UNIVERSITÄTSGESETZ: Gegner einer Wirtschaftsfakultät formieren sich

Platznot, Doppelspurigkeiten und gefährdete Unabhängkeit von Forschung und Lehre: Auch wenn der Regierungsrat ein Ja zum Universitätsgesetz empfiehlt, weichen die Gegner nicht von ihren Argumenten ab.

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Die Schaffung einer Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern bleibt umstritten. (Bild: Dominik Wunerli / Neue LZ)

Die Schaffung einer Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern bleibt umstritten. (Bild: Dominik Wunerli / Neue LZ)

Die Gegner einer Fakultät für Wirtschaft an der Universität Luzern, angeführt von der SP und flankiert vom Luzerner Gewerkschaftsbund sowie der «Studentischen Gruppe gegen das Universitätsgesetz», legten an einer Medienkonferenz am Montag ihre Argumente für ein Nein am 30. November dar.

Im Fokus des Referendumskomitees stehen weiterhin das Finanzierungsmodell, das eine private Anschubfinanzierung vorsieht und befürchtete Doppelspurigkeiten zwischen Universität und Fachhochschule.

Lorenz: Keine Unabhängigkeit wegen Fremdfinanzierung

Priska Lorenz, die Fraktionspräsidentin der SP/JUSO-Fraktion im Luzerner Kantonsrat, kritisierte die Anschubfinanzierung der geplanten Fakultät duch private Investoren: «Diese Finanzierung gefährdet die Freiheit von Lehre und Forschung, da ändern auch  Gesetzesbestimmungen und Richtlinien nichts daran», lässt sie sich zitieren. Beispiele der Uni Zürich und der ETH Lausanne würden zeigen, wie weit die Einflussnahme gehen könne. Auch mit kleineren Beträgen liessen sich Forschungsrichtungen beeinflussen.

Budmiger: Verwässerung von Fachhochschule und Universität

Während Bildungsdirektor Reto Wyss am Donnerstag von «zwei verschiedenen Wegen in die Wirtschaft» sprach, wittert Marcel Budmiger, der Geschäftsleiter des Luzerner Gewerkschaftsbunds, weiterhin unnötige Doppelspurigkeiten zwischen Fachhochschule und Universität: «Die geplante Wirtschaftsfakultät konkurrenziert das Departement Wirtschaft der Hochschule Luzern, bringt damit unsinnige Doppelspurigkeiten, verwässert weiter die klare Trennung zwischen Universität und Fachhochschulen und schadet somit letztlich unserem starken Berufsbildungswesen». Zudem entspreche eine Wirtschaftsfakultät auch nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft im «KMU-Kanton Luzern».

Studierende: Zu wenig Platz an der Uni

Weiter sprechen die Vertreter der Studierenden, die sich gegen eine neue Fakultät der Universität stemmen, von «bereits heute prekären Platzverhältnissen»: «Das Uni-Gebäude ist bereits jetzt voll. Sollten durch die Einrichtung einer Wirtschaftsfakultät noch weitere 600 bis 1000 neue Studierende hinzukommen, würde der Unibetrieb früher oder später sehr erschwert oder gar verunmöglicht», gab Claudio Birnstiel, der Vertreter der «Studentischen Gruppe gegen das Universitätsgesetz» zu bedenken.

Am vergangenen Donnerstag hatte Bildungsdirektor Reto Wyss den Entscheid des Regierungsrates begründet, das neue Universitätsgesetz und damit eine Fakultät für Wirtschaft an der Universität Luzern zu unterstützen. Das Referendumskomitee bezeichnete das Vorgehen als ungewöhnlich, dass sich der Regierungsrat so kurz vor einer Abstimmung äussere und warf ihm «Regierungspropaganda» vor.

pd/uus

Das revidierte Universitätsgesetz

uus. Der Kantonsrat hatte die Schaffung einer neuen Fakultät an der Universität Luzern 2012 im Rahmen eines Planungsberichtes gutgeheissen. Voraussetzung war, dass sie finanzierbar ist. Der Aufbau der Fakultät soll mit privaten Mitteln, der Betrieb im Wesentlichen mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Dazu muss das Universiitätsgesetz aktualisiert und angepasst werden.

Inzwischen liegt ein Finanzierungskonzept vor, das nach Meinung des Regierungsrates für den Kanton gut tragbar ist. Die Wirtschaftswissenschaften sollen den Bildungsplatz und den Wirtschaftsstandort Luzern stärken, so die Intention.

Im neuen Universitätsgesetz wird auch festgehalten, dass die Institution Drittmittel offen legen muss, die höher als 500'000 Franken betragen.

Gegen die Änderung des Universitätsgesetzes wurde von der SP das Referendum ergriffen. Mit dem Referendum wird in erster Linie die Errichtung der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bekämpft.

Der Kantonsrat beschloss die Gesetzesänderung mit 90 gegen 21 Stimmen. Der Regierungsrat empfiehlt den Stimmberechtigten die Annahme der Vorlage.

Am 30. November kann das Luzerner Stimmvolk über das Universitätsgesetz entscheiden.