UNIVERSITÄT: Uni lehnte schon Sponsoren ab

Die ETH Lausanne ist wegen eines Sponsoringvertrags in die Kritik geraten. An der Uni Luzern haben Sponsoren keinen Einfluss auf die Berufung von Professoren, betont Rektor Paul Richli.

Interview Roseline Troxler
Drucken
Teilen
Paul Richli, Rektor der Universität Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Paul Richli, Rektor der Universität Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Die ETH Lausanne (EPFL) hat der Nestec ein Vetorecht bei der Berufung der Professoren für den gesponserten Lehrstuhl eingeräumt (siehe Box). Dies wurde vom ETH-Rat kritisiert. Immer wieder sorgen Sponsoringbeiträge und daran geknüpfte Auflagen für rote Köpfe. Paul Richli, Rektor der Universität Luzern, erklärt, welchen Einfluss Sponsoren auf die Universität Luzern haben. Seit Februar kennt die Uni Luzern Richtlinien für die Annahme von privaten Drittmitteln.

Im Jahr 2013 stammten rund 5 Prozent der Erträge der Uni Luzern von Stiftungen, Vereinen und Privaten. Hinzu kamen laut Paul Richli rund 7 Prozent der Erträge vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.

Paul Richli, haben Sponsoren und Donatoren an der Universität Luzern ein Mitspracherecht in den Berufungskommissionen?

Paul Richli: Die Universität Luzern beteiligt Donatoren nicht an Berufungskommissionen.

Wie sieht es aus, wenn eine Stelle ganz durch Drittmittel finanziert wird: Erhalten Sponsoren dann ein Stimmrecht?

Richli: Nein, die Universität Luzern räumt Donatoren keine Stimmrechte ein, ob innerhalb oder ausserhalb von Berufungskommissionen.

Was sagen Sie dazu, dass gewisse Sponsoren an der ETH Lausanne über ein Vetorecht bei der Berufung von Professoren verfügen?

Richli: Ich möchte die Praxis der EPFL nicht beurteilen. Nach unserem Verständnis schliesst die Lehr- und Forschungsfreiheit aus, dass Donatoren Entscheidungskompetenzen erhalten.

Die Verträge mit Privaten dürfen laut den Richtlinien der Uni Luzern die Freiheit und Autonomie der Uni nicht gefährden: Wann wären diese Richtlinien denn verletzt?

Richli: Freiheit und Autonomie der Universität Luzern wären gefährdet, wenn ein Donator die Besetzung einer Stelle oder die Methoden oder das Ergebnis eines Forschungsprojekts oder die Methoden oder den Inhalt von Lehrveranstaltungen bestimmen könnte.

Gibt es auch Sponsorenbeiträge, welche abgelehnt werden, weil der Sponsor Auflagen macht?

Richli: Vor einigen Wochen bin ich nicht auf Gespräche über eine Donation in siebenstelliger Höhe eingetreten, weil der potenzielle Donator über die Finanzierung einer Professur sprechen wollte, die nicht in unsere langfristige Strategie gepasst hätte.

Gibt es auch Auflagen, welche die Uni Luzern erfüllen kann?

Richli: Im Prinzip suchen wir Donatoren, die bereit sind, ein von uns umschriebenes Projekt zu finanzieren. Dann verpflichten wir uns auch, die Donation für diesen Zweck und nicht für einen anderen zu verwenden. Kommt ein Donator mit einem Angebot auf uns zu, das in unsere langfristige Strategie passt, dann verpflichten wir uns auch, die Donation für den angebotenen, in unserem Interesse liegenden Zweck zu verwenden. Eine Selbstverständlichkeit ist im Übrigen, dass wir bereit sind, über die Verwendung einer Donation Rechenschaft abzulegen, damit der Donator überprüfen kann, ob die Mittel auch zweckentsprechend verwendet werden.

Es gibt klare Richtlinien für die Annahme von privaten Drittmitteln: Weshalb bleiben die Verträge dennoch geheim?

Richli: Der Kantonsrat hat in der Revision des Universitätsgesetzes Ende März 2014 die Regelung eingeführt, dass Verträge als solche nicht offen gelegt werden, sondern dass über Donationen ab 500 000 Franken im Geschäftsbericht Auskunft gegeben wird. Im Kanton Luzern gibt es noch kein allgemeines Öffentlichkeitsgesetz. Die einschlägige Bestimmung lautet: Die Universität legt im Geschäftsbericht die finanzielle Unterstützung durch Dritte ab einem Betrag von 500 000 Franken offen. Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten über die Offenlegung unter Berücksichtigung der schützenswerten Interessen.

ETH Lausanne: Vertrag in der Kritik

Hochschulen rt. Der ETH-Rat hat vor wenigen Tagen die ETH Lausanne (EPFL) zurückgepfiffen (Ausgabe vom 23. Mai). Grund ist ein Vertrag zwischen der ETH Lausanne und der Nestec, einer Tochterfirma von Nestlé. Die «WOZ» hatte den Vertrag veröffentlicht. Recherchen der «WOZ» haben ergeben, dass die EPFL der Nestec für das Sponsoring weitgehende Rechte eingeräumt hat.

Im Gegenzug zur Beteiligung von 5 Millionen Franken an der Finanzierung von zwei Lehrstühlen erhielt die Nestec Einsitz in die Berufungskommission für die Lehrstühle. Neben der Mitsprache wurde dem Nahrungsmittel-Multi gar ein Vetorecht bei der Berufung von Professoren eingeräumt. Jede Berufung muss laut Vertrag schriftlich genehmigt werden.

Beim ETH-Rat kam das Vetorecht schlecht an. Der Einsitz in eine Berufungskommission und ein Stimmrecht seien noch knapp vertretbar, nicht aber ein Vetorecht, hiess es in der Erklärung des Rats.

Im vergangenen Jahr war auch die Universität Zürich in die Kritik geraten. Die UBS finanzierte mit 100 Millionen Franken den Aufbau eines Forschungszentrums im Departement der Volkswirtschaftslehre. Der gesamte Vertrag wurde aufgrund des Drucks vom Kanton Zürich schliesslich offengelegt.
Das Thema Sponsoring an den Schweizer Universitäten beschäftigt auch das Parlament. SP und Grüne fordern Transparenzregeln für alle Hochschulen, wie der «Tagesanzeiger» berichtet hat.