Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Luzerner Behörde vermutete zu Unrecht eine Scheinehe - und wies trauernde Witwe aus

Eine Brasilianerin hat 2015 einen Luzerner geheiratet – und ihn bis zu seinem Tod gepflegt. Das Amt für Migration wollte sie danach aus der Schweiz ausweisen. Der Vorwurf: Sie habe ihren Mann nicht wirklich geliebt.
Lena Berger
Die verwaltungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts Luzern stoppte die Wegweisung - und wies das Amt für Migration an, eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. (Bild: Maria Schmid)

Die verwaltungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts Luzern stoppte die Wegweisung - und wies das Amt für Migration an, eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. (Bild: Maria Schmid)

Zuerst hat sie ihren Ehemann verloren – und gleich danach ihre Aufenthaltsbewilligung. Nur wenige Monate nach der Beerdigung ihres Mannes hat eine in Luzern lebende Brasilianerin unangenehme Post vom Amt für Migration erhalten. Die Behörde warf der Witwe vor, ihre Ehe «sei nicht mit der nötigen Intensität gelebt» worden.

Sie sei während der zwei Jahre, die sie verheiratet war, mehrfach zurück in ihre Heimat gereist – und ausserdem habe sie nicht auf Facebook um ihren Mann getrauert. Bei der 2015 geschlossenen Ehe habe es sich um eine Scheinehe gehandelt, folgerte die Behörde. Deshalb müsse sie die Schweiz umgehend verlassen.

Die Behörde zog voreilige Schlüsse

Nicht nur bei der betroffenen Frau, auch bei der Familie des verstorbenen Ehemannes sorgte der Entscheid für grosses Unverständnis. Rechtlich ist die Lage so: Grundsätzlich besteht nach dem Tod eines Ehegatten nur dann ein Anspruch auf eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn die Ehe mehr als drei Jahre gedauert hat. Das war hier nicht der Fall. Nach der bundesgerichtlichen Rechtssprechung gehen die Gerichte in solchen Fällen aber in der Regel von einem nachehelichen Härtefall aus, der es rechtfertigt, dass die Witwe oder der Witwer dennoch in der Schweiz bleiben kann.

Dies gilt allerdings nicht, wenn die Behörden – wie in diesem Fall – davon ausgehen, dass die Ehe nur zum Schein geschlossen worden ist. Vorliegend unterliess es das Amt für Migration allerdings, dies sorgfältig zu prüfen.

Die Betroffene beschwerte sich nämlich beim Kantonsgericht, welches mehrere Zeugenbefragungen durchführte. Dabei zeigte sich schnell, dass es sich keineswegs um eine Scheinehe handelte. Sowohl die Schwester als auch der Sohn des verstorbenen Ehegatten bestätigten, dass es sich um eine gelebte Beziehung gehandelt hat. Als der Mann im Sommer 2016 schwer erkrankte, betreute seine Frau ihn intensiv und besuchte ihn – abgesehen von ihren Auslandaufenthalten – täglich im Spital. Auch die Wochenenden verbrachten sie wenn möglich zusammen.

Frau hielt eine berührende Abdankungsrede

Die Frau reiste in der Zeit zwei Mal nach Brasilien – jedoch aus nachvollziehbaren Gründen. Einmal, weil es auch ihrem Vater zu der Zeit gesundheitlich schlecht ging, und einmal, weil ihr Sohn ein juristisches Problem hatte, das ihrer Anwesenheit bedurfte.

Die Schwester des Verstorbenen, zu der die Frau bis heute persönlichen Kontakt pflegt, gab vor dem Kantonsgericht zu Protokoll, dass die Beziehung «sehr eng» gewesen sei. Sie hatte den Eindruck, dass es ihrem Bruder mit der Schwägerin gut gegangen sei – dies wurde auch durch diverse Fotos von den beiden unterstrichen. An der Beerdigung sei es die Ehefrau gewesen, die eine berührende Abdankungsrede hielt.

Das Kantonsgericht wies deshalb das Amt für Migration an, die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Zwar hätten gewisse Indizien für eine Scheinehe gesprochen. Diese hätten aber ohne grösseren Aufwand überprüft und widerlegt werden «können und müssen», wie das Gericht in seinem Urteil schreibt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.