Unter ihm sollen die Stadtluzerner
Grünliberalen erwachsen werden

Marcel Dürr ist neuer Präsident der GLP Stadt Luzern. Sein Ziel ist, dass die Partei mehr eigene Schwerpunkte setzt.

Stefan Dähler
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GLP-Präsident Marcel Dürr vor dem Uni-Hauptgebäude.

GLP-Präsident Marcel Dürr vor dem Uni-Hauptgebäude.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 19. Dezember 2019

Eine grössere und professionellere Partei – das sind die Ziele von Marcel Dürr (55), der vor einigen Wochen das Präsidium der GLP Stadt Luzern von Louis von Mandach übernommen hat. «Ich will die GLP vom Teenager- ins Erwachsenenalter führen, was die Parteistrukturen angeht», sagt Dürr, der seit rund 30 Jahren ein Informatik-Unternehmen leitet. So werde man Büroräume mieten und eine 20-Prozent-Stelle für ein Sekretariat schaffen. Dieses soll auch die Grossstadträte unterstützen:

«Wir werden künftig aktiver sein können, mehr eigene Themenschwerpunkte setzen und allenfalls auch eine Initiative lancieren.»

Das erste Ziel ist, bei den Wahlen im März im Grossstadtrat zwei zusätzliche Sitze zu holen; derzeit sind es vier. Weiter soll Baudirektorin Manuela Jost die Wiederwahl schaffen. Eine Listenverbindung mit einer grösseren Partei wird die GLP nicht eingehen, wie vor einigen Tagen bekannt wurde. «Das heisst nicht, dass wir nicht mit anderen zusammenarbeiten wollen. Unsere Prognosen haben aber ergeben, dass uns eine Verbindung mit einer grösseren Partei nichts nützt», sagt Dürr dazu. Er selbst kandidiert 2020 noch nicht auf einem Spitzenplatz. «Da lasse ich den Jüngeren den Vorrang.»

Leitgedanke: Probleme dank Technik lösen

Dürr ist in Reussbühl aufgewachsen und hat an der ETH Informatik studiert. «Damals kam mit der Sauren-Regen-Krise der Umweltgedanke in der Schweiz auf.» Das habe ihn geprägt. Sein Interesse galt zudem stets der Technik. «Meine Motivation ist, Probleme dank innovativer Technik zu lösen.» Weiter hat Dürr als Unternehmer wirtschaftlich-liberale Ansichten. Der GLP trat er vor zehn Jahren bei, zunächst als Passivmitglied. Vor zwei Jahren konnte er in der Firma kürzertreten und sich politisch stärker engagieren. Einer anderen Partei, etwa den Grünen, gehörte Dürr nie an.

Nach den Wahlen 2016, bei denen die GLP im 2. Wahlgang mit SP und Grünen paktiert hatte, wurden die Grünliberalen jedoch oft dem linken Lager zugeordnet. FDP und CVP hatten Jost 2012 noch unterstützt, 2016 nicht mehr. Stattdessen kam es zum sogenannten Geheimdeal zwischen GLP und SP. Dieser habe zwar keine verfänglichen Vereinbarungen enthalten, sagt Dürr. Dennoch war das Verhältnis zu den Bürgerlichen danach belastet. Die sogenannte Öko-Allianz setzte zudem Akzente, etwa mit der Bekämpfung des Parkhauses Musegg.

Annäherung an Bürgerliche

«Inzwischen hat sich das Verhältnis zu den Bürgerlichen entkrampft», sagt Dürr. So hat die GLP gemeinsam mit FDP, SVP und CVP im Grossstadtrat zuletzt eine Lohnerhöhung für die Verwaltung abgeschwächt. «Wir wurden nach 2016 stärker in die linke Ecke gedrückt, als wir es eigentlich sind», sagt Dürr. Er versteht die GLP als Mittepartei, die mit allen Parteien Berührungspunkte hat: in den Bereichen Ökologie und Verkehr mit SP und Grünen, bei den Finanzen mit FDP und CVP und bei der Befürwortung der Metro-Initiative mit der SVP. Im Grossen Stadtrat ist die GLP aufgrund der ausgeglichenen Mehrheitsverhältnisse oftmals das Zünglein an der Waage. «Dadurch können wir mitgestalten und diese Verantwortung übernehmen wir gern», sagt Dürr. «Unsere Grossstadträte müssen die Dossiers deshalb gut kennen.»

Noch offen ist, welche Allianzen die GLP eingehen könnte, wenn es zu einem 2. Wahlgang für den Stadtrat kommt. Das hänge davon ab, wer sonst noch kandidiert, so Dürr. Dass die SP einen zweiten Sitz anstrebt, versteht er nicht als Angriff auf Manuela Jost. «Klar macht es das nicht einfacher, doch so funktioniert Demokratie. Mit ihrem starken Leistungsausweis und ihrer Rolle als Vermittlerin zwischen den Polen sehen wir gute Chancen für Manuela Jost.»

Road Pricing als neuer Schwerpunkt

Wo wird die GLP künftig Schwerpunkte setzen? «Sicher im Verkehr», sagt Dürr. Neben der Unterstützung der Metro-Initiative nennt er Road Pricing als Thema. Beschäftigen wird die GLP auch die städtebauliche Entwicklung aufgrund der Realisierung des Durchgangsbahnhofs. «Es soll auf den freien Flächen einen ausgewogenen Mix aus Gewerbe- und Wohnraum geben», sagt Dürr. Bereits Vorstösse eingereicht hat die GLP für den Ausbau der Tagesschule, der weiter vorangetrieben werden soll.

Hinweis: In einer ersten Version war von einem «Geheimdeal» 2016 zwischen SP, Grünen und GLP die Rede. Das war nicht korrekt. Die Grünen waren damals nicht dabei. Wir entschuldigen uns für den Fehler.

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