UNIVERSITÄT: Sie geht Polit-Humor auf den Grund

Andrea Pfäffli (25) hat die Auftritte von Politikern in einer Satire-Sendung analysiert. Fazit: Schweizer Politiker haben Humor – es ginge aber auch noch frecher.

Daniel Schriber
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Andrea Pfäffli freut sich über ihr bestandenes Masterstudium. (Bild Eveline Beerkircher)

Andrea Pfäffli freut sich über ihr bestandenes Masterstudium. (Bild Eveline Beerkircher)

Yvette Estermann hats getan, Felix Müri auch, die Jungspunde David Roth und Maurus Zeier ebenfalls: Diese und weitere Luzerner Politiker waren in der Vergangenheit in der SRF-Satiresendung «Giacobbo/Müller» zu Gast – und mussten sich dabei manch neckischen Spruch gefallen lassen. Die Sonntagabend-Sendung erfreut sich beim TV-Publikum auch nach vielen Jahren grosser Beliebtheit. Kein Wunder: Die Moderatoren Viktor Giacobbo und Mike Müller verstehen es, mit gelungenen Sketches und Pointen auf aktuelle Themen einzugehen und dabei die geladenen Politiker regelmässig aufs Korn zu nehmen.

Auch Andrea Pfäffli schaut sich die Sendung seit vielen Jahren an. «Weil sie unterhaltsam ist, und weil ich mich schon immer für Politik interessiert habe.» Die heute 25-Jährige ist in einem «politischen Haus» aufgewachsen. Ihre Mutter Angela Pfäffli sitzt für die FDP im Luzerner Kantonsrat. «Seit ich mich erinnern kann, wurde am heimischen Esstisch über aktuelle Themen debattiert.» Für die Absolventin des Studiengangs Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften war deshalb klar, dass auch ihre Masterarbeit etwas mit Politik zu tun haben sollte. «Zudem sollte es ein Thema sein, das unterhaltsam genug ist, um mich damit mehr als ein halbes Jahr zu beschäftigen.»

Gestern fand die Diplomfeier der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern statt (siehe Kasten).

Imagepflege am TV?

«Schweizer Politiker mit Humor – alles eine Frage der Inszenierung? Eine Analyse von Auftritten Schweizer Politiker in der politischen Satiresendung ‹Giacobbo/Müller – Late Service Public›» – so der Titel der Masterarbeit von Andrea Pfäffli. Dass Politik mit Humor kombiniert zum Erfolgskonzept werden kann, haben amerikanische und britische TV-Macher längst erkannt. Wie aber sieht es in der Schweiz aus? Inwiefern lässt sich das Image eines Politikers tatsächlich formen? Wirken sich solche TV-Auftritte positiv auf das Ansehen eines Politikers aus, oder ist vielleicht das Gegenteil der Fall? Diesen und weiteren Fragen wollte Pfäffli mit ihrer Arbeit auf den Grund gehen. Eines vorneweg: Eindeutige Antworten gibt es nicht.

Zwölf Sendungen transkribiert

Viel zu lachen hatte die Luzernerin bei der Realisation ihrer Arbeit trotz des humoristischen Formats nicht. Um ein aussagekräftiges Bild zu erhalten, hat sie sich durch zwölf Folgen «Giacobbo/Müller» gekämpft. Einmal war sie selber live im Studio in Zürich, die übrigen Sendungen hat sie jeweils komplett transkribiert. «Ziemlich anstrengend.» Pfäffli hat Auftritte von Frauen, Männern, linken und rechten, jungen und älteren Politikern analysiert. Dabei hat sie zum Teil frappante Unterschiede festgestellt. «Während die bürgerlichen Politiker eher seriös auftraten, gingen die Jungpolitiker die Sache lockerer an.» Während sich Vertreter der Aussenparteien angriffiger zeigten, gaben sich die Mitte-Politiker eher gemässigt – eben ganz so wie im echten Politiker-Leben.

Positiv überrascht war Andrea Pfäffli unter anderem von SVP-Präsident Toni Brunner. «Brunner kann sehr gut über sich selbst lachen, das macht ihn sympathisch – egal ob man seine politische Meinung teilt oder nicht.» Auch die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann glänzte bei ihrem Auftritt durch ihre Offenheit; trotzdem sagt Andrea Pfäffli: «Die männlichen Gäste sind in der Regel lockerer drauf und bringen auch mal den einen oder anderen Witz. Frauen treten zurückhaltender auf.» Obwohl sich sämtliche Gäste gut geschlagen hätten, wünscht sich Pfäffli für die Zukunft noch etwas mutigere, frechere Auftritte. «Da könnten sich die Schweizer eine Scheibe von den ausländischen Politikern abschneiden.»

«Aktive Politik kein Thema»

Die Master-Absolventin, die sich in ihrer Freizeit kulturell engagiert, kann sich übrigens nicht vorstellen, dereinst selbst auf dem Stuhl neben Viktor Giacobbo und Mike Müller Platz zu nehmen. «Aktiv Politik zu betreiben, das ist für mich im Moment kein Thema.» Viel eher schwebt ihr eine Anstellung im Kommunikationsbereich vor; ob im politischen oder doch eher im kulturellen Umfeld, lässt sie offen. Klar ist: Das sonntägliche Satire-Vergnügen wird sich Andrea Pfäffli auch in Zukunft nicht entgehen lassen.

Hinweis

Am 28. September 2014 melden sich Viktor Giacobbo und Mike Müller mit der Herbststaffel ihrer SRF-Satiresendung zurück.