sein als die erste, und seine Leistungen sollen gewürdigt werden.

Haben Sie ein Anrecht auf eine Wiederwahl?

Richli: Man muss sich einfach überlegen, welches Signal man bei einer Nichtwahl aussenden würde. Es käme einer Abwahl gleich.

Das heisst, der bisherige Kandidat soll bei Wiederwahlen bevorzugt behandelt werden und ein Vorwahlrecht haben?

Richli: Wenn sich der bisherige Rektor bewährt hat, spricht ja nichts dagegen, wenn er eine Amtszeit anhängen will. Heutzutage nehmen sich die Rektoren meist aus Lehre und Forschung heraus und üben das Rektorenamt bis zur Pensionierung aus. Mitten in der Wissenschaftslaufbahn das Rektorenamt zu bekleiden und dann wieder in die Forschung wechseln zu wollen, ist schwierig, wenn man sich anders eingestellt hat. Ausserdem gibt es ja auch Vorzüge älterer Amtsinhaber. Ich bin vielleicht beharrlicher als jüngere. Ich bin ein «Dauerläufer».

Der Regierungsrat hat eine Verordnung angepasst, damit Sie gewählt werden konnten. Die Regeln während des Spiels ändern – ist das fair?

Richli: Ich beurteile das nicht, glaube aber, dass alle Akteure nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben.

Über die Wahl wurde im Gegensatz zur Rektorwahl an der Uni Zürich nur sehr widerwillig und spärlich informiert. Auch das Wahlreglement blieb unter Verschluss. Warum diese Geheimniskrämerei?

Richli: Ich war nicht Mitglied der Findungskommission. Diese hat das Kommunikationsvorgehen festgelegt. Zudem hatte man noch keine Erfahrung mit einer solchen Situation, dass der alte Rektor sich nochmals für den neuen Posten bewirbt. Dies ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Universitäten in der Schweiz. Ich mache niemandem einen Vorwurf.

Rechtsprofessor und Agrarrechtler

Zur Person lm. Paul Richli (67) stammt aus Hallau/SH. Er studierte Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Philosophie, Soziologie und Psychologie in Bern und Genf, habilitierte an der Uni Bern und wurde 1990 Rechtsprofessor an der Uni St. Gallen und dann an der Uni Basel.

Seit 2010 Rektor in Luzern
2001 war Richli Vize-Rektor an der Uni Basel und 2000 bis 2005 Gründungsdekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Luzern. Er amtete als Agrarrechtsprofessor und Professor für öffentliches Recht und Rechtssetzungslehre. Seit August 2010 ist Richli Rektor der Uni Luzern. Richli wohnt in Luzern, ist verheiratet und gibt als Hobbys Joggen und Wandern an.

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