Interview
«Unser Verhältnis zu den linken Parteien hat sich nicht geändert»: Der Stadtluzerner GLP-Präsident zum zweiten Wahlgang

Die Stadtluzerner Baudirektorin Manuela Jost (GLP) will am 28. Juni die Wiederwahl schaffen. Unterstützt wird sie diesmal von den Bürgerlichen. Haben die Grünliberalen nun ihre Richtung geändert? GLP-Präsident Marcel Dürr nimmt Stellung.

Robert Knobel
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Marcel Dürr, Präsident der Stadtluzerner GLP.

Marcel Dürr, Präsident der Stadtluzerner GLP.

2016 symbolisierte die Wiederwahl von Manuela Jost die linksgrüne Wende in der Luzerner Stadtpolitik. 2020 will sie nun mit Hilfe der Bürgerlichen wieder gewählt werden. Ist die GLP jetzt eine bürgerliche Partei geworden?

Dass Manuela Jost 2016 von den Linken, und nun von den Bürgerlichen unterstützt wird, zeigt, dass wir eine unabhängige Politik betreiben, die sich zwischen den Polen bewegt. Wir machen sowohl grüne als auch liberale Politik. Daran hat sich nichts geändert. Unser Schwerpunkt sind ökologische Themen, die aber gleichzeitig liberalen Anliegen gerecht werden. Ein Beispiel dafür ist das Mobility Pricing: Die Mobilität soll nicht nur einfach mit neuen Vorschriften gelenkt werden, sondern es soll auch der Markt spielen.

SP und Grüne unterstützen Manuela Jost nicht mehr. Die SP greift mit Judith Dörflinger den GLP-Sitz sogar ziemlich direkt an. Das erscheint nach der engen Zusammenarbeit der letzten Jahre schon fast als Affront. Wie ist heute das Verhältnis der GLP zu den linken Parteien?

Ja, die SP greift an. Aber ich habe dies nie als direkte Kritik an der Arbeit von Manuela Jost verstanden. Es geht der SP nicht um die Baudirektorin, sondern sie will wohl einfach ihren Einfluss im Stadtrat ausbauen. Inhaltlich hat sich unser Verhältnis zu den linken Parteien nicht geändert: Bei ökologischen Zielen sind wir öfters deckungsgleich, doch der Weg dahin unterscheidet sich bisweilen. Und sobald es um Fragen von Umverteilung geht, sind wir klar auf der liberalen Seite.

Ihr Ziel war, im Stadtparlament 6 Sitze zu erhalten. Dann wäre die GLP so gross wie die CVP. Doch nun bleibt es bei 4 Sitzen – der Anspruch der GLP auf einen eigenen Stadtratssitz ist weiterhin bestritten. Was sagen Sie dazu?

Ja, wir sind eine kleine Partei und konnten im Parlament nicht zulegen. Aber der Stadtrat ist etwas anderes. Das gute Abschneiden von Manuela Jost im ersten Wahlgang hat gezeigt, dass es den Wählern wichtig ist, in der Regierung für einen Ausgleich zu sorgen. Aus demselben Grund unterstützen wir auch Franziska Bitzi (CVP). Sie und Manuela Jost stammen aus Mitteparteien und sind prädestiniert, Ausgleich und Kontinuität zu garantieren. Kompromisse sind so besser möglich. Das ist gerade für die anstehenden finanziellen Herausforderungen der Stadt wichtig.

Manuela Jost ist seit Jahren das Aushängeschild der GLP. Dank ihr war die Partei trotz ihrer Kleinheit sehr präsent. Was passiert, wenn Jost abgewählt wird – muss sich die GLP dann neu erfinden?

Ich bin zuversichtlich, dass Manuela Jost wiedergewählt wird. Wir sind auch im Kantons- und Grossstadtrat mit starken Persönlichkeiten gut aufgestellt. Unsere Ambition ist und bleibt, langfristig im Stadtrat vertreten zu sein.

Marcel Dürr (55) ist IT-Unternehmer und seit vergangenem Herbst Präsident der GLP Stadt Luzern.