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URGESTEIN: Stadtschreiber Toni Göpfert: «Ich habe die Rolle in der zweiten Reihe geschätzt»

Nach 27 Jahren geht der Luzerner Stadtschreiber Toni Göpfert in Pension. In dieser Zeit wurden das KKL oder die Swisspor-Arena realisiert. Ein anderes, weniger prestigeträchtiges Projekt hält er aber für noch wichtiger.
Stefan Dähler
Der abtretende Stadtschreiber Toni Göpfert im Sitzungszimmer des Stadtrats, wo er während der letzten 27 Jahre unzählige Stunden verbracht hat. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Juli 2017))

Der abtretende Stadtschreiber Toni Göpfert im Sitzungszimmer des Stadtrats, wo er während der letzten 27 Jahre unzählige Stunden verbracht hat. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Juli 2017))

Als Fotosujet für das Abschiedsporträt wählt Toni Göpfert den Sitzungsraum des Stadtrats im Stadthaus. «Knapp 1000 Sitzungen habe ich dort miterlebt», sagt der 63-Jährige, der Ende Monat nach 27 Jahren Amtszeit als Luzerner Stadtschreiber in Pension geht und Nachfolger Urs Achermann (47) Platz macht.

«Als ich anfing, stand noch eine Schreibmaschine auf meinem Bürotisch», erinnert sich Göpfert. Er ist deutlich länger dabei als alle fünf Exekutivmitglieder. Als «sechsten Stadtrat», wie der Stadtschreiber im Volksmund teils genannt wird, sah er sich aber «eher nicht». Er sei zwar an den Sitzungen dabei und auf dem offiziellen Stadtratsfoto zu sehen gewesen. «Daher ist man – gegen aussen – schon irgendwie der Sechste.» Doch Entscheidungen fällt nur der Stadtrat. «Schliesslich ist dieser vom Volk gewählt.»

«Mir ist nie langweilig geworden»

Der Stadtschreiber dagegen habe eine rein beratende Funktion. Göpfert ist zwar FDP-Mitglied, seine Meinung zähle aber nicht: «Eingebracht habe ich mich, wenn es um formale Fragen ging – beispielsweise rechtliche Grundlagen oder wen man alles im politischen Prozess einbinden muss.» Hat es ihn nie gereizt, mitzuentscheiden und selbst Stadtrat zu werden? «Überhaupt nicht. Ich habe meine Rolle in der zweiten Reihe sehr geschätzt. Man ist nahe an der Politik, aber doch im Hintergrund – das ist genau das, was ich gerne mache.»

Auch einen Berufswechsel habe der «leidenschaftliche Stadtluzerner», wie Göpfert sich selbst bezeichnet, nie ernsthaft erwogen. Vor seiner Zeit als Stadtschreiber war der ausgebildete Rechtsanwalt beim kantonalen Militär-, Polizei- und Umweltschutzdepartement als Leiter Rechtsdienst tätig. «Es war vor 27 Jahren nicht mein Ziel, bis zur Pension zu bleiben. Doch der Job ist so interessant, dass mir nie langweilig geworden ist.» Geschätzt hat Göpfert vor allem die Abwechslung. So habe sich – etwa durch die Digitalisierung oder Umorganisationen der Verwaltung – sein Arbeitsalltag stark verändert. «Und ich musste stets auf wechselnde Fragestellungen, Projekte und Personen eingehen.» Grosse Projekte während Göpferts Amtszeit waren etwa das KKL oder die Swisspor-Arena. «Für mich entscheidender waren aber die Fusionen mit der Bürgergemeinde und vor allem mit Littau.» Letztere sei mit rund 17 000 Einwohnern die viertgrösste Gemeinde im Kanton Luzern gewesen. «Diese Fusion zu bewältigen, war aus meiner Sicht auch eine grosse Leistung.»

In Erinnerung geblieben ist ihm der Brand der Kapellbrücke. «Gleich am Tag danach hat der Stadtrat entschieden, die Brücke wieder aufzubauen – zum Glück. Denn es kamen auch Ideen auf, die Brücke als Brandruine stehen zu lassen.» Auch gescheiterte Projekte hat Göpfert begleitet – zuletzt die Salle Modulable. «Aus meiner Optik hat der Stadtrat alles versucht, um das Projekt zu ermöglichen. Doch es gab nun mal keine politische Mehrheit.»

«Politischer Prozess ist komplexer geworden»

Apropos politische Mehrheit. Zu Beginn von Göpferts Amtszeit waren FDP und CVP die dominanten Parteien. «Heute sind die Mehrheiten knapper, das macht den politischen Prozess komplexer.» So müsse man mehr Leute früher miteinbeziehen. «Das gilt nicht nur für Parteien, sondern auch für Vereine und andere Organisationen, was Zeit und Ressourcen kostet.» Göpfert trauert den alten Zeiten aber nicht nach. «Die Bevölkerung ist so auch besser abgebildet. Und wir haben in der Stadt eine gute Diskussionskultur.» Dies gelte für das Parlament und den Stadtrat. Es habe bei den Sitzungen der Exekutive auch nie Anlass gegeben, einen Streit schlichten zu müssen.

Veränderungen in der stadträtlichen Diskussionskultur gab es dennoch. «Ein neuer Stadtpräsident bedeutet auch immer eine Zäsur.» Die Führungsstile würden sich jeweils unterscheiden. So habe man beispielsweise unter Franz Kurzmeyer an Sitzungen wichtige Geschäfte noch stärker weiterentwickelt.

Mit welchem Stadtrat hat sich Göpfert besonders gut oder schlecht verstanden? «Ich habe alle gleich behandelt, es waren wohlwollend-kollegiale Verhältnisse», sagt er diplomatisch. Dass er nach der Volksinitiative für eine Lohnkürzung bei den Stadträten mehr verdiente als die Exekutivmitglieder, sei nicht in seinem Sinne gewesen. «Ich bin persönlich klar der Meinung, dass Stadträte mehr verdienen sollten. Sie tragen schliesslich die politische Verantwortung.»

Doch mit solchen Fragen muss sich Göpfert nun nicht mehr auseinandersetzen. Wie sehen seine Zukunftspläne aus? «Als Stadtschreiber waren 10- Stunden-Arbeitstage die Regel. Nun von 120 auf 0 Prozent run­terzufahren, wäre nicht gesund.» Er wird nun einige kleinere Aufgaben im gemeinnützigen Bereich sowie beim Europaforum und als Urnenbüropräsident übernehmen. Weiter will Göpfert vermehrt auf Reisen gehen. «Die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen werde ich schon vermissen. Nicht vermissen werde ich dagegen den vollen Terminkalender. Ich freue mich, künftig weniger fremdbestimmt zu sein.»

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

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