UNIVERSITÄT: Luzerner Medizinmaster: Schon 52 Studenten haben sich angemeldet

Im Herbst 2020 starten die ersten Studenten den gemeinsamen Medizinmaster der Universitäten Luzern und Zürich. Nun ist klar, mit welcher Charmeoffensive die künftigen Ärzte für eine Praxistätigkeit im Kanton Luzern begeistert werden sollen.

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Eine Medizinstudentin schaut in einem Schulungsraum in das Ohr eines künstlichen Kopfes. (Symbolbild Keystone)

Eine Medizinstudentin schaut in einem Schulungsraum in das Ohr eines künstlichen Kopfes. (Symbolbild Keystone)

Die Lage ist ernst: 57 Prozent aller Luzerner Hausärzte stehen kurz vor dem Pensionsalter. Um dem Mangel an Allgemeinmedizinern entgegenzuwirken, hat Luzern zusammen mit der Universität Zürich einen neuen Studiengang in Humanmedizin aufgegleist. Der Master mit 40 Studienplätzen jährlich startet im Herbst 2020, bereits 2023 sollen die ersten Abgänger das sogenannte Joint-Master-Diplom erhalten.

Für den ersten Jahrgang haben sich bereits 52 Studenten angemeldet. Sie müssen einen Eignungstest bestehen und verpflichten sich, nach dem Bachelor in Zürich den Master in Luzern zu absolvieren. «Ich freue mich, dass das neue Angebot auf Anhieb und ohne viel Information auf Zuspruch stösst», sagte der Luzerner Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss am Mittwoch an der Medienkonferenz. «Wir werden mit einer guten Anzahl Studierender starten können.» Er sei überzeugt, dass Luzerner Spitäler und selbstständige Hausärzte «künftig weniger Probleme haben, ihre offenen Stellen zu besetzen».

Im Master spielt Luzern die Hauptrolle

Um die angehenden Mediziner für eine Praxistätigkeit im Kanton zu begeistern, ist der neue Studiengang mit einer Charmeoffensive für Luzern verbunden. Den Bachelor, den ersten Teil des Studiums, absolvieren sie an der Uni Zürich, teilweise werden sie dabei von Luzerner Dozenten unterrichtet. Zürich beherbergt die grösste medizinische Fakultät der Schweiz. Lehrveranstaltungen mit einem Luzerner Fokus finden bereits ab dem ersten Bachelorjahr in Zürich und Luzern statt.

Luzern wird insbesondere im zweiten Teil der Ausbildung eine tragende Rolle spielen: Im Master besuchen die angehenden Ärzte Lehrveranstaltungen an der Uni Luzern. Am klinischen Unterricht beteiligen sich Dozenten des Luzerner Kantonsspitals und der Luzerner Psychiatrie, des Instituts für Hausarztmedizin und Community Care mit ihren Hausärzten, der Hirslanden Klinik St. Anna und des Schweizer Paraplegiker-Zentrums Nottwil. Das obligatorische Praktikumsjahr wird ebenfalls grösstenteils in Luzern stattfinden. «Wir hoffen, dass die Studenten das reichhaltige medizinische Angebot unseres Kantons kennenlernen und davon beeindruckt sein werden», sagte Projektleiterin Verena Briner, Gastprofessorin am Seminar Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik. Von Beginn weg sollen die Studenten eng betreut werden: So steht ihnen etwa ab dem ersten Semester ein persönlicher Mentor zur Seite. Der praktische Unterricht findet grösstenteils in 4er-Gruppen statt.

Es fehlen Generalisten – und die Möglichkeit für Teilzeitarbeit

Auch Regierungsrat Guido Graf sieht den neuen Masterstudiengang als grosse Chance. «Vor ihnen sitzt ein glücklicher Gesundheitsdirektor», liess er an der Medienkonferenz verlauten. Er hoffe sehr, dass sich dank des neuen Angebots «möglichst viele der hier ausgebildeten Ärzte dazu entscheiden, im Kanton Luzern oder unserer Region zu bleiben». Wie in der ganzen Schweiz bestehe auch in Luzern das Hauptproblem darin, genügend Generalisten zu rekrutieren. «Betroffen davon ist vor allem die Landschaft.» In der Schweiz werden zurzeit zu wenig Mediziner ausgebildet, um die offenen Stellen in Spitälern und Praxen mit einheimischen Ärzten zu besetzen; von den hier arbeitenden 35'000 Ärzten stammen über 10'000 aus dem Ausland.

In dieser Branche macht sich zudem ein steigendes Bedürfnis bemerkbar: der Wunsch nach Teilzeitarbeit. Laut Briner arbeiten über 70 Prozent der frei praktizierenden Ärztinnen nicht in einem Vollzeitpensum. Und auch bei Männern werde Teilzeitarbeit immer wichtiger: Im ambulanten Bereich sind rund 30 Prozent der Ärzte nicht mehr Vollzeit tätig.

Bund zahlt 7 Millionen Franken an den Aufbau

Die beiden Universitäten erhalten für den Studiengang rund 7 Millionen vom Bund als Anschubfinanzierung. Dieser stellt 100 Millionen für das Sonderprogramm Humanmedizin zur Verfügung, um die Studienplätze in diesem Bereich zu erhöhen. Sobald 2020 der Masterstudiengang startet, lässt sich laut Wyss «ein Grossteil der Kosten in Luzern mit den Beiträgen des Bundes und der Kantone für ihre Studenten decken». Auch die Spitäler, Kliniken und Arztpraxen werden sich finanziell beteiligen.

Pro Luzerner Masterstudent zahlt der Kanton künftig jährlich 51’400 Franken – diese Summe wäre auch fällig, wenn der Luzerner sein Medizinstudium in Basel oder Bern in Angriff nehmen würde. Insgesamt kostet die Ausbildung zum Allgemeinmediziner – samt Bachelor und Master – im Schnitt 42’000 Franken pro Jahr und Student. Im Studienjahr 2015/16 waren knapp 300 Luzerner für ein Medizinstudium an einer Schweizer Uni eingeschrieben, 56 in Zürich.

Auslöser für die Zusammenarbeit der beiden Universitäten war auf Luzerner Seite ein im Jahr 2012 vom Kantonsrat erheblich erklärter Vorstoss. Dieser wollte die Machbarkeit einer medizinischen Fakultät für die Universität Luzern abklären lassen. Reto Wyss: «Nun besitzen wir mit dem Joint-Master eine massgeschneiderte Lösung.» Dieser bringe der Uni Luzern auch Mehrwert, sagte Rektor Bruno Staffelbach. «Luzern gewinnt mit der Universität einen direkten Anschluss an eine grosse medizinische Fakultät.» Die bereits bestehende Studienrichtung Gesundheitswissenschaften könne nun noch besser genutzt werden.

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch