UNIVERSITÄT: Knappes Ja zur Wirtschaftsfakultät

Selbst die grössten Kritiker der Wirtschaftsfakultät rechneten nicht damit, dass das Ja zum Luzerner Uni-Gesetz so knapp ausfällt. Jetzt sucht Rektor Paul Richli mit Hochdruck 4 Millionen Franken für den Fakultätsaufbau.

Lukas Nussbaumer
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Sie können nun die geplante Wirtschaftsfakultät errichten: Paul Richli, Rektor Universität Luzern (links), und der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss gestern in einem Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes. (Bild Philipp Schmidli)

Sie können nun die geplante Wirtschaftsfakultät errichten: Paul Richli, Rektor Universität Luzern (links), und der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss gestern in einem Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes. (Bild Philipp Schmidli)

Sie sei «überrascht vom knappen Resultat». So kommentierte SP-Fraktionschefin Priska Lorenz gestern den Ja-Stimmen-Anteil von lediglich 55 Prozent zum revidierten Universitätsgesetz und damit zur Schaffung einer Wirtschaftsfakultät. Die Abstimmung sei für die SP, die das Referendum im Alleingang ergriffen hatte, «ein Achtungserfolg».

Den hohen Nein-Stimmen-Anteil führt die Sozialdemokratin einerseits auf die Sorge der Stimmbürger um die Konkurrenzierung der Hochschule HSLU zurück, die bereits eine Wirtschaftsausbildung anbietet. Andererseits sei die Skepsis gegenüber der privaten Finanzierung des Aufbaus gross gewesen. Auf diesen Punkt will die SP denn auch ein besonderes Augenmerk richten: «Wir werden bei der Sponsorensuche für die neue Fakultät ganz genau hinschauen», verspricht Lorenz.

Wyss: «Was für ein wunderbarer Tag»

So sehr sich die SP-Kantonsrätin über das unerwartet knappe Ergebnis freute, so euphorisch gab sich Bildungsdirektor Reto Wyss vor den Medien. «Mir ist himmelhoch jauchzend zumute. Was für ein wunderbarer Tag für die Bildung im Kanton Luzern», sagte Wyss. Er nehme die dritte positive Volksabstimmung in der 14-jährigen Geschichte der kleinsten Uni der Schweiz «mit grosser Freude und Genugtuung zur Kenntnis».

Im Jahr 2000 gab das Volk mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 72 Prozent den Segen zur Gründung der Uni mit drei Fakultäten, 2006 befürworteten die Stimmbürger den Kauf und Umbau des Hauptpost-Gebäudes mit einem Ja-Stimmen-Anteil von über 80 Prozent, und gestern gabs ein vergleichsweise sehr knappes Ja zur Wirtschaftsfakultät, dem Kernpunkt des neuen Uni-Gesetzes.

Russi Schurter: «Schwieriger Termin»

Den hohen Nein-Stimmen-Anteil – gegen das Gesetz kämpften lediglich SP und Grüne – erklärte sich der CVP-Regierungsrat mit der «aktuell nicht einfachen Situation rund um das Kantonsbudget». Dass der Aufbau der neuen Fakultät den Kanton nichts koste, sei «nicht einfach zu vermitteln gewesen».

Ähnlich argumentiert Doris Russi Schurter, Präsidentin des Uni-Vereins und Mitglied des Co-Präsidiums im befürwortenden Komitee. «Der Abstimmungstermin war vor dem Hintergrund der Spardebatte ein schwieriger.» Sie habe gewusst, dass der Abstimmungskampf hart werden würde. Deshalb sei das gestrige Resultat «ein schönes», sagt Russi Schurter. Sie werde persönlich darauf hinwirken, dass der Aufbau der Fakultät gut vonstattengehe. Ganz reibungslos werde dieser aber nicht über die Bühne gehen: «Die Rektoren von Uni und Hochschule werden sich noch zusammenraufen müssen.»

CVP: «Linke Bildungsverhinderer»

Freude herrschte gestern auch bei der CVP, die sich im Abstimmungskampf mit ihrem Bildungsdirektor Reto Wyss und Vize-Fraktionschef Adrian Bühler besonders stark ins Zeug legte. In einem Communiqué teilte die grösste Luzerner Partei mit, der bürgerliche Vernunft-Sieg sei eine «klare Absage an die linken Bildungs- und Wirtschaftsverhinderer». Laut Parteipräsident Pirmin Jung mache die neue Fakultät den Bildungsstandort Luzern attraktiv und halte die eigenen Nachwuchskräfte im Kanton.

Rektor rechnet mit Eröffnung 2016

Uni-Rektor Paul Richli bezeichnet das Abstimmungsergebnis als solid. «Das Resultat ist aber kein Grund, um in Hurra-Gebrüll auszubrechen», sagte Richli gestern Nachmittag gegenüber unserer Zeitung. Den Gesprächen mit der Hochschule blicke er mit einer positiven Grundhaltung entgegen. «Wir nehmen die Anliegen der Hochschule sehr ernst und sind an guten und vernünftigen Beziehungen interessiert.» Richli geht davon aus, dass die Wirtschaftsfakultät 2016 eröffnet werden kann. «Oberste Priorität hat nun die Suche nach den 4 Millionen Franken, die wir für den Aufbau brauchen. Dann werden wir die nötigen Leute einstellen. Und dann führen wir konkrete Gespräche mit der Hochschule.»

Hochschulrektor «nicht überrascht»

Nicht überrascht vom knappen Resultat gab sich gestern auf Anfrage Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern. Schliesslich sei «bis am Schluss der Abstimmungskampagne kontrovers diskutiert worden», so Hodel. Dennoch habe «angesichts des breit abgestützten Pro-Komitees von einem Ja zum Uni-Gesetz ausgegangen werden müssen». Den kommenden Verhandlungen mit der Uni über mögliche Synergien blickt Hodel zuversichtlich entgegen: «Wir gehen die Gespräche mit der Uni mit viel Selbstbewusstsein an.»

Die Errichtung einer neuen Wirtschaftsfakultät ist der Kernpunkt des revidierten Uni-Gesetzes, das die Schlussabstimmung im Kantonsrat Ende März dieses Jahres mit 90 zu 21 Stimmen passierte. Es gibt jedoch noch weitere wichtige Änderungen:

  • Kantons- und Regierungsrat geben der Uni die politischen und finanziellenRahmenbedingungen vor. Strategisches Führungsorgan ist jedoch der Universitätsrat, der aktuell von Bildungsdirektor Reto Wyss präsidiert wird.
  • Die Uni wird im Gesetz zur Zusammenarbeit mit der Hochschule und der Pädagogischen Hochschule verpflichtet.
  • Über die Eröffnung und Schliessung von Fakultäten entscheidet der Kantonsrat – und zwar durch Gesetzesänderung, was die Ergreifung des Referendums ermöglicht.
  • Die Uni muss im Geschäftsbericht, der dem Kantonsrat vorgelegt wird, die finanzielle Unterstützung ab einem Betrag von 500000 Franken offenlegen.
  • Das neue Gesetz schafft die Grundlage für höhere Studiengebühren für ausländische Studenten.
  • Die Regierung hat neu die Möglichkeit, befristete Zulassungsbeschränkungen zu erlassen, auch solche, die nur für ausländische Studenten gelten. Das kann dann der Fall sein, «wenn ein weiteres Wachstum der Studentenzahlen aus finanziellen oder anderen Gründen nicht verkraftet werden kann». Derzeit studieren an der Uni Luzern rund 2800 Studenten.