UNTERHALTUNG: Luzerner Wette mit Biss

Gestern Samstag ist «Wetten, dass ...?» zum letzten Mal ausgestrahlt worden. Vor fünf Jahren hat Hubert Bucher (45) aus Gisikon mit seiner Wette für Aufsehen gesorgt.

Raphael Zemp
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Oben: Hubert Bucher (46) heute mit seinen Kaninchen. Unten links: Bucher bei seinem Auftritt bei «Wetten dass ...?» vor fünf Jahren. Unten rechts: Die gestrige und letzte Sendung von «Wetten dass ...?». (Bilder Dominik Wunderli/Keystone)

Oben: Hubert Bucher (46) heute mit seinen Kaninchen. Unten links: Bucher bei seinem Auftritt bei «Wetten dass ...?» vor fünf Jahren. Unten rechts: Die gestrige und letzte Sendung von «Wetten dass ...?». (Bilder Dominik Wunderli/Keystone)

Raphael Zemp

Nach 33 Jahren ist nun Schluss: Gestern flimmerte die letzte Ausstrahlung von «Wetten, dass ...?» über die Bildschirme. Es ist das Aus für viele skurrile Fernsehwetten, mit unzähligen Lastwagen, Baggern und Waschmaschinen im Beisein von internationaler Prominenz, von Grössen des internationalen Showbusiness. «Etwas, das Jahre lang viele Leute begeistert hat, geht nun zu Ende», sagt der Gisiker Hubert Bucher (46), der für viele Zentralschweizer «Wetten, dass ...?»-Fans kein Unbekannter ist.

Höhepunkt trotz Niederlage

Vor nunmehr fast fünf Jahren trat der begnadete Kaninchenzüchter Bucher in der Sendung mit einer ausgefallenen Wette auf: Er wollte mit verbundenen Augen, nur durch Streicheln des Felles, fünf seiner zwanzig Blauwiener-Küngel erkennen. Die Wette aber missglückte Bucher. Nach drei Versuchen hatte er sich bereits zweimal geirrt. Dass sein Auftritt trotzdem für einen heimlichen, wenn auch ungewollten Höhepunkt sorgte, ist vor allem Kaninchen Thomy zu verdanken. Er biss seinem Namensvetter Moderator Thomas Gottschalk den Finger blutig. «Wohl aus Nervosität», so Bucher.

All die Kameras und Scheinwerfer. Zudem war «Beisser» Thomy eigentlich nicht Buchers Kaninchen. «Ich musste immer wieder fremde Küngel wie etwa Thomy dazunehmen, weil einige meiner Kaninchen ihr Winterfell früh verloren und ich sie nicht mehr erkennen konnte», verrät Bucher, nun da die ganze Sache bereits verjährt ist. Geübt hatte Bucher so mit mehr als zwanzig Kaninchen. Das hätte es zusätzlich kompliziert gemacht. Was nach der Sendung mit dem entliehenen Thomy passiert ist, weiss Bucher nicht.

Über 12 Millionen Zuschauer

Trotz verlorener Wette und ungewollter Beisseinlage; Bucher erinnert sich auch heute noch gerne an sein Gastspiel bei «Wetten, dass ...?». Er schwärmt: «Das war etwas Einmaliges!» Es wurde jeweils ein Riesenaufwand für die einzelnen Sendungen betrieben. Bucher traf auf eine Michelle Hunziker ohne jegliche Starallüren. Und dass man beim Kaninchenfüttern hinter der Bühne auf den amerikanischen Rockstar Jon Bon Jovi trifft, ist beileibe auch nichts Alltägliches. Über zwölf Millionen Leute in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich Buchers Wette im Fernseher angesehen, «noch heute sprechen mich Leute auf meinen Auftritt an».

Das definitive Ende für die Show sei zwar schade, aber «etwas kann sich auch zu Tode laufen». Für viele besiegelte der Abschied Gottschalks gleichzeitig auch das Schicksal von «Wetten, dass ...?». Er ist überzeugt: «Den eigentlichen Kopf der Sendung kann man nicht einfach so ersetzen!» Seither hat er die Sendung nicht mehr regelmässig geschaut. Auch für die «Derniere» von «Wetten, dass ...?» hat er nichts Spezielles geplant. Geschaut hat er sie zu Hause, zusammen mit seiner Partnerin und seinem Sohn.

Erfunden hat «Wetten, dass ...?» Frank Elstner, der die Sendung in den Anfängen auch gleich selbst moderierte. Gross geworden ist die Sendung aber mit Thomas Gottschalk, der in seinen über 150 Auftritten auch immer wieder mit seiner extravaganten Garderobe von sich reden machte. Zuletzt versuchte Markus Lanz die Sendung noch einmal zu beleben – mit mässigem Erfolg.

Verwirrung nach über 1000 Wetten

Und dennoch: 215 Sendungen sind es geworden mit über 1000 Wetten. Dass da selbst der deutsche Sender ZDF die Übersicht etwas verliert, verwundert nicht. Ein Leser machte unsere Zeitung nämlich darauf aufmerksam, dass es nicht wie vom ZDF gemeldet 13 Zentralschweizer Wetten waren und die erste auch nicht aus Stans stammte: Es waren mindestens zwei mehr. 1983 zogen acht Ruderer das Dampfschiff «Schiller» durch die Luzerner Bucht. Und 1989 setzte der Rothenburger Franz Oesch mit Hilfe einer Lokomotive einen Zug auf einer Modelleisenbahn zusammen.