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Universität: Wandern schlaue Köpfe aus dem Kanton Luzern ab?

Dank der neuen Wirtschaftsfakultät studieren wieder mehr Einheimische an der Universität Luzern. Der Grossteil ist aber weiterhin an anderen Unis eingeschrieben. Für Kritiker ist klar: Schuld ist die fehlende Unternehmerschule.
Niels Jost

Die Hoffnung war gross, als an der Uni Luzern 2016 die neue Wirtschaftsfakultät (WF) eröffnet wurde. Dank dieser sollen die «Nachwuchstalente» in der Region bleiben, und nicht mehr an ausserkantonale Institutionen abwandern. Nun zeigt sich: Die WF kann immer mehr Luzerner für sich gewinnen, die sich neu für ein Wirtschaftsstudium interessieren.

Dies zeigen erstmals Zahlen des Bundesamts für Statistik, welche die Uni Luzern aufgrund dieser Berichterstattung von der kantonalen Dienststelle Gymnasialbildung angefordert hat. Im Herbstsemester 2015 gingen noch 96 Prozent aller neuen Luzerner Wirtschaftsstudenten entweder an die Universitäten Zürich und Bern oder an die HSG nach St. Gallen.

Neuer Studiengang zieht Einheimische an

Das änderte sich 2016, als in Luzern der neue Studiengang «Wirtschaftswissenschaften» eingeführt wurde. Seither kann die Uni Luzern gut 20 Prozent aller Luzerner für sich gewinnen, die sich neu für ein Wirtschaftsstudium interessieren – die restlichen 80 Prozent wandern nach wie vor ab, wie die folgende Grafik zeigt:

Ehemaliger Uni-Befürworter kritisiert Entwicklung scharf

Dass 80 Prozent der neuen Luzerner Wirtschaftsstudenten abwandern, beunruhigt Reto Sieber. Der Unternehmer war einer der prominentesten Befürworter der Abstimmung über das neue Universitätsgesetz und die neue Wirtschaftsfakultät im Jahr 2014. Er sagt:

«Das Ziel, die Talentabwanderung zu bremsen und sogar in eine Talentzuwanderung zu verwandeln, ist bis heute verfehlt worden.»

Sieber beruft sich auch auf den Jahresbericht der Uni. Demnach waren im Gründungsjahr 2016 beim Studiengang Wirtschaftswissenschaften 88 Studenten eingeschrieben, ein Jahr später 72 mehr und im letzten Jahr 78 mehr.

Die Uni kontert: Sie sieht sich durch die Zahlen bestätigt

Die Kritik weist die Universität Luzern zurück. Mit der Anzahl Neuzugänge und mit dem Luzerner Anteil ist man laut Mediensprecher Dave Schläpfer zufrieden:

«Diese Zahlen zeigen klar, dass bereits ein Jahr nach der Einführung des Bachelors Wirtschaftswissenschaften erste positive Effekte sichtbar sind.»

Eine Aussage über den Erfolg der neuen Fakultät lasse sich aber erst im letzten Semester des Masterstudiums machen, wenn alle Jahrgänge gefüllt sind und das Studium im Vollbetrieb ist.

Das ist im Frühling 2021 der Fall. An den dann vorliegenden Zahlen dürfte die Uni erstmals gemessen werden – schliesslich war es ein erklärtes Ziel der Uni-Verantwortlichen und Luzerner Regierung im Vorfeld der Abstimmung 2014, mit der WF die «Talente» im Kanton zu halten. Erreichen wollte man dies unter anderem mit einer Unternehmerschule. Jeweils fünf Studenten hätten von einem erfahrenen KMU-Chef betreut werden sollen.

Unternehmerschule heisst neu «Marktorientiertes Management»

Mittlerweile ist klar: Die Unternehmerschule wird es in dieser Form nicht geben. Dieser Teil einer der drei im Master-Studiengang optional wählbaren Spezialisierung wird zwar wie geplant im kommenden Herbst starten, jedoch unter dem Namen «Marktorientiertes Management».

