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UNIVERSITÄT: Er erforscht die Forschung

Wie funktioniert die Wissenschaft, wo liegen ihre Grenzen? Mit diesen Fragen hat sich Kris Decker in seiner Masterarbeit befasst.
Daniel Schriber
Kris Decker (27) hat sich in seiner Masterarbeit intensiv mit der Klimaforschung befasst. (Bild Manuela Jans)

Kris Decker (27) hat sich in seiner Masterarbeit intensiv mit der Klimaforschung befasst. (Bild Manuela Jans)

Als wir Kris Decker am Donnerstag in seinem Büro in der Uni Luzern treffen, ist es draussen Frühling. 18 Grad, blauer Himmel. Der 27-jährige Masterabsolvent fragt deshalb, ob wir das Interview draussen führen möchten. «Gerne. Schliesslich passt das Klima.» – «Das Wetter», antwortet Decker mit einem Schmunzeln. «Das Wetter passt.»

Er muss es wissen. In den vergangenen Monaten hat sich Decker intensiv mit dem Thema Klimaforschung befasst. Nicht etwa, weil er selber Klimatologe werden möchte. Der Student der Kulturwissenschaften wollte herausfinden, wie die klimawissenschaftlichen Erkenntnisse überhaupt entstehen. Nicht die Resultate der Klimaforschung interessierten ihn, sondern das, was hinter der Forschung steckt. «Wissenschaftsforschung» heisst das Hauptfach, welches erst seit 2011 als Masterstudiengang an der Universität Luzern angeboten wird und das Kris Decker nun als erster Student abgeschlossen hat. «Mich interessiert die Philosophie hinter der Wissenschaft», sagt Decker, der zuvor den Bachelor in den Fächern Geografie, Philosophie und Umweltwissenschaften an den Unis Fribourg und Bern absolvierte.

Kein Feind der Wissenschaft

Für Decker ist die Wissenschaft eine von vielen Erkenntnisformen. «Wo liegen ihre Grenzen? Wie unterscheidet sich wissenschaftliches Wissen vom Alltagswissen oder von den Weisheiten eines alten Indianerstammes?» Das sind Fragen, über die Decker nachdachte. Unterstützt wurde er dabei von Professor Christoph Hoffmann, der das Fach Wissenschaftsforschung an der Luzerner Universität aufgebaut hat und lehrt.

«Der Wissenschaftsforscher ist kein Gegenspieler der Wissenschaft», betont Decker. «Wir betrachten die Wissenschaften mit dem gleichen Respekt, mit dem etwa ein Ethnologe eine fremde Kultur untersucht.» Das Ziel der Wissenschaftsforschung sei es also nicht primär, Aufgaben zu lösen, sondern Fragen zu stellen. «Auch mal unerwartete.»

Forschung ist nicht allwissend

Dass sich Decker bei seiner Masterarbeit ausgerechnet für die Klimaforschung entschieden hat, ist kein Zufall. Gerade dieses Thema ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. «Politiker debattieren über die Klimaerwärmung und treffen in diesem Zusammenhang bedeutende Entscheidungen, die auf wissenschaftlichen Studien basieren», so Decker. Im politischen Kontext würden die klimawissenschaftlichen Erkenntnisse jedoch oft verknappt. Die Erwartungen an die Wissenschaft seien hingegen riesig. «Wir erhoffen uns von der Forschung, dass sie uns erklärt, was die Zukunft bringt. Aber selbst eine derart komplexe Wissenschaft wie die Klimaforschung wird die Zukunft des Klimas nicht mit abschliessender Gewissheit vorhersagen können.» Das sei jedoch kein Defizit. «Im Gegenteil.» Vielmehr sei es die permanente Neubestimmung heutiger Prognosen, die eine produktive Wissenschaft auszeichne.

Ein neues Schulfach?

Wer Wirtschaft studiert, kann einmal Manager werden. Was aber wird aus einem Absolventen der Wissenschaftsforschung? «Journalismus wäre eine Möglichkeit», sagt Kris Decker. Auch in diesem Beruf gehe es darum, neugierig zu sein. Decker hat jedoch eine andere Wunschvorstellung: «Meiner Meinung nach sollte das Fach Wissenschaftsforschung in die oberen Klassen der Schulen integriert werden. Wenn es so weit ist, werde ich mich gerne zum Lehrer ausbilden lassen.»

Beste Masterarbeit

Noch ist das Zukunftsmusik. In den nächsten drei Jahren wird der frischgebackene Masterabsolvent weiter an der Uni Luzern Wissenschaftsforschung betreiben. Als Teil eines vom Nationalfonds geförderten Projekts geht Decker mit zwei Kollegen der Frage nach, wie Klimatologen aus altem Schriftmaterial Wissenswertes über die Vergangenheit des Klimas in Erfahrung bringen. Kris Decker wird daraus eine Doktorarbeit verfassen. Zuerst aber feiert er sein Masterdiplom – und das mit Recht. Sein Werk über die Klimaforschung wurde von der kultur- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Luzern als beste Masterarbeit ausgezeichnet.

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