UNIVERSITÄT: Uni ist auch für ältere Semester attraktiv

Ältere Studenten sind keine Seltenheit mehr: Gut 6 Prozent der Studenten an der Uni Luzern sind über 40 Jahre alt.

Mirjam Oertli
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Das Universitätsgebäude am Tag der offen Tür vom 3. September 2011.

Das Universitätsgebäude am Tag der offen Tür vom 3. September 2011.

Aktuell sind an der Universität Luzern rund 140 Personen im Alter von über 40 Jahren in Bachelor- und Masterstudiengängen immatrikuliert. Das sind etwa 6 Prozent aller regulären Studentinnen und Studenten. Die Luzernerin Ursula Flury (62) hat sich dies für eine kleine Forschungsarbeit zu Nutze gemacht. Flury ist selbst noch am Studieren und macht zurzeit ihren Bachelor in Kulturwissenschaften.

Unter dem Titel «Studierende 40 plus» führte sie im Frühling eine qualitative Umfrage bei den älteren Studenten durch. Ihr Ziel: Die Bedürfnisse dieser Gruppe genauer zu erfassen. Seitens der Universität Luzern hatte man sich sofort von dieser Idee überzeugen lassen: «Die Institution Universität lebt von der Diversität ihrer Angehörigen, insofern begrüssen wir als Institution natürlich solche Initiativen», sagt Rayk Sprecher, Fakultätsmanager an der Universität Luzern. Dies insbesondere deshalb, weil er durchaus noch eine Zunahme der älteren Studenten vermute, rein schon aus demografischen Gründen.

Grosse Unterschiede zwischen Unis

Ein Blick über die Kantonsgrenzen hinaus zeigt, dass ältere Studenten auch an anderen Universitäten keinen Seltenheitswert haben. So verzeichneten sowohl die Universität Genf als auch die Uni Fribourg im vergangenen Studienjahr gut 6 Prozent Studenten über 40, genau wie Luzern. In Zürich sind es momentan gar 7 Prozent. An den Universitäten Basel (3 Prozent) und Bern (1,5 Prozent) dagegen scheint man in der Regel in jüngerem Alter nach höheren Abschlüssen zu streben.

Noch nehmen ältere Studenten zwar also nicht gerade überhand an den Universitäten. Dass es noch normaler werden wird, dass sich Generationen an den Unis vermischen, davon ist Karin Frick, Forschungsleiterin am Gottlieb-Duttweiler-Institut, dennoch überzeugt. «Es gibt ganz einfach mittlerweile mehr alte als junge Menschen», so Frick. «Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von über 80 Jahren hat man mit 40 noch über die Hälfte vor sich.» Auch beobachtet sie, dass es oft Frauen sind, die es in reiferem Alter an die Unis zieht, da sie ursprünglich die Matura gemacht hatten, dann aber, etwa wegen der Familiengründung, nicht gleich studierten.

Gezielte Angebote

Sie beobachtet auch schon eine gewisse Reaktion der Universitäten auf eine zunehmende Zahl von reiferen Studierenden. «Viele Unis bieten gezielt Weiterbildungsmodule an. Da sind dann automatisch mehr ältere Studenten dabei.» So ist es auch an der Universität Luzern: Zwar sind die Weiterbildungsmodule nicht spezifisch auf ältere Leute zugeschnitten, aber auf Leute mit Berufserfahrung. Dies erhöht automatisch das Durchschnittsalter in den entsprechenden Veranstaltungen. Allerdings sieht Karin Frick auch Veränderungsbedarf beim Bildungssystem. Dieses müsse noch modularer werden: «So wird dann vielleicht die Grossmutter mit dem Enkel die gleiche Veranstaltung besuchen. Doch für die Grossmutter gehört das Modul zur Weiterbildung, für den Enkel zum Grundstudium.»

Den Einwand, ob es Sinn macht, in höherem Alter noch zu studieren, kontert sie vehement: «Die Frage ist eher, macht es Sinn, dies nicht zu tun? Wir müssen heute davon ausgehen, dass wir länger werden arbeiten müssen. Die Arbeitswelt ist darauf angewiesen, dass auch ältere Leute sich Gedanken machen und sich immer wieder neu qualifizieren.» Selbstverständlich gebe es Ausnahmen: Wer mit 50 das Medizinstudium abschliesse, werde wohl kein Starchirurg mehr. «Aber bei vielen Berufsfeldern gibt es enorme Chancen auch für reifere Abgänger», so Frick.

Keine Sonderbehandlung

Was aber wünschen sich die über vierzigjährigen Studenten an der Uni Luzern im Zusammenhang mit ihrem universitären Leben? Aus der Umfrage von Ursula Flury geht klar hervor: keine Sonderbehandlung! «Die Mehrheit von ihnen sieht sich als Teil der normalen Studentenschaft und will zügig einen Abschluss erlangen. Auch fühlen sich die meisten von Dozenten und Professoren ernst genommen und akzeptiert», sagt Flury. Trotzdem wünschten sich einige mehr Möglichkeiten zum fachlichen und sozialen Austausch. Auch mit den Anforderungen im Bereich der Informatik kommen nicht alle mühelos zurecht. Flury hat nun die vierköpfige Projektgruppe «Studierende 40 plus» gegründet. Sie will den Austausch weiter fördern und innerhalb der Projektgruppe Massnahmen erarbeiten. Die Universität unterstützt dieses Anliegen.