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UNIVERSITÄT: Wie die Raser ins Strafgesetz kamen

Die Rasergesetze sind verschärft worden, während die Zahl der Raserunfälle in den letzten Jahren abgenommen hat. Silja Bürgi hat den Ursprung der Gesetze in ihrer Dissertation untersucht.
Roseline Troxler
Silja Bürgi (32) befasste sich in ihrer Doktorarbeit mit der Entstehung der Rasergesetze. (Bild Nadia Schärli)

Silja Bürgi (32) befasste sich in ihrer Doktorarbeit mit der Entstehung der Rasergesetze. (Bild Nadia Schärli)

Auf 377 Seiten hat sich Silja Bürgi aus Brunnen mit dem Raser und seinem Weg ins Recht befasst. Für ihre Dissertation hat die 32-Jährige Strassenverkehrsunfallstatistiken, Urteile, Motorfahrzeuglenkerbefragungen, politische Vorstösse und Artikel in nationalen Leitmedien analysiert. «Ich ging der Frage nach, wo die Ursprünge für die Gesetzesänderungen im Strassenverkehr bezüglich Raserfahrten liegen», erklärt Silja Bürgi, die an der Universität Luzern doktoriert hat. Die ehemalige Jusstudentin hat den Gesetzesentstehungsprozess beleuchtet und hinterfragt.

Schönenwerd als Wendepunkt

Ein Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung in Bezug auf Raser war laut Silja Bürgi der tragische Unfall im solothurnischen Schönenwerd im November 2008. Damals starb eine 21-jährige Beifahrerin in einem korrekt fahrenden Auto, welches mit dem Auto eines Griechen zusammengestossen war. Dieser hatte sich mit zwei anderen Rasern ein Rennen geliefert. «Auch zuvor gab es tragische Unfälle wegen Raserfahrten – etwa in Gelfingen, als zwei Jugendliche auf dem Trottoir von einem Auto erfasst wurden und starben. Diese wurden in den untersuchten überregionalen Medien aber nicht so intensiv aufgegriffen.» Zeitgleich mit dem Unfall in Schönenwerd habe die öffentliche und politische Thematisierung von Rasern einen Aufschwung erfahren.

Im Juni 2012 nahm das nationale Parlament die Vorlage zum Verkehrs­sicherheitspaket Via Sicura an. Dieses beinhaltet präventive Massnahmen, eine bessere Durchsetzung bestehender Regeln, repressive Massnahmen bei Rasern und Infrastrukturverbesserungen. Die Doktorarbeit von Silja Bürgi zeigt auf, dass die öffentliche Debatte einen starken Einfluss auf die Aufnahme von härteren Strafmassen in Via Sicura hatte. «Nicht die reale Entwicklung der Raserfälle hat die Gesetzgebung verschärft, sondern die wachsende Thematisierung in den Medien und der Politik.» Denn die Anzahl der schweren geschwindigkeitsbedingten Unfälle habe in den vergangenen Jahren abgenommen. Aus diesem Grund stelle sich die Frage der Funktion der verschärften Gesetze. «Noch ist es unklar, welchen Einfluss die neuen Normen auf die Prävention von Raserfahrten haben.»

Rund fünf Jahre hat Silja Bürgi – meist im stillen Kämmerchen zu Hause – an ihrer Doktorarbeit geschrieben. Eine Herausforderung sei die stete Weiterentwicklung der Thematik gewesen. «Auf politischer Ebene fanden laufend Veränderungen statt, und es kamen neue Gerichtsurteile hinzu. So hatte ich während des Schreibens mehrere Baustellen.» Es sei nicht einfach gewesen, sich bei diesem breiten Thema nicht zu verlieren. «Trotzdem hat mir immer gefallen, was ich gemacht habe.» Auch in Zukunft werde sie gespannt mitverfolgen, wie sich die Rechtsprechung in Bezug auf Raser weiterentwickelt. Die Dissertation möchte Silja Bürgi publizieren.

Abschied von der Uni Luzern

Eingereicht hat sie ihre Arbeit im Juni. Der offizielle Abschluss erfolgte am Freitag, als Silja Bürgi ihr Diplom entgegennehmen konnte. «Es gab in den vergangenen Monaten schon manch eine Gelegenheit, dies zu feiern. Deshalb feiere ich nun im kleinen Rahmen», so die Schwyzerin vor der Diplomübergabe. Nun kehrt sie der Uni Luzern den Rücken zu, nachdem sie da ihr ganzes Studium absolviert hat – den Bachelor zunächst im Hauptfach Soziologie, im Master wechselte sie auf Jus. «Das erste Jahr an der Uni Luzern war besonders speziell, weil ich zu den ersten Soziologiestudenten zählte.» Nach Luzern kam Silja Bürgi auch wegen der Schönheit der Stadt und der guten Betreuung an der Uni.

Nun absolviert die Doktorandin ein Gerichtspraktikum. «Es tut gut, Praxisluft zu schnuppern.» Während der Dissertation hat sie als Assistentin an der Uni Luzern und gegen Ende bei einer Staatsanwaltschaft gearbeitet. Ihr nächstes Ziel ist die Anwaltsprüfung. «Wohin es mich danach zieht, steht noch offen. Ich habe viele verschiedene Interessen.»

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