«Diese Spezialisierung entspricht nicht dem, was in der Abstimmungsbotschaft versprochen wurde», sagt Reto Sieber. «Sie ist ein kleiner Aspekt einer Unternehmerschule und schon gar kein Zugpferd, um Luzerner Maturanden an die Uni Luzern zu locken.» Sieber sagt weiter:

«Für viele Maturanden gibt es somit keinen Grund, die Uni Luzern der HSG, der Uni Zürich oder Bern vorzuziehen.»

Dass der Master auch mit der Spezialisierung «Marktorientiertes Management» ein eigenständiges Profil hat, davon ist Dave Schläpfer überzeugt. Dasselbe gelte für die Spezialisierung Gesundheitsökonomie. Generell sei die gleichwertige Kombination von Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und der hohe Anteil von Recht «eine Luzerner Besonderheit». «Auch ist das Studium vergleichsweise breit und generalistisch ausgelegt», so Schläpfer. «Einen hohen Stellenwert geniesst auch der Praxisbezug – gerade in Zusammenarbeit mit Firmen aus der Region.» Dies bestätigt der kantonale Gewerbeverband.

Trotz dieser Praxisnähe hätte sich Reto Sieber mehr erhofft vom Master. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass es zwischen 2014 und 2017 drei Anläufe gab, die Unternehmerschule aufzubauen. In den breit abgestützten Arbeitsgruppen vertreten waren diverse Unternehmer. Sieber gehörte zwei Mal dazu.

Die Uni habe die Arbeitsgruppen aber jeweils nach kurzer Zeit wieder aufgelöst – ihm zufolge ohne Erklärung. Mit dem Gros der Beteiligten besteht gemäss Dave Schläpfer noch heute eine Zusammenarbeit, «und zwar verstetigt auf institutioneller Ebene».

Wegen unterschiedlicher Meinung: Uni erstattete Sieber Donation zurück

Davon zeigt sich Sieber unbeeindruckt. Als Ex-Mitglied der Uni-Arbeitsgruppe zur Drittmittelbeschaffung habe er schon früh gewarnt: «Das Missachten des Volksentscheides, eine Wirtschaftsfakultät mit Unternehmerschule zu gründen, beschädigt das Vertrauen der Sponsoren in die Fakultät und jenes der Stimmbürger in die verantwortlichen Politiker.»

Seine Warnung sei aber nicht ernst genommen worden, sagt er – seine Donation für die Unternehmerschule von 50'000 Franken habe ihm die Uni zurückerstattet. «Wohl in der Hoffnung, man sei einen kritischen Beobachter und die Unternehmerschule los.»

Die Rückerstattung bestätigt Dave Schläpfer. Erfolgt sei diese, «da es sich bei der Konkretisierung des Studienprogramms gezeigt hatte, dass die Ansichten von Herrn Sieber und derjenigen der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zu weit auseinanderliegen. Der Verzicht auf die Donation erfolgte nicht zuletzt mit Blick auf die Wahrung der Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.»

Im Recht top, in Sozialwissenschaften flop

Zurück zu den Zahlen: Von allen Luzernern, die im Herbstsemester 2017 ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Studium belegten, studierten 290 in Luzern und 1232 an einer ausserkantonalen Institution, was 81 Prozent entspricht. In interdisziplinären Studienrichtungen waren 158 Luzerner ausserkantonal eingeschrieben (87 Prozent), 23 in Luzern.

So viele Luzerner sind an den Fakultäten der Uni Luzern eingeschrieben:

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So viele Luzerner sind an den Fakultäten der Uni Luzern eingeschrieben

Zu bemerken gilt hier, dass die Uni Luzern im Vergleich zu anderen Unis noch jung und klein ist. Schläpfer betont zudem, dass die tatsächlichen Werte tiefer seien, weil verschiedene studentenstarke Fächer – allen voran Psychologie sowie Sprach- und Literaturwissenschaften – gar nicht in Luzern studiert werden können. «Diesen Studenten bleibt daher nur der Gang in andere Kantone.» Die Zahlen findet Schläpfer daher «nicht aussergewöhnlich», schliesslich würden auch Studenten aus anderen Kantonen nicht zwingend in ihren Herkunftskantonen studieren.

Profiliert ist die Uni Luzern fraglos in den Rechtswissenschaften. Von allen 605 Luzerner Jus-Studenten waren 57 Prozent in Luzern eingeschrieben.

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