100 Jahre alt und 301 Mitglieder stark – dem Frauenverein Egolzwil-Wauwil wird zu Unrecht ein «verstaubtes Image» nachgesagt

Der Frauenverein Egolzwil-Wauwil wird 100-jährig. Vor der Jubiläumsversammlung vom Samstag gibt Präsidentin Manuela Siegrist Einblicke ins Vereinsleben und wundert sich über den Mangel an historischen Dokumenten.

Stephan Santschi
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Frauenvereinspräsidentin Manuela Siegrist in der Pfarrkirche, zwischen den Dörfern von Egolzwil und Wauwil. (Bild: Dominik Wunderli, 23. Januar 2019)

Frauenvereinspräsidentin Manuela Siegrist in der Pfarrkirche, zwischen den Dörfern von Egolzwil und Wauwil. (Bild: Dominik Wunderli, 23. Januar 2019)

Wer auf eine solch lange Geschichte wie der Frauenverein Egolzwil-Wauwil zurückschauen kann, verfügt über ein umfangreiches Archiv – sollte man meinen. Nicht so in diesem Fall: «Unterlagen sind nur bis ins Jahr 1959 zurück vorhanden, Fotos von ganz früher haben wir gar keine», sagt Präsidentin Manuela Siegrist (40). Und sie ergänzt:

«Vielleicht ist alles irgendwann in einem Estrich verloren gegangen. Ich habe viel recherchiert, doch über die Anfänge unseres Vereins ist uns nichts bekannt.»

Immerhin: Das Gründungsjahr ist verbürgt, 1919 ist der Verein aus der Taufe gehoben worden und so kann die Historie gebührend gefeiert werden. 100 Jahre alt wird der Frauenverein heuer, am Samstag findet im Zentrum Linde in Wauwil die Jubiläums-Generalversammlung statt.

Jahresprogramm besticht mit Vielfalt

So wenig aus der Vergangenheit bekannt ist, so umfangreich ist das Vereinsleben heute. Der achtköpfige und mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren relativ junge Vorstand verfügt über viel Frauenpower, was im Jahresprogramm zum Ausdruck kommt: «Wir versuchen Themen für alle aufzugreifen, auch über die Teilnahme von Männern an unseren Anlässen freuen wir uns», sagt Siegrist. Kochkurse, Bastelabende, Autofahr-Auffrisch-Kurse, Wanderungen und Babysitter-Schulungen werden ebenso durchgeführt wie selber gestaltete liturgische Gottesdienste oder eine Vorlesung mit der Egolzwiler Buchautorin Monika Mansour.

Auch Anlässe für die ganze Familie, organisiert von der Vereins-Untergruppe «Aktive Familien», finden monatlich statt. Highlight des Jahres ist aber die Vereinsreise, die man für kulturelle Führungen in der Schweiz nutzt. «Als ich einem Kollegen erklärte, dass ich im Vorstand eines Frauenvereins bin, hat er gelacht und gemeint, wir würden wohl vor allem lismen», erzählt die vierfache Mutter und betont:

«Wir tun viel mehr als lismen. Wir sind aktiv, offen und knüpfen Kontakte. An uns hängt wohl ein etwas verstaubtes Image.»

Das 100-Jahr-Jubiläum nimmt der Frauenverein Egolzwil-Wauwil zum Anlass, Flyer in alle Haushalte der rund 3700 Einwohner in beiden Gemeinden zu verschicken, um etwas Eigenwerbung zu betreiben. Auch ein neues Logo wurde kreiert.

Frauenverein steht personell in voller Blüte

Neueintretende sind herzlich willkommen, was aber nicht heisst, dass der Verein vor dem Aussterben steht – ganz im Gegenteil. «Wir werden grösser, stehen mit 301 Mitgliedern auf einem Spitzenwert», sagt Manuela Siegrist. Das jüngste Mitglied habe Jahrgang 1992, die Ältesten seien über 90 Jahre alt.

Und dann findet sich in den Aufzeichnungen doch noch die eine oder andere interessante Begebenheit aus der Vergangenheit: So war der Frauenverein in den Siebzigerjahren massgeblich am Aufbau der Hausaufgabenhilfe beteiligt gewesen, «vor allem Kinder von fremdsprachigen Eltern sind von Dorfbewohnerinnen anfänglich ehrenamtlich unterrichtet worden, bevor diese Aufgabe die Schule übernahm», sagt Siegrist. Bis vor kurzem habe man auch das Café International unterstützt, mittlerweile laufe dieser multikulturelle Treff aber eigenständig.

Beim Stöbern in alten Dokumenten ist Frauenvereinspräsidentin Siegrist auch ein Eintrag aus dem Jahr 1966 aufgefallen:

«Damals musste die GV vom Januar in den April verschoben werden, weil gerade eine Seuche umging.»

Und 1968 habe die Protokollantin nach einem Ausflug in eine Zürcher Seifenfabrik feinsäuberlich für ihre Vereinskolleginnen aufgelistet, welches Waschmittel für welche Textilien gebraucht werden könne.