URI: Teppichhändler sind untergetaucht

Gegen Teppichhändler in Altdorf sind mehrere Anzeigen eingegangen. Nun sind die Händler weg, und die Polizei weiss nicht, wo sie stecken. Spuren führen nach Kriens und Deutschland.

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Vor allem ältere Leute sind Opfer der Teppichbetrügern (Symbolbild) (Bild: Petra Orosz/Keystone)

Vor allem ältere Leute sind Opfer der Teppichbetrügern (Symbolbild) (Bild: Petra Orosz/Keystone)

Matthias Stadler
matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Die Herren sind adrett gekleidet, mit Anzug und Krawatte. Sie sprechen lupenreines Hochdeutsch. Und wenn es ums Geschäft geht, nehmen sie schnell ein Bündel Hunderternoten in die Hand. So traten Teppichhändler zwischen Anfang Februar und Ende April in Altdorf auf. Sie mieteten sich in einem Lokal in Altdorf ein und warben mit Aktionen für Teppichreinigungen: «Gönnen Sie Ihrem Teppich nach all den Jahren ein Erholungsbad!», hiess es etwa auf einem Flugblatt (wir berichteten).

Die Polizei erhielt daraufhin bald die ersten Anzeigen von Bürgern, die von Betrügern übers Ohr gehauen worden waren. Die Polizei warnte danach vor dubiosen Machenschaften. So hätten gewisse Teppichhändler die Reinigung alter Teppiche angeboten, woraufhin die Kunden feststellten, dass sie dafür überrissene Preise bezahlt hatten. In Altdorf wird kolportiert, dass einer Seniorin für mehr als 60000 Franken ein Teppich angedreht worden sei. Der Händler im Dorfkern von Altdorf bestritt gegenüber unserer Zeitung die Vorwürfe. Er habe mit der Sache nichts zu tun.

Laden zur Miete ausgeschrieben

Ein Augenschein vor Ort zeigt nun: Der Verkaufsladen ist leergeräumt. Von den Männern, mutmasslich orientalischer Abstammung und in Deutschland aufgewachsen, fehlt jede Spur. Dies bestätigt auch der Vermieter, der sich sonst mit weiteren Informationen zurückhält und keinen Kontakt zu den Mietern mehr habe aufbauen können. Er schweigt auch darüber, ob die Händler je ihre Miete bezahlten. Die Räumlichkeiten sind bereits wieder ausgeschrieben.

Auch die Kantonspolizei Uri tappt im Dunkeln. «Die Händler sind für uns momentan nicht greifbar», sagt Ruedi Huber, Chef der Kriminalpolizei. Sie hätten einen «unsteten Aufenthalt». Telefonisch habe man Kontakt gehabt und sie auch vorgeladen, doch seien die Händler nie erschienen und hätten abgemachte Termine jeweils kurzfristig verschoben. Falls sie nicht bald bei der Polizei vorstellig werden, müsse ein sogenannter Vorführbefehl bei der Staatsanwaltschaft bewirkt werden, wie Ruedi Huber erklärt. Damit hätte die Polizei rechtlich die Möglichkeit, beschuldigte Personen auch gegen deren Willen für eine Befragung vorzuführen.

Doch mittlerweile gibt es Anhaltspunkte, dass die Händler in Kriens aufgetaucht sind. Es gibt zwei Flugblätter, die ähnlich – in der Formulierung und den Fotos – gestaltet sind wie dasjenige von Altdorf und in einem früheren Fall von Flums im Kanton St. Gallen. Auch dort waren Teppichhändler am Werk. Das Teppichgeschäft soll Mitte Mai im Zentrum von Kriens eröffnen, die Adresse samt Telefonnummer ist angegeben. Namentlich gilt auf allen Flugblättern «ab heute» eine Teppichwaschaktion, die fünf Tage gültig sei. Als Inhaber ist G. M.* angegeben, der sich jedoch im Handelsregister nicht finden lässt. Auch unter dem Geschäftsnamen gibt es keine Einträge. Und der Telefonanschluss ist ausser Betrieb.

Die Kantonspolizei Uri weiss nichts vom Geschäft in Kriens. «Wir wissen aber, dass es Händler gibt, die in der ganzen Schweiz Räumlichkeiten suchen und dann so vorgehen wie in Altdorf», sagt Ruedi Huber von der Kriminalpolizei. Entsprechend sei die Information über die «Altdorfer» Händler auch national erfolgt. Huber fügt an, dass das auf dem Krienser Flugblatt geschilderte Vorgehen «typisch» sei und etwa auch in Deutschland vorkomme.

Teppichhändler will zurück nach Altdorf

Bei der Luzerner Polizei ist das Krienser Geschäft ebenfalls nicht bekannt, wie Pressesprecher Urs Wigger mitteilt. Auf Spekulationen will er sich nicht einlassen. Ruedi Huber erklärt weiter: «So lange die Händler keine Gesetze verletzt haben, ist die Verfolgung problematisch.» Bei der Verwaltung der Krienser Liegenschaft will man sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zum Fall äussern.
Anders als in Kriens ist der Anschluss der auf dem Altdorfer Flugblatt angegebenen Handynummer in Betrieb. Der Leiter der Urner Filiale beantwortet unsere Fragen denn auch. Er habe keine Kenntnis von einem Krienser Laden und entsprechend nichts mit diesem Geschäft zu tun. Auf den leer stehenden Laden in Altdorf angesprochen, reagiert der Mann überrascht. Er habe keine Kenntnis davon, dass die Räume leer seien. «Ist alles weggeräumt?», fragt er. Da müsse der Vermieter «einen Fehler» gemacht haben. Er sei zur Zeit in Deutschland bei seinem kranken Vater, komme aber wieder nach Altdorf zurück und habe vorgehabt, das Geschäft weiterzuführen.
Für die Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

* Name der Redaktion bekannt