UNIVERSITÄT: Diese Jus-Studentin holt die Note 6,0

Studentin Leonie Tettamanti (25) erhielt für ihre juristische Masterarbeit die Bestnote. Sie untersuchte die Rechtslage beim Einfrieren von Eizellen.

Mario Wittenwiler
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Leonie Tettamanti (25) hat für ihre Masterarbeit über die rechtlichen Grundlagen des Einfrierens von weiblichen Eizellen die Note 6 erhalten. Fotografiert an der Uni Luzern. (Bild Boris Bürgisser)

Leonie Tettamanti (25) hat für ihre Masterarbeit über die rechtlichen Grundlagen des Einfrierens von weiblichen Eizellen die Note 6 erhalten. Fotografiert an der Uni Luzern. (Bild Boris Bürgisser)

Die Jus-Fakultät der Universität Luzern hat gestern Abend Abschlussdiplome an über 130 Absolventen verliehen (siehe Box). Unter den frischgebackenen Absolventen ist auch Leonie Tettamanti. Sie werde oft gefragt, ob sie mit dem bekannten Tessiner Financier Tito Tettamanti verwandt sei, erzählt sie. «Bin ich aber nicht, jedenfalls nicht, dass ich wüsste. Aufgewachsen in Luzern und Kastanienbaum, bin ich eine waschechte Luzernerin.» Ihre mit der Note 6 bewertete Masterarbeit trägt den Titel «Social Egg Freezing» und befasst sich mit den rechtlichen Grundlagen des Einfrierens von weiblichen Eizellen in der Schweiz. Auf das Thema brachte sie ihr Professor Bernhard Rütsche. «In der Schweiz steht im Fortpflanzungsmedizingesetz, welches seit 2001 in Kraft ist, dass Keimzellen für maximal fünf Jahre konserviert werden dürfen. Während dieser Dauer können sie für eine künstliche Befruchtung verwendet werden», erklärt die frisch Diplomierte. Im Moment sei eine Revision des Gesetzes in Gang, welche eine Verdoppelung dieser Zeitspanne vorsieht.

Als Lifestyle Eizellen einfrieren?

Die Konservierung von Ei- und Samenzellen war ursprünglich für krebskranke Frauen und Männer gedacht, welchen wegen einer Chemotherapie oder Bestrahlung Sterilität droht. «In den USA oder Tschechien, wo die Gesetzgebung laxer ist, gibt es nun aber einen eigentlichen Trend hin zum Einfrieren von Eizellen aus Lifestyle-Gründen. Deswegen der Ausdruck ‹Social› Egg Freezing», sagt die selbstbewusste Luzernerin. Beispielsweise wenn eine Frau zuerst Karriere machen will oder im Moment nicht den richtigen Partner hat, braucht sie sich dank Social Egg Freezing keine Gedanken mehr um ihre biologische Uhr zu machen. «So können junge Frauen mit Blick auf die Zukunft quasi als Eizellenspenderinnen für sich selbst fungieren.»

In Westeuropa wird das Einfrieren von Eizellen aus nichtmedizinischen Gründen erst von wenigen privaten Einrichtungen wie dem österreichischen Ovita-Zentrum angeboten. Aber auch in der Schweiz bieten einige Kliniken Social Egg Freezing an. So etwa eine Privatklinik im sankt-gallischen Niederuzwil. Von der Entnahme über das Einfrieren und Auftauen bis zu der künstlichen Befruchtung kostet das Prozedere mehrere tausend Franken.

Wende im Studium lohnte sich

Welches Fazit zieht sie persönlich, nachdem sie sich für ihre Arbeit eingehend mit dem Thema befasste? «Ich finde Social Egg Freezing nicht grundsätzlich schlecht. Man darf damit aber keine falschen Hoffnungen schüren. Denn für künstliche Befruchtungen gibt es keine Erfolgsgarantie», so Tettamanti. Zurzeit absolviert die Luzernerin ein Praktikum im Rechtsdienst der Ausgleichskasse des Kantons Luzern. Ob sie später einmal die Anwaltsprüfung in Angriff nehmen wird, weiss sie noch nicht. «Eher schwebt mir eine Tätigkeit bei einer Einrichtung wie der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde oder der Opferhilfe vor.» Dass sie dereinst einmal zu derart hohen juristisch-akademischen Weihen kommen würde – für ihre Masterarbeit erhielt sie die Note 6 –, zeichnete sich auf ihrem Lebensweg nicht zwingend ab. Nach einem abgebrochenen Studium der Lebensmittelwissenschaften an der ETH bewarb sie sich erfolglos für das Studium der Ernährungswissenschaften an der Berner Fachhochschule. «Jus war eigentlich nur mein Plan B. Doch einmal begonnen, hat es mir dann doch sehr gefallen.» An der Uni Luzern gefiel ihr die gute Stimmung unter den Studenten. «Nach den Abschlussprüfungen reisten wir als Belohnung zu acht nach Hamburg.»