UNIVERSITÄT: Uni will bis Herbst 4 Millionen sammeln

Knapp ein Dutzend Sponsoren hat die Uni für den Aufbau der Wirtschaftsfakultät bisher gefunden. Der starke Franken stellt den Rektor vor grosse Herausforderungen.

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Die geplante Wirtschaftsfakultät an der Uni Luzern soll auf das Herbstsemester 2016 den Betrieb aufnehmen. (Symbolbild Neue LZ)

Die geplante Wirtschaftsfakultät an der Uni Luzern soll auf das Herbstsemester 2016 den Betrieb aufnehmen. (Symbolbild Neue LZ)

Mit dem Ja der Luzerner Stimmbevölkerung zur Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern steht dieser politisch nichts mehr im Weg. Nun ist die Leitung der Uni damit beschäftigt, private Drittmittel zu beschaffen. 4 Millionen müssen gemäss dem Finanzplan für den Aufbau der Fakultät gesammelt werden. Paul Richli, Rektor der Uni Luzern, sagt zum Fahrplan: «Bis im Herbst dieses Jahres wollen wir die Gelder beisammenhaben.» Die Universität hat laut Rektor Richli bisher Zusagen von gut zehn Firmen, Privatpersonen oder Stiftungen, die sich am Aufbau beteiligen wollen. Um welchen Betrag es sich insgesamt handelt, will Richli allerdings nicht sagen.

Privatpersonen als Türöffner

Die Uni Luzern muss sich aktiv um die Mittelbeschaffung kümmern. «Firmen oder Institutionen, welche von sich aus auf uns zukommen, können an einer Hand abgezählt werden», sagt Richli. Die Uni hat auch schon Absagen von Firmen und Privaten erhalten. «Primär kontaktieren wir Firmen, Private und Stiftungen anhand einer Liste.» Diese wurde aus einer Auswahl der grössten Zentralschweizer Unternehmen, einem Stiftungsverzeichnis und finanzkräftigen Privatpersonen erstellt. «Zudem haben wir einige Privatpersonen, welche eine Türöffnerfunktion wahrnehmen, in dem sie den Kontakt mit möglichen Geldgebern suchen.» Eine wichtige Funktion hätten ausserdem Universitätsratsmitglieder. Sie sollen Namen möglicher Spender nennen. Und auch Richli ist gefragt: «Als Rektor muss ich klar auch auf die Piste gehen, um die Mittel zu beschaffen.»

Zurzeit gestaltet sich die Suche nach Sponsoren laut Richli als anspruchsvoll. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses habe einen negativen Effekt auf die Mittelbeschaffung. «Der starke Franken ist auch für die Universität Luzern ungünstig. Unternehmen und Stiftungen können seither weniger gut Gelder sprechen.» Dennoch will Richli am optimistischen Zeitplan festhalten und die Gelder für den Aufbau der Fakultät in einem halben Jahr beisammenhaben. «Durch den Aufbau der Jus-Fakultät habe ich viele Erfahrungen bei der Sponsorensuche gemacht. Damals haben wir sogar 2 Millionen Franken zu viel gesammelt.» Dieser Betrag sei an den Kanton Luzern gegangen.

Ziel: Geldgeber aus Zentralschweiz

Die Universitätsleitung hat sich ausserdem zum Ziel gesetzt, Zentralschweizer Geldgeber zu gewinnen. Der Aufbau der Fakultät soll laut Richli ein Projekt aus der Region werden. Er sagt aber: «Wenn eine Finanzierung innerhalb der Zentralschweiz nicht funktioniert, werden wir den Kreis ausdehnen.» Den Aufbau der Wirtschaftsfakultät können Geldgeber auf drei Arten unterstützen: durch einen Aufbauclub, bei dem Private mit einem Beitrag ab 5000 Franken und Unternehmen und Organisationen ab 10 000 Franken Zutritt haben. Weiter können konkrete Projekte oder Professuren unterstützt werden. Und schliesslich sind Geldgeber mit der stolzen Summe von 333 333 Franken im «Club der 333 333» dabei. Bei diesem Angebot will die Uni Luzern die Exklusivität herausstreichen, erklärt Richli: «Bei der Finanzierung ist es mir wichtig, zu diversifizieren, weshalb wir drei verschiedene Möglichkeiten geschaffen haben. Der Club der 333 333 ist originell, aber auch riskant, weshalb es auch andere Angebote braucht.» Zudem bevorzuge er es, wenn es verschiedene Geldgeber gibt. «Damit vermindert sich der Verdacht der Einflussnahme von Sponsoren.»

Exklusiver Club mit Privilegien

Laut Paul Richli ist der «Club der 333 333» auf zwölf Geldgeber beschränkt. Ob bereits eine Firma oder eine Privatperson in diesem exklusiven Club dabei ist, will er nicht sagen. Laut dem Rektor ist der Club vor allem für Unternehmen attraktiv. «Der Club ist mit gewissen Privilegien verbunden.» Als Beispiel nennt Richli die Vermittlung von Studenten an Firmen im Club. «Firmen haben ein grosses Interesse an sehr guten Universitätsabsolventen. Die Uni Luzern kann hier eine Brückenfunktion wahrnehmen. Unternehmen können durch die Vermittlung Akquisitionskosten sparen.» Richli betont: «Das Positive an diesem Angebot ist, dass die Firmen trotz Privileg keinen Einfluss auf die Lehre und Forschung an der Uni Luzern haben.»

Start mit 100 bis 150 Studenten

Ab dem Herbstsemester des kommenden Jahres soll der Bachelorstudiengang an der neu errichteten Wirtschaftsfakultät angeboten werden. «Ich rechne damit, dass wir den Studiengang mit 100 bis 150 Studenten starten.» Dies sei abhängig davon, wann mit der Werbung begonnen werden könne. Laut Richli ist dies möglich, sobald die Finanzierung steht.

Ab wann der Masterstudiengang angeboten wird, lässt der Rektor noch offen. Möglich sei auch, dass mit dem Masterstudiengang gestartet werde, bevor die ersten Studenten den Bachelor absolviert haben. «In diesem Fall müssten Bachelorabsolventen anderer Universitäten für dieses Angebot gewonnen werden.» Richli betont aber, dass dies der Entscheid des Gründungsdekans Christoph Schaltegger sei. Zudem sei der Entscheid abhängig vom Finanzplan.

Roseline Troxler