Kommentar
Öffnung der Luzerner Gymis: Unnötiger Slalomlauf

Drei Monate Unterricht zu Hause haben – trotz neu entdeckten Vorteilen des digitalen Lernens – die Grenzen des Fernunterrichts aufgezeigt. Höchste Zeit, dass nun alle wieder in die Klassen sitzen.

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Jérôme Martinu, Chefredaktor der Luzerner Zeitung.

Jérôme Martinu, Chefredaktor der Luzerner Zeitung.

Doch noch. Die Luzerner Gymnasiasten ab der 3. Klasse kehren am Montag zum Unterricht in die Schulhäuser zurück. Das hat das Bildungsdepartement am Mittwoch überraschend entschieden, nachdem der Bundesrat die Abstandsregeln am Montag bloss in Nuancen gelockert hatte. Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann sah darum nach wie vor keine Veranlassung für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts. Zuvor gingen die Wogen hoch, weil der Schulbetrieb entgegen den Ankündigungen und anders als in Nidwalden, Uri und vielen anderen Kantonen nicht bereits diese Woche losgegangen war. Das war auch für viele Lehrer «ein Schock».

Höchste Zeit, dass nun alle wieder in die Klassen sitzen. Drei Monate Unterricht zu Hause haben – trotz neu entdeckten Vorteilen des digitalen Lernens – die Grenzen des Fernunterrichts aufgezeigt. Ein zentraler Bestandteil des Lernens sind soziale Interaktion und emotionale Dynamik zwischen Lehrern und Schülern, der Jungen untereinander. Das gibt es nur im Präsenzunterricht.

Im Abwägen zwischen Chancen und Risiken habe man sich für die Bildung entschieden. Die Kehrtwende ist zweifellos vernünftig. Ja, das einzig Richtige. Ein Schönheitsfehler bleibt haften: Nämlich, dass es bei den Bildungsverantwortlichen überhaupt Zweifel gab und es zwei Anläufe brauchte. Der Re-Start der Gymnasien wäre auch mit den seit 13. Mai geltenden Regeln möglich gewesen. Der Slalomlauf war unverständlich und unnötig.