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UNIVERSITÄT LUZERN: Er zog die Bibel den Bauplänen vor

Dominik Bucher (30) hat gestern sein Theologiestudium mit dem Master-Diplom abgeschlossen. Der gelernte Bauzeichner musste in den ersten Semestern auch mit Klischees aufräumen.
Evelyne Fischer
Masterabsolvent Dominik Bucher in der Bibliothek der Universität Luzern. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 29. September 2017))

Masterabsolvent Dominik Bucher in der Bibliothek der Universität Luzern. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 29. September 2017))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

An Adrenalinschüben dürfte es Dominik Bucher-Adamek diesen Sommer nicht gefehlt haben: Nicht nur beendete der 30-Jährige Ende Juni sein Masterstudium Theologie an der Uni Luzern. Zur gleichen Zeit galt es auch, in Kriens die Zelte abzubrechen und für seine neue Stelle als Pastoralassistent in Romanshorn, zurück in die Heimat zu zügeln. Und dort ein Kinderzimmer einzurichten. «Zwischen den Prüfungen und der Geburt meiner Tochter lag letztlich eine Woche, weitere drei blieben zum Fertigpacken, es hätte aber auch anders kommen können», sagt Bucher und lacht. Vorausschauend habe er sich für die frühesten Examenstermine beworben. «Wäre unsere Tochter dazwischen gekommen, hätte ich so am Ende der Prüfungssession nochmals antreten können.»


Gestern hat Dominik Bucher sein Diplom entgegennehmen dürfen. Zusammen mit 26 weiteren (siehe Kasten). Seine Masterarbeit über den aramäischen Feldherrn Naaman wurde mit der Bestnote bewertet.

Vom Ministranten zum Pastoralassistenten

Streng genommen war Theologie für Bucher nur die zweite Wahl. Ursprünglich hatte er Bauzeichner gelernt. «Dieser Job war aber nicht das Richtige für mich. Ich arbeitete zwar in einem Team, war am Schluss aber doch ein Einzelkämpfer», sagt Bucher. «Mir fehlte der Austausch.» Als er später die Berufsmittelschule absolvieren wollte, stolperte er über die Mathematik. «Da musste ich umschwenken.» Sich auf den Pfad Gottes zu begeben, sei naheliegend gewesen. «Als Kind war ich Ministrant, später Firmbegleiter. In Kirchenkreisen erlebte ich viel Positives. Ich spürte, hier bin ich zu Hause.»

Aufgewachsen sei er in einer «normal katholischen Familie», sagt Bucher. «Weder gehörten wir zu denen, die jeden Sonntag einen Gottesdienst besuchten, noch waren wir bloss in der Weihnachtsmesse zu sehen.» Als der Entscheid fiel, die Erwachsenenmatura zu absolvieren und sich für Theologie einzuschreiben, habe dies seine Familie nicht überrascht. Im Umfeld gab es aber auch kritische Stimmen. «Ich musste oft erklären, dass das Theologiestudium weit mehr umfasst als die blosse Bibellektüre.» Hier gehe es um die Auslegung der Heiligen Schrift, um den Entstehungskontext. «Aber auch um die ganz grossen Fragen: Was glauben wir heute eigentlich noch? Wer ist Gott?» Auch praktische Aspekte würden eine Rolle spielen: «Welchen Religionsunterricht wollen wir?»

Respekt vor dem Religionsunterricht

Gerade diese Frage betrifft Bucher unmittelbar: Zu seiner 80-Prozent-Stelle als Pastoralassistent gehört auch das Unterrichten. «Vor dieser Aufgabe habe ich grossen Respekt», sagt Bucher. In seiner Schulzeit habe er erlebt, wie Religionslehrer je nach Klassendynamik zermürbt wurden.

Er wünsche sich fürs Unterrichten manchmal etwas mehr Lockerheit, sagt Bucher. «Aus meinem früheren Beruf bin ich gewohnt, mich einem Thema fokussiert anzunähern. Oft bin ich wohl noch etwas zu technisch eingestellt.» Da beneide er seine Frau Angela – ebenfalls Seelsorgerin – um ihre Kreativität und den unverkrampften Umgang mit Jugendlichen. Sie schloss 2015 ihr Theologiestudium in Luzern ab.

Die unregelmässigen Arbeitszeiten stellen das Seelsorgerpaar im Alltag häufig vor Herausforderungen. Dennoch sei es klar ein Vorteil, im selben Berufsfeld tätig zu sein, sagt Dominik Bucher. «Es ist schön, zu wissen, dass man sich übers Leben die gleichen Fragen stellt. Wenn der Partner die Kirche ablehnen würde, wäre eine gemeinsame Zukunft schwierig.»

Im August hat Bucher nun das Nachdiplomstudium Berufseinführung in Angriff genommen. Die Ausbildung bringt ihm berufsbegleitend den praktischen Teil seiner Arbeit näher. Im Sommer 2019 will er abschliessen. «Bis dahin möchte ich in der Pfarrei weiter Fuss fassen», sagt Bucher. Dereinst könnte er sich auch eine Leitungsposition in einem Seelsorgerteam vorstellen. «Und es wäre schön, wenn da noch das eine oder andere Kind mehr hinzukommt.» Womit es ihm auch in Zukunft nicht an Adrenalinschüben mangeln dürfte.

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