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UNIVERSITÄT: Ein Philosoph im Randgebiet

Seit der Gründung der Universität Luzern gehört Rafael Ferber (65) zur Fakultät. Er spricht über sein Leben, das er der Philosophie gewidmet hat.
Philosoph Rafael Ferber, hier in der Bibliothek der Universität Luzern, doziert hier seit der Gründung der Uni im Jahr 2000. (Bild Dominik Wunderli)

Philosoph Rafael Ferber, hier in der Bibliothek der Universität Luzern, doziert hier seit der Gründung der Uni im Jahr 2000. (Bild Dominik Wunderli)

Ismail Osman

Am 1. August wird Rafael Ferber emeritiert – und tritt somit in den Ruhestand. Der Philosoph doziert seit 2000 an der Universität Luzern und gehört dort somit zur Fakultät der ersten Stunde. Im Gespräch mit unserer Zeitung wirft er einen kurzen Blick zurück auf seinen Lebensweg.

Herr Ferber, können Sie sich erinnern, wann und wo Ihr Interesse an philosophischen Fragen geweckt wurde?

Rafael Ferber: Das Interesse kam vergleichsweise spät, mit ungefähr 15 Jahren.

Was geschah?

Ferber: Ich verbrachte etwas Zeit alleine im Ferienhäuschen meines Grossvaters Hans Ambühl (1892–1976) in Flüeli-Ranft. Es befindet sich – wie mein Grossvater meinte – auf einer Matte, die Nikolaus von Flüe gehörte, bevor er Einsiedler wurde. Dort stiess ich auf einen Kalenderspruch, ein Zitat von Schopenhauer.

Können Sie es noch vortragen?

Ferber: Jedes Wort: «Ein Hauptstudium der Jugend sollte sein, die Einsamkeit ertragen [zu] lernen, weil sie eine Quelle des Glücks und der Gemütsruhe ist.»

Was löste das Zitat bei Ihnen aus?

Ferber: In meinem Kopf begannen sich allmählich die grossen Fragen zu formieren: Wer sind wir? Wozu sind wir da?

Mit 15 Jahren ist es natürlich schwierig, Antworten darauf zu finden. Wer förderte danach Ihr Interesse?

Ferber: Einen grossen Einfluss hatten zwei menschlich vorbildliche Lehrer, die am Internat Friedberg in Gossau, St. Gallen, unterrichteten, das ich seit meinem 15. Lebensjahr besuchte. Das waren der damalige Rektor Alfred Moser, der Philosophie, und Gallus Zoll, der Latein und Altgriechisch unterrichtete.

Sie sind zu diesem Zeitpunkt gute 18 Jahre alt. War Ihnen damals bereits klar, dass Sie sich für den Rest Ihres Lebens mit Philosophie beschäftigen würden?

Ferber: (zögert) Nun, es gab damals schon auch noch andere Interessen, die in Erwägung gezogen wurden, etwa die Schauspielerei.

Tatsächlich?

Ferber: Ich besuchte während meiner Zeit am Gymnasium auch die Schauspielschule Wolf Bosshard in Zürich. Es gefiel mir sehr gut.

Trotzdem zog es Sie letztlich in den Vorlesungssaal statt ins Theaterhaus.

Ferber: Als ich einmal statt an einen verordneten Schulspaziergang an die Schauspielschule ging, wurde mir der Besuch der Schauspielschule verboten.

Ihre Eltern aber akzeptierten Ihr Philosophie-Studium? Sonst sind es doch meist sie, die Vorbehalte gegen ein Philosophiestudium haben und sich wünschen, dass der Filius was «Anständiges» lernen möge.

Ferber: Meine Eltern akzeptierten meine Studienwahl von Beginn weg, mein Grossvater hätte allerdings in mir wohl gerne auch einen Juristen gesehen.

Und Sie selbst: Nie Zweifel an Ihrer Studienwahl gehabt?

Ferber: An der Philosophie: Nein. Die tiefe innere Befriedigung und Horizonterweiterung, welche mir die Auseinandersetzung mit philosophischen Fragen gibt, habe ich nie in Frage gestellt. Auch hat mich die Begeisterung für das Fach nie verlassen. Die Konsequenzen wurden mir aber auch bewusst. Etwa wie schwer es werden kann, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich unterrichtete vorerst Latein, Griechisch, Geschichte und Deutsch an Gymnasien.

Geld ist das eine. Was noch?

Ferber: Wer sich in ein Philosophiestudium vertieft und bei der Philosophie bleibt, macht vielleicht weniger Realitätserfahrungen als jemand, der nach dem Studium schnell einen praktischen Beruf ergreift.

Ihr akademischer Weg hat Sie dennoch von Zürich über Fribourg und Köln bis in die USA und zurück gebracht. Das sind doch ziemlich reale Erfahrungen.

Ferber: Das stimmt. Ich bin nachträglich doch noch in den Genuss einiger Nachhilfestunden in «Realitätskunde» gekommen.

Die vergangenen 15 Jahre verbrachten Sie an der Uni Luzern. Traditionell sind die grossen Philosophiefakultäten in Deutschland und England zu finden. Wo steht die Schweiz?

Ferber: Man muss sich nichts vormachen. Wir sind zwar in der Schweiz – insbesondere in der Zentralschweiz – zentral gelegen, aber in der Philosophie ist auch die Zentralschweiz noch Randgebiet.

Ein hartes Urteil. Gibts ein «aber ...»?

Ferber: Auf einem Hügel der Zentralschweiz, wie etwa dem Schwarzenberg, sieht man vielleicht mehr vom Pilatus, als wenn man selber auf dem Pilatus ist.

Sie haben in Ihrer Zeit in Luzern auch einiges erreicht. Worauf sind Sie besonders stolz?

Ferber: Vielleicht ein bisschen auf mein Buch «Philosophische Grundbegriffe», welches mittlerweile in der 8. Auflage vorliegt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Grösstes Bedauern?

Ferber: Dass es in meiner Zeit an der Universität Luzern nicht möglich war, ein fakultätsübergreifendes philosophisches Seminar zu etablieren – so wie es eigentlich geplant war.

Zum Schluss: Was ist der Sinn des Lebens? Haben Sie eine Antwort darauf gefunden?

Ferber: Eine abschliessende Antwort darauf kann es meiner Meinung nach nicht geben, und ich bin immer noch am Überlegen; aber ich beginne sie zu erahnen. Vielleicht fragen Sie mich wieder in 15 Jahren, dann weiss ich hoffentlich mehr.

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