UNIVERSITÄT LUZERN: Selbst die Besten fallen am Schluss durch

An den Luzerner Anwaltsprüfungen scheitern immer wieder Top-Studenten der lokalen Universität an den komplexen Fragenstellungen. Weshalb das so ist, kann niemand abschliessend beantworten.

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Das neue Universitäts-Gebäude in Luzern. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Das neue Universitäts-Gebäude in Luzern. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Marianne Heer-Hensler ist Oberrichterin und gleichzeitig Präsidentin der Anwaltsprüfungskommission des Kantons Luzern. Sie sagt: «Mir fällt auf, dass die Leute zwar theoretisch auf gutem Niveau sind, das Wissen mitunter aber nicht verknüpfen können.» Das beschränke sich gemäss Heer-Hensler längst nicht nur auf Durchschnitts-Studenten. Das treffe auch auf Absolventinnen und Absolventen zu, die ihren Master-Abschluss an der Luzerner rechtswissenschaftlichen Fakultät mit guten bis sogar sehr guten Noten abgschlossen haben.

Nach Zürich abwandern
Bei der Ursachenforschung stiess bereits Heer-Henslers Vorgänger als Kommissions-Präsident, Heiner Eiholzer, auf ein Phänomen: Die allerbesten Luzerner Uni-Studenten treten zum Anwaltspatent erst gar nicht in der Zentralschweizer Metropole an sondern legen die Prüfung in Zürich ab. Ein Grund dafür liegt an den Gehältern während der Praktikumszeit. An der Limmat wird im Durchschnitt mehr als doppelt so viel bezahlt wie in Luzern.

Ist Bologna-System schuld?
Mit den Schwächen der Luzerner Anwaltsanwärter wird auch die Praktiker konfrontiert. Urban Bieri, Vizepräsident des Luzerner Anwaltsverbandes, sagt zum Beispiel: «Mit der Modularisierung des Unterrichtes kann passieren, dass wichtige Fachbereiche wie das Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz beim Master nicht mehr geprüft werden.»

Bieri spricht damit die Bologna-Reform an. Diese wurde 1999 eingeführt, um ein einheitliches europäisches Hochschulwesen zu installieren. Nach sechs Semestern treten die Studierenden zur Bachelor-, eineinhalb Jahre später zur Masterprüfung an. Zwischen Bachelor- und Master können die Studenten ihre Module und damit Prüfungen selber wählen. Rosinenpicker laufen dann Gefahr, in der Praxis vermehrt zu scheitern

Thomas Heer

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am 31. Oktober in der Zentralshweiz am Sonntag