Interview

Rektor der Universität Luzern setzt künftig auf Weiterbildung

Bruno Staffelbach wurde als Rektor der Universität Luzern bestätigt. Er sagt, welche Projekte er in Angriff nimmt.

Roseline Troxler
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Bruno Staffelbach (rechts) bei der Eröffnung der Wirtschaftsfakultät der Universität Luzern.

Bruno Staffelbach (rechts) bei der Eröffnung der Wirtschaftsfakultät der Universität Luzern.

Dominik Wunderli (16. September 2019)

Bruno Staffelbach ist seit 2016 Rektor der Universität Luzern. Vor kurzem hat ihn der Universitätsrat für eine Amtszeit von vier Jahren wiedergewählt. Diese beginnt im August 2020. Staffelbach war vor seiner Wahl während 24 Jahren an der Universität Zürich als ordentlicher Professor für Betriebswirtschaftslehre und als Inhaber des Lehrstuhls für Human Ressource Management tätig. Der 62-Jährige blickt auf seine erste Amtszeit zurück, die Ende Juli endet, und sagt, welche Projekte er nun in Angriff nehmen will.

Sie sind in Luzern aufgewachsen. Die Wahl zum Rektor der Universität Luzern bedeutete für Sie eine Rückkehr. Wie haben Sie diese erlebt?

Bruno Staffelbach: Ich bin zwar ein Luzerner, aber für die Universität Luzern bin ich dennoch ein Zuzüger. Ich musste zuerst herausfinden, wie diese Universität und ihre Angehörigen «ticken», die Abläufe und Begebenheiten kennen lernen. Im Umfeld der Universität Luzern kam mir mein bestehendes Netzwerk zugute.

Welches sind die Höhepunkte Ihrer ersten Amtszeit, die im Sommer endet?

Ich möchte vier Punkte hervorheben. Es sind dies die Eröffnung der Wirtschaftsfakultät im Jahr 2016 und die Gründung des Departements Gesundheitswissenschaften und Medizin im August dieses Jahres. Stolz bin ich zudem auf unsere vielen Kooperationen, etwa mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz oder dem europäischen Universitätsinstitut in Florenz. Vor kurzem wurde ausserdem das Institut «Kulturen der Alpen» im Kanton Uri gegründet. Es zeigt, dass die Universität Luzern eben auch eine Universität der Zentralschweiz ist.

Der Gründung der Wirtschaftsfakultät geht ein langer, nicht einfacher politischer Prozess voraus: Wie zufrieden sind Sie nun mit der noch jungen Fakultät?

Ich bin zufrieden. Die Zahl der Studierenden entwickelt sich erfreulich. Starteten 2016 74 Personen den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften, waren es dieses Jahr 92. Nach drei Jahren steht die Wirtschaftsfakultät in einem Ranking der NZZ zum Einfluss der Ökonomen bereits auf Platz vier der zwölf Schweizer Universitäten.

Seit vergangenem Herbst kann man nun auch den Master an der Wirtschaftsfakultät absolvieren.

Genau. 47 Studenten haben ihr Masterstudium im September begonnen. Was mich freut ist, dass 25 davon an einer anderen Universität den Bachelor absolviert haben. Das zeigt, dass unsere Spezialisierungsmöglichkeiten im Masterstudium attraktiv sind. Insgesamt kann auch gesagt werden, dass immer mehr Luzerner, die an einer Universität Wirtschaft studieren, dies in Luzern tun. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.

Gemeinsam mit der Universität Zürich hat Luzern einen Joint Master Medizin lanciert. Wann erlangen die ersten Luzerner Medizinstudenten ihren Abschluss?

Ab Herbst 2020 werden erste Luzerner Medizinstudierenden in den Spitälern ausgebildet. 2023 schliessen unsere ersten Medizinstudenten ab. Sie sind zentral für die medizinische Versorgung im Kanton Luzern.

Das Departement, welches im August gegründet wurde, umfasst aber nicht nur Medizin, sondern auch Gesundheitswissenschaften. Aus welchem Grund?

Neben der Medizin beinhaltet das Departement auch Gesundheitswissenschaften und -politik sowie Rehabilitation. Das Masterstudium der Medizin allein ist auf vierzig Studierende pro Jahr limitiert. Das ist zu wenig, um das Departement zu profilieren. Als Universität mit kultur- und sozialwissenschaftlicher Ausrichtung können wir Medizin von dieser Perspektive aus beleuchten. Wir wollen einen Fokus auf die Rehabilitation legen.

Weshalb dieses Gebiet?

Wir haben hier bereits viele Kompetenzen. Im Raum Luzern gibt es in Nottwil ein nationales Forschungsinstitut sowie die grösste Klinik für Querschnittgelähmte. Hinzu kommen das Luzerner Kantonsspital mit drei Reha-Kliniken und die Suva. Zusammen mit der Universität ergibt sich damit eine einmalige Kombination von Forschung, Lehre und klinischer Praxis.

Wie weit sind die Pläne?

Wir haben die Planungsorganisation definiert. Ein erstes wichtiges Ziel ist die Weiterbildung im Bereich der Rehabilitation.

Die Leistungsvereinbarung zwischen dem Kanton Luzern und der Universität sieht den Aufbau einer Weiterbildungsakademie vor. Weshalb will die Uni Luzern hier das Angebot ausbauen?

Ich sehe die Universität Luzern als Kino mit zwei Filmen. Der eine widmet sich der Grundausbildung, strukturiert nach akademischen Disziplinen. Beim zweiten Film geht es um die Weiterbildung und die angewandte Forschung, strukturiert nach verschiedenen akademischen Berufen, zum Beispiel Anwältinnen, Staatsanwälte, Richterinnen, Hausärzte, Gymnasiallehrerinnen oder Unternehmer.

Weshalb aber ist es Aufgabe einer Universität, auch in der Weiterbildung aktiv zu sein?

Ein Studium dauert drei bis fünf Jahre, das berufliche Leben fast 50 Jahre. Ich bin überzeugt, dass bei der Weiterbildung in den nächsten Jahren noch viel gehen wird. Wir haben heute gut 3000 Studenten und nicht einmal 350 Personen, die ein Weiterbildungsangebot nutzen. Diese beiden Zahlen stehen noch in keinem Verhältnis.

Mit welchen Investitionen rechnen Sie für die Weiterbildungsakademie?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Klar ist: Die Akademie soll nach dem Aufbau selbsttragend sein, respektive gar die Forschung und Lehre unterstützen.

Die Hochschule Luzern ist bereits sehr aktiv, was das Feld der Weiterbildung angeht. Wird die Uni die HSLU konkurrieren?

Wir suchen die Konkurrenz nicht und sehen nur dort wissenschaftliche Weiterbildung vor, wo wir auch die akademische Grundausbildung anbieten.

Gestartet hat der Aufbau einer Graduiertenakademie. Weshalb braucht es diese?

Wir haben fast 400 Doktorierende und 60 Postdoktorierende. Sie tragen einen grossen Teil der Forschung. Die Graduiertenakademie hat die Funktion, diese Personen zu fördern, zu beraten und zu vernetzen. Das soll ihnen später auch im Arbeitsmarkt zu Gute kommen, denn nicht alle können eine wissenschaftliche Karriere an einer Universität weiterverfolgen.

Vor dem Aufbau der Wirtschaftsfakultät stand auch eine Fakultät für Psychologie zur Debatte. Ist das immer noch ein Thema?

Ja, das steht im Raum. Derzeit aber nicht als eigene Fakultät, sondern als spezialisierte Psychologie, beginnend im Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin. Dieser Bereich hat definitiv Potenzial.

Die Uni schafft viele neue Angebote. Prüft man deshalb bestehende Fakultäten?

Es steht keine der bestehenden Fakultäten zur Debatte. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät entwickelt sich sehr konstant. Die Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät ist eine Quelle der Innovation. Daraus hat sich die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät entwickelt. Und die Theologische Fakultät verzeichnete in den letzten zwei Jahrzehnten ein Wachstum.

Wie finanziert die Uni den Ausbau ihrer Angebote?

Wir haben es geschafft, eine neue Fakultät plus ein Departement hochzufahren, ohne dass der Grundbeitrag des Kantons erhöht werden musste. Ein Fünftel der Finanzierung geschieht über Drittmittel. Vor allem beim Aufbau der Wirtschaftsfakultät haben uns viele Donatorinnen und Donatoren aus dem Grossraum Luzern unterstützt. Transparenz bei den Drittmitteln ist uns ein wichtiges Anliegen. Die Donationen werden darum im Jahresbericht aufgeführt.

Die Platzverhältnisse im Gebäude der Uni und der Pädagogischen Hochschule sind eng. Kann die Universität überhaupt noch wachsen?

Derzeit haben wir 3'028 Studenten, die alle Platz finden, und es hat noch Potenzial. Für die Weiterbildungsakademie mieten wir punktuell Räume zu.

Wie lange wollen Sie als Rektor amten?

Zwei Mal vier Jahre sind genug. Ich freue mich auf die zweiten vier Jahre.