Unter dem Bahnhof Luzern gibt es ab sofort 420 zusätzliche Veloparkplätze

Im ehemaligen Posttunnel unter dem Bahnhof haben SBB und Stadt Luzern neue Abstellplätze für Velos geschaffen. Eine Schieberinne bei den Treppen verbessert nun auch den Zugang zur Velostation bei der Uni – die neu gratis ist.

Beatrice Vogel
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Zu den neuen Veloparkplätzen schiebt man das Velo von der Zentralstrasse her über die gelbe Schieberinne die Treppe hinunter. (Bilder: Nadia Schärli, Luzern, 1.Juli 2019)

Zu den neuen Veloparkplätzen schiebt man das Velo von der Zentralstrasse her über die gelbe Schieberinne die Treppe hinunter. (Bilder: Nadia Schärli, Luzern, 1.Juli 2019)

Beim ersten Gang in den Untergrund springt das Velo aus der Schieberinne. Die Wendeltreppe an der Ecke Habsburgerstrasse/Zentralstrasse, die zur SBB-Unterführung führt, ist nicht gerade prädestiniert für die Nutzung mit dem Velo. Es wird also etwas Übung brauchen. Die Rinne auf der anderen Seite der Zentralstrasse ist jedoch einiges einfacher in der Handhabung, da sie keine Kurve macht. Pendlerinnen und Pendler, welche die neue Infrastruktur täglich nutzen, werden nach einiger Zeit wohl kaum noch Mühe damit haben. Auch nicht mit den doppelstöckigen Veloständern, die innert der letzten zwei Monate im ehemaligen Posttunnel unter dem Bahnhof Luzern aufgestellt wurden.

Am Montag wurden die 420 neuen Veloabstellplätze im Beisein der Medien eröffnet. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Luzern und der SBB. Beide Akteure sind überzeugt vom Nutzen der Anlage. «Der Bahnhof Luzern als wichtigste Verkehrsdrehscheibe der Zentralschweiz muss für alle Verkehrsmittel gut erreichbar sein», begründet Stadtrat Adrian Borgula (Grüne). Auch wenn die aktuelle Lösung provisorisch und mit den Schieberinnen nicht ganz normkonform sei, bedeuten die zusätzlichen Abstellplätze eine Bereicherung für Velofahrer. «Wir haben an praktisch jedem Bahnhof das gleiche Problem: Der Veloverkehr nimmt extrem zu und wir kommen mit der Infrastruktur fast nicht nach. Jeder zusätzliche Abstellplatz ist wichtig», ergänzt Rolf Baumeler, bei der SBB zuständig für Immobilien- Bewirtschaftung. 

Stadtrat Adrian Borgula (vorne) und Rolf Baumeler von den SBB zeigen, wie die Veloständer funktionieren.

Stadtrat Adrian Borgula (vorne) und Rolf Baumeler von den SBB zeigen, wie die Veloständer funktionieren. 

Neu können also Velofahrer vom Hirschmattquartier her mit ihrem Velo in die Unterführung gelangen, dieses im Posttunnel parkieren und von dort direkt auf das jeweilige Gleis gehen, um auf den Zug umzusteigen. Die Verantwortlichen betonen, dass in der Unterführung Fahrverbot herrscht: «Die Platzverhältnisse sind eng, wir sind darauf angewiesen, dass sich jeder an das Fahrverbot hält», so Baumeler.

Velostation-Abos werden zurückerstattet

Dank den Schieberinnen ist nun auch die Velostation bei der Uni von Westen her bequemer zu erreichen – «die Velofahrer können via Unterführung den Bahnhofplatz umgehen», sagt Adrian Borgula. Bei der Velostation gibt es eine weitere signifikante Neuerung: Sie ist ab sofort gratis nutzbar und bleibt dennoch betreut. Wer bereits ein Jahres- oder Monats-Abo für die Velostation gekauft hat, erhält die Kosten zurückerstattet. Dafür müssen sich die Betroffenen beim Personal der Velostation melden. Die Caritas wird die Velostation weiter betreiben, auch die zusätzlichen Angebote, wie Reparaturen oder Reinigungen, bleiben bestehen. 

Sicher die kommenden zwei Jahre, beziehungsweise bis die Planung der neuen Velostation an der Bahnhofstrasse abgeschlossen ist, bleibt die alte Velostation kostenlos. Dann werde das Tarifsystem für alle Velostationen überprüft, so der Stadtrat. Für die wegfallenden Einnahmen erhält die Caritas von der Stadt 60'000 Franken pro Jahr als Entschädigung. Der Wegfall der Gebühren geht auf ein im Grossen Stadtrat überwiesenes Postulat zurück. Der Stadtrat erhofft sich dadurch eine bessere Nutzung der bis anhin schlecht ausgelasteten Velostation.

Die neue Anlage im Posttunnel ist videoüberwacht, aber nicht betreut. Rund 250'000 Franken hat der Ausbau gekostet, die SBB investierten 194'000 Franken davon für den Umbau inklusive technische Installationen, die Veloständer zahlte die Stadt. Es handelt sich bei den 420 Abstellplätzen um eine provisorische Lösung. Die Stadt möchte im Posttunnel eigentlich ein ausgebautes Veloparking mit rund 820 Plätzen inklusive Zufahrtsrampe erstellen: 

Im Januar hat das Parlament einen Sonderkredit von 1,3 Millionen Franken für die Planung dieser Anlage genehmigt, dagegen wurde jedoch das Referendum ergriffen. Am 20. Oktober kommt es zur Urnenabstimmung. Sollte das Stimmvolk Nein sagen, werden die nun bestehenden 420 Abstellplätze vorerst weiter benutzbar bleiben. Wie es dann weitergeht, ist offen. «Das wird Verhandlungssache sein», sagt Rolf Baumeler dazu, «die Zusammenarbeit mit der Stadt ist ergebnisoffen». 

Eine allfällige Umsetzung der ausgebauten Veloparkieranlage könnte bis 2024 stattfinden. Die Stadt rechnet für den Bau mit Kosten von rund 7,5 Millionen Franken. Für die Zufahrtsrampe entfallen an der Habsburgerstrasse 130 Abstellplätze. Hinzu kommt dort ein Neubau der Treppen- und Liftanlage. Dies sei ohnehin sinnvoll, so der Stadtrat, weil Treppe und Lift nach dem Bau des Durchgangsbahnhofes für den Fussverkehr weiterhin genutzt werden können. 

Der Posttunnel dagegen wird dereinst dem Tiefbahnhof zum Opfer fallen. Er wurde 1983 zusammen mit der Unterführung gebaut und bis 1999 als Verteilzentrale der Post verwendet. 2008 kauften die SBB den Tunnel von der Post. Rund 10 Jahre später, 2017, einigten sich die SBB und die Stadt Luzern darauf, den Posttunnel so schnell wie möglich für die Veloparkierung zu öffnen. 

Neue Veloverbindung unter dem Luzerner Bahnhof soll 2024 eröffnen

Das Luzerner Stadtparlament hat im zweiten Anlauf dem Projekt Velotunnel zugestimmt. Doch für Velofahrer bleiben Wermutstropfen: Sie müssen ihr Velo im Tunnel stossen. Zudem ist die Schliessung der Unterführung schon heute absehbar. Und die SVP will das Projekt per Volksabstimmung bodigen.
Robert Knobel