Kolumne

Unterwegs mit dem GA: Auf Achse mit Landfrauen und wurstenden Altherren 

Wissen Sie, was «Pemus» ist? Oder wo das Restaurant «Zum Viertele» steht? Wenn nicht, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen. Denn unser Autor Hans Graber ist neuerdings (wieder) mit dem GA unterwegs – und erlebt da so einiges.

Hans Graber
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Hans Graber.

Hans Graber.

Neu bin ich Inhaber eines SBB-Generalabonnements, 2. Klasse. Nicht zum ersten Mal. Mehrere Jahre, verteilt auf zwei Tranchen, nutzte ich einst ein GA für das Pendeln nach Zürich. Tägliches Pendeln ist die Vorstufe des Fegefeuers. Aber meist bleibt einem ja keine Wahl. Pendler reden sich dann gerne ein, das Pendeln mache ihnen nichts aus, im Gegenteil. Aber ich glaube ihnen kein Wort. Nirgendwo richtig zu Hause. Dieses ständige Gehetze. Dieses ewige Gedränge. Diese Leute aller Gattung. Und je nach Saison Schulreisen, Wandergruppen, Landfrauen und Kegelbrüder auf Jahresausflug. Sowie jederzeit graue Panther, häufig zu zweit und breit dahockend, wenn man knapp vor Abfahrt atemlos einrückt.

Apropos Gruppen: Am Mittwoch meldete sich in einer Radiosendung zum Thema Landfrauenküche ein Vertreter von Pemus zu Wort. Pemus steht offenbar für «pensionierte, emanzipierte Männer unter sich». Der Hobbykoch aus dem Zürcher Unterland erzählte begeistert, dass sich Pemus Ende Monat «bewursten» werde. Zu Pemus (Bestand: 14 Mann) drängt es mich mit keiner Faser, aber der Ausdruck «sich bewursten» gefällt mir. Könnte fast ein Lebensmotto sein. Im Guten wie im Schlechten.

Zurück zum GA. Nun bin ich also selber ein Ruheständler. Ich gebe mir Mühe, nicht zu den klassischen Pendlerzeiten unterwegs zu sein. Obwohl, ein GA kauft man, um unabhängig zu sein. Freie Fahrt für freie Rentner. Doch auch zwischen den immer länger werdenden Stosszeiten lassen sich Ausflüge machen. Zum Beispiel Luzern-Kölliken Oberdorf retour schafft man in zweieinhalb Stunden, bei allerdings etwas kurzem Aufenthalt am Zielort. Aber da ich Kölliken Oberdorf kenne, weiss ich: Das Einzige, was man dort machen kann, ist rechtsumkehrt. Oder weiterfahren. Wohin? Gute Frage! Gordola? Echichens? Niederbipp?

Senioren erhalten das GA vergünstigt (auch als Neu-Profiteur weiss ich nicht genau, ob ich das gerecht finden soll). Zudem läuft gerade eine schöne Rabattaktion für treue Halbtax-Kunden, die wie ich auf tutti gehen möchten. Unter dem Strich muss ich nun täglich 6.50 Franken abfahren, damit das GA amortisiert ist. Das scheint nicht sehr viel. Trotzdem stand für mich von Anfang an fest, dass das GA gar nicht herausgeschlagen werden muss. Sonst setzt man sich nur unter leidigen Zug-Zwang.

Angedacht ist, jede Woche einmal eine grössere Bahnreise zu machen. In den ersten drei Wochen, seit ich das GA besitze, wurde diese Vorgabe bereits zwei Mal nicht eingehalten. Die bislang einzige etwas längere Tour führte nach Stein-Säckingen, mit Fussmarsch über den Rhein, nach Bad-Säckingen. Dort habe ich in einem Drogeriemarkt Ingwer-Orangen-Bonbons mit Vitamin C (zuckerfrei) und Klosterfrau-Bronchialtropfen mit Thymian und Eukalyptus (zuckerfrei) gekauft sowie im Restaurant «Zum Viertele» zarte Filets von einer Schwarzwaldforelle gegessen.

Bislang ist die Reisetätigkeit sehr überschaubar, aber ich glaube dass es dafür in der wärmeren Jahreszeit auch mal zwei Fährtchen pro Woche sein werden. Und selbst wenn ich mir jetzt etwas vormachen sollte, bleibe ich gelassen. Andere kaufen sich nach der Pensionierung einen Camper, gehen auf Weltreise oder mindestens auf siebenwöchige Kreuzfahrt mit allen Schikanen. Da fahre ich mit meinem GA immer noch weitaus günstiger, ob ich es nun brauche oder nicht. Der Weg ist nicht immer das Ziel. Manchmal genügt Treten an Ort mit GA. Ein gutes Gefühl gibt es mir auf alle Fälle. Noch gediegener wäre die Luxusvariante. 1. Klasse. Das würde mein Budget arg strapazieren. Auf Dauer ausschliessen will ich es aber nicht, habe ich mich in meinem Leben doch hin und wieder mal bewurstet, in allerlei Hinsicht.