Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die unkonventionelle Polit-Karriere von Yvette Estermann

SVP-Politikerin Yvette Estermann (51) hat den umgekehrten Weg eingeschlagen: zuerst Nationalrat, dann der Krienser Einwohnerrat. Letzteren wird sie bald präsidieren. Auch für die Zeit danach hat sie Ambitionen.
Stefan Dähler
Yvette Estermann geniesst die Aussicht beim Schulhaus Gabeldingen am Sonnenberg. (Bild: Corinne Glanzmann; Kriens, 3.  August 2018))

Yvette Estermann geniesst die Aussicht beim Schulhaus Gabeldingen am Sonnenberg. (Bild: Corinne Glanzmann; Kriens, 3.  August 2018))

Ja, das sei «leider» ihr Töff mit dem blauen «L», sagt Yvette Estermann lachend, als sie den Journalisten vor ihrem Haus am Sonnenberg empfängt. «Seit unser Sohn im Militär ist, bin ich am Lernen. Zuvor wäre es mir zu riskant gewesen.»

Auch ohne Töff: Yvette Estermann kommt in der Regel schnell ans Ziel: 2007 wurde sie nach nur zwei Jahren im Kantonsparlament auf Anhieb in den Nationalrat gewählt. Seit 2016 politisiert Estermann auch im Krienser Einwohnerrat, den sie ab September nun ebenfalls nach nur zwei Jahren aller Voraussicht nach präsidieren wird. Die SVP, die turnusgemäss das Amt der «höchsten Krienserin» ausfüllen darf, hat die gebürtige Slowakin zur Wahl vorgeschlagen.

Im Ratsbetrieb eher unauffällig

«Ich engagiere mich mit Herzblut, auch für Aufgaben, die andere nicht übernehmen wollen», sagt Estermann, gefragt nach ihrem Erfolgsrezept. Im Gespräch fällt zudem ihre freundliche Art auf. «Ich habe zwar meine Vorstellungen, die nicht allen gefallen. Doch ich versuche, gegenüber allen Leuten offen zu sein.» Auch eine Rolle spielt wohl, dass sie sich mit öffentlichkeitswirksamen Vorstössen zu Themen wie Glühbirnen, Nationalhymne und Abschaffung der Sommerzeit in Szene zu setzen weiss.

Im Ratsbetrieb selbst verhält sich Estermann, die vor ihrer Politkarriere als Alternativmedizinerin gearbeitet hat, aber eher unauffällig. «Das ist mein Naturell. Ich bin harmoniebedürftig und arbeite daher gerne in den Kommissionen, wo es darum geht, Kompromisse zu finden.» Ihre zurückhaltende Art dürfte ihr während des Präsidialjahres zugutekommen: Einwohnerratspräsidentinnen beteiligen sich nicht an den Debatten.

Auf das Amt freue sie sich sehr. «Falls ich gewählt werde – SVP-Vertreter erhalten meist nicht so viele Stimmen – wäre das eine Ehre für mich. Zumal ich keine Ur-Krienserin bin.» Estermann ist 1993 der Liebe wegen aus der Slowakei in die Schweiz eingewandert. Im Rahmen der Diskussionen um den EWR- und den EU-Beitritt habe sie begonnen, sich für die SVP zu interessieren. «Die direkte Art von Christoph Blocher hat mir imponiert.» Die Betonung des Nationalen sei ihr wichtig. «Es braucht ein Zuhause und Werte, die Halt geben.»

Viel Arbeit, um akzeptiert zu werden

Dass sie als Einwandererin für eine Partei politisiert, die der Einwanderung skeptisch gegenübersteht, sieht Estermann nicht als Widerspruch. «Wenn in kurzer Zeit sehr viele Leute kommen, haben die Leute Mühe.» Dennoch ist sie bei diesem Thema nicht immer linientreu. So kritisierte sie im Vorfeld der Abstimmung über erleichterte Einbürgerungen für die dritte Generation Anfang 2017 die Nein-Kampagne ihrer Partei. «Die SVP muss nicht immer um sich schlagen», sagt sie. «Die Schweiz verändert sich, dem sollte die Partei Rechnung tragen. Längst nicht alle Ausländer sind schlecht.»

Als Frau mit Migrationshintergrund habe sie es in der SVP anfangs selbst auch nicht leicht gehabt. «Es brauchte viel Arbeit, um akzeptiert zu werden. Man darf nicht nachtragend sein.» Inzwischen ist sie aber auf regionaler Ebene ein Aushängeschild der Partei. Und so kam es, dass sie 2016 für den Krienser Einwohnerrat kandidierte, um der damals kriselnden Ortspartei neuen Schub zu verleihen.

«Im Einwohnerrat kommt es eher zu spontanen Wendungen während der Debatten, im Nationalrat steht das Resultat meistens schon im Voraus fest.»

Wie meistert sie seither den Spagat zwischen dem «grossen» National- und dem «kleinen» Einwohnerrat? «Leider kann ich nicht mehr an allen Sitzungen teilnehmen.» Bei Überschneidungen gebe sie dem Einwohnerrat in der Regel den Vorzug. «Dort kommt es eher zu spontanen Wendungen während der Debatten, im Nationalrat dagegen steht das Resultat meistens schon im Voraus fest.» Generell würden die Einwohnerräte «mehr mit Herzblut» politisieren. «Mandate oder andere Interessenverbindungen spielen keine Rolle, es geht mehr um das Wohl der Gemeinde.»

Und wie steht es um das Wohl der Gemeinde Kriens? «Aus finanzieller Hinsicht ist es zentral, jetzt gute Steuerzahler anzuziehen, damit auch Geld da ist für soziale Leistungen.» Wichtig sei ihr ausserdem, dass bei der ganzen Veränderung durch die zahlreichen Neubauten die Traditionen nicht verloren gehen.

Mögliche Kandidatur für den Gemeinderat

Das Präsidium wird Estermann ein Jahr innehaben. Welche Pläne hegt sie für die Zeit danach? «Ich mag es, stets neue Herausforderungen anzunehmen.» Auf privater Ebene beispielsweise, Töfffahren zu lernen. Und auf beruflicher Ebene, für die SVP 2020 wieder einen Gemeinderatssitz zu erobern? Eine mögliche Kandidatur schliesst Estermann nicht aus. «Denkbar ist das aber nur, wenn die Partei hinter mir steht und ich selbst überzeugt bin, dass ich diese Aufgabe mit Herzblut erfüllen kann.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.