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Bundesratswahlen: Zentralschweiz hat Chancen – trotz Absagen

Die CVP-Männer Gerhard Pfister und Konrad Graber wollen genauso wenig in die Landesregierung wie FDP-Frau Petra Gössi. Dennoch gibt es in der Zentralschweiz Kandidaten, die das Zeug zum Bundesrat haben – und das Amt auch wollen.
Lukas Nussbaumer
Die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard und ihre Parteikollegin sowie mögliche Nachfolgerin, CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger, applaudieren an der Bundesfeier der Stadt Luzern am 31. Juli 2017 beim Europaplatz vor dem KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard und ihre Parteikollegin sowie mögliche Nachfolgerin, CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger, applaudieren an der Bundesfeier der Stadt Luzern am 31. Juli 2017 beim Europaplatz vor dem KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann)

Konrad Graber wird seit Jahren als Bundesratskandidat gehandelt, Parteikollege Gerhard Pfister ebenso. Doch die beiden CVP-Männer aus den Kantonen Luzern und Zug haben ihre Ambitionen offiziell begraben: Ständerat Graber mit der Bekanntgabe seines Abschieds aus der Politik vor vier Wochen, Nationalrat und Parteipräsident Gerhard Pfister am Donnerstag zum wiederholten Mal.

Auch bei der FDP hat eine mögliche Bundesrätin das Handtuch geworfen, bevor es ernst gilt: die Schwyzer FDP-Nationalrätin und Parteipräsidentin Petra Gössi. Ob sie ihr allerletztes Wort zum Thema Bundesrat tatsächlich gesprochen hat, wie vorab im Kanton Schwyz angezweifelt wird? Wie auch immer: Stand jetzt, steht Gössi nicht zur Verfügung.

Damit sind drei Zentralschweizer Favoriten für die Nachfolge von Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann aus dem Rennen. Dennoch hat unsere seit 2003 nicht mehr im Bundesrat vertretene Region (siehe Kasten) Kandidaten, die das Amt ausüben könnten.

Zentralschweizer CVP hat weitere Eisen im Feuer

Bei der CVP ist das Feld der möglichen Anwärter grösser. Dies deshalb, weil sich bei der FDP nach dem vorläufigen Verzicht von Petra Gössi keine Frauen aufdrängen. Anders bei der CVP: Neben der Luzerner Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger gilt auch die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen als valable Kandidatin, der Obwaldner Ständerat Erich Ettlin sowieso. Zum erweiterten Kreis der Anwärter zählen ausserdem der Zuger Ständerat Peter Hegglin, der Luzerner Nationalrat Leo Müller oder allenfalls die Nidwaldner Regierungsrätin Karin Kayser.

Erich Ettlin CVP-Ständerat, Obwalden
«Ja, ich mache mir Gedanken und entscheide mich in zwei bis drei Wochen.» Das zeigt: Der 56-jährige Steuerexperte aus Kerns ist einer Bundesratskandidatur nicht abgeneigt. Obwohl erst seit 2015 im Stöckli, hat sich der frühere Vorsteher der kantonalen Steuerverwaltung in Bern einen guten Ruf erworben, vorab in Finanz- und Gesundheitsfragen. Erich Ettlin ist nicht nur Finanzspezialist, sondern auch CSS-Verwaltungsrat und sass früher in der Aufsichtskommission des Kantonsspitals Obwalden. Er wäre nach Ludwig von Moos der zweite Obwaldner Bundesrat.
Andrea Gmür CVP-Nationalrätin, Luzern
Die Chance, Bundesrätin zu werden, erhalte man wohl nur einmal im Leben, sagt die 54-jährige Nationalrätin aus der Stadt Luzern. Deshalb stelle sie gewisse Überlegungen an und führe Gespräche. Nach erst drei Jahren in der Grossen Kammer bereits als Bundesratskandidatin gehandelt zu werden, freue und ehre sie, sagt die Gymilehrerin und Geschäftsführerin. Trotz vergleichsweise wenig Erfahrung in Bundesbern blickt Andrea Gmür-Schönenberger auf eine lange Politkarriere zurück: Sie sass acht Jahre im Kantonsrat und präsidiert seit 2014 die CVP der Stadt Luzern.
Heidi Z’graggen CVP-Regierungsrätin, Uri
Die 52-jährige Lehrerin und Politologin aus Erstfeld ist seit 2004 Regierungsrätin, verfügt also über grosse Exekutiverfahrung. Sie sagt, als ehemalige Präsidentin und heutiges Mitglied des leitenden Ausschusses der Zentralschweizer Regierungskonferenz erachte sie es als wichtig, dass die Zentralschweiz Anspruch auf einen Sitz im Bundesrat erhebe. «Das sind Gedanken, die mich bewegen, wenn ich mich mit den Herausforderungen einer allfälligen Kandidatur befasse.» Übersetzt: Heidi Z’graggen würde nicht Nein sagen, wenn man sie fragt.
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Dreimal Interesse bei der CVP

Bei der FDP werden neben den Bundesparlamentariern Hans Wicki, Josef Dittli und Damian Müller auch zwei Regierungsräte genannt: der Schwyzer Säckelmeister Kaspar Michel und der abtretende Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel. Ihre Chancen als Politiker, die keine Erfahrungen in Bundesbern aufweisen können, sind allerdings klein.

Hans Wicki FDP-Ständerat, Nidwalden
Er werde die Vor- und Nachteile einer Kandidatur abwägen sowie diese mit Partei- und Parlamentskollegen diskutieren, sagt der 54-jährige Ökonom aus Hergiswil. Das wird nicht lange dauern: «Nächste Woche entscheide ich, ob ich ins Rennen steige.» Hans Wicki ist die Entscheidungsfreude anzumerken. Eine Fähigkeit, die dem ehemaligen Regierungsrat und Geschäftsführer der in der Elektrotechnik tätigen Pfisterer-Gruppe auch von politischen Gegnern zugesprochen wird. In der Zentralschweiz ist Wicki bekannt als früherer Präsident der Industrie- und Handelskammer.
Josef Dittli FDP-Ständerat, Uri
Er sei sich bewusst, dass die Konstellation für einen FDP-Mann ungünstig sei. Dennoch schliesse er «zum heutigen Zeitpunkt eine Bundesratskandidatur nicht aus». Der 57-jährige frühere Berufsoffizier aus Attinghausen sitzt wie seine Parteikollegen Hans Wicki und Damian Müller erst seit 2015 im Stöckli. Doch Josef Dittli ist enorm erfahren: als Gründungspräsident der FDP Attinghausen, als Gemeindepräsident, als Urner Sicherheits- und Finanzdirektor. Nationale Bekanntheit erlangte er als treibende Kraft hinter dem Engagement von Samih Sawiris in Andermatt.
Damian Müller FDP-Ständerat, Luzern
Dem erst 33-jährigen PR-Fachmann muss keiner beibringen, wie er sich zu verkaufen hat. Damian Müller hat vor drei Jahren bei der parteiinternen Nomination für den Ständerat den damaligen FDP-Kantonalpräsidenten Peter Schilliger ausgestochen und die Wahl in die Kleine Kammer geschafft. Doch Bundesratskandidat will der Senkrechtstarter noch nicht sein. Er sage dazu «ganz klar Nein» und wolle sich stattdessen für den Kanton Luzern «weiterhin mit Herzblut und Freude einsetzen». Volles Engagement für Luzern – das attestieren ihm nicht nur Parteikollegen.
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FDP: Zwei überlegen, einer sagt ab

So sieht das für sich wohl auch der Luzerner Ständerat Damian Müller. Sein «klares Nein» ist aufgrund der noch geringen Politerfahrung nachvollziehbar. Den 33-jährigen Seetaler schon jetzt ganz abzuschreiben, wäre dennoch verfrüht. Schon manch einer, der sich zu Beginn des Auswahlprozederes von einem möglichen Interesse distanziert hat, wurde später Bundesrat. Im Fall von Müller und Gössi, die auch erst 42-jährig ist, dürfte das Thema Bundesratskandidatur auch bei der nächsten oder übernächsten Vakanz aktuell sein.

Bislang acht Bundesräte aus der Zentralschweiz

Nur drei der sechs Zentralschweizer Kantone konnten bis anhin Bundesräte stellen: Luzern (5), Zug (2) und Obwalden (1). Das sind die bisherigen 8 Mitglieder der Landesregierung:

Luzern: Kaspar Villiger (FDP, Bundesrat von 1989 bis 2003), Alphons Egli (CVP, 1982-1986), Josef Anton Schobinger (CVP, 1908-1911), Joseph Zemp (CVP, 1891-1908), Melchior Josef Martin Knüsel (FDP, 1855-1875).
Zug: Hans Hürlimann (CVP, 1973-1982), Philipp Etter (CVP, 1934-1959).
Obwalden: Ludwig von Moos (CVP, 1959-1971). (nus)

